zur Navigation springen

Suche nach Vorbildern : Spannendes im Reisegepäck

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Öffentliche Personennahverkehr in Nordfriesland steht vor dem Umbruch: Eine Kreis-Delegation inspizierte mehrere Pilotprojekte. Im Vorfeld der Info-Tour hatte es heftige Kritik gegeben.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) steht vor einem Umbruch. Das gilt insbesondere für Nordfriesland. Denn im ländlichen Raum wird der jetzige ÖPNV angesichts des demografischen Wandels in naher Zukunft nicht mehr funktionieren und auch nicht mehr bezahlbar sein. Der Kreis Nordfriesland hat deshalb ein neues, komplett aus Bundesmitteln bezahltes Mobilitätskonzept erstellen lassen. Es zeigt verschiedenste Möglichkeiten auf, wie der ÖPNV der Zukunft in Nordfriesland aussehen könnte. Auf Anregung der Jamaika-Kooperation von CDU, Grünen und FDP im nordfriesischen Kreistag wurde jetzt eine Delegation auf die Reise geschickt, um vermeintlich erfolgreiche Ansätze zur Umgestaltung des ÖPNV in Deutschland zu inspizieren. Im Vorfeld der Info-Tour quer durch die Republik hatte es Auseinandersetzungen zwischen dem Mehrheits-Bündnis und den anderen Fraktionen gegeben, die ausufernde Kosten befürchteten und eine Anhörung favorisierten (wir berichteten).

„Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten, gezielter Boykottaktionen der politischen Konkurrenz und zweier ganz kurzfristiger Absagen wegen Krankheit hat diese Fahrt dann schließlich mit nur fünf Teilnehmern stattgefunden“, so der Initiator der Reise, Uwe Schwalm. „Und sie war – trotzdem oder gerade deswegen – ziemlich erfolgreich“, stellte der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Kreistag und dritte stellvertretende Landrat jetzt schmunzelnd fest. Zusammen mit Momme Zuppelli (Kreisentwicklungsabteilung), Hartmut Brunk (FDP), Hauke Schmidt (Veolia-Verkehrsbetriebe) und Ulf Röpke (Röpke Liner) wurde nach seinen Aussagen eine Strecke von 1670 Kilometern zurückgelegt, um hochgelobte Pionierprojekte vor Ort kennenzulernen, um deren Leitern auf den Zahn zu fühlen und von deren Erfahrungen zu lernen.

Der Weg führte über Ostfriesland (Urlauberbus für zwei Euro), Wernigerode (Harzer Urlaubsticket kostenfrei) und Eschwege (Mobilfalt – koordinierte Personen-Mitnahme im privaten Pkw) in den sehr dünn besiedelten Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es drei vertaktete Netzebenen: Bahn/Bus, Bus/Bus und flächenhafter Rufbus im Zwei-Stunden-Takt, eine kostenlose Fahrradmitnahme, ein Schülerplus-Ticket für elf Euro sowie einen Kita-Bus. Zum Abschlus stand die Tourismus-Hochburg Klützer Winkel in Mecklenburg-Vorpommern (Kombination von E-Bus mit E-Bikes als Zubringer) auf dem Programm.

An den beiden ersten Stationen weckten besonders der kreisübergreifende Ansatz und die erfolgreichen Bemühungen um eine Attraktivitäts-Steigerung für die Touristen das Interesse der Delegation aus dem hohen Norden. „Eine Teil-Übertragbarkeit auf Nordfriesland wäre möglicherweise denkbar“, so Uwe Schwalm.

Im hessischen Eschwege wird in einem groß angelegten und geförderten Projekt versucht, Autofahrer zu motivieren, freie Plätze in ihrem Pkw auf einer Online-Plattform anzubieten. Dabei sei allerdings leider nicht der Durchbruch geschafft worden. Schwalm: „Die Erfolgsquote von unter zehn Prozent macht derzeit wenig Hoffnung, dass dieser sehr sinnvoll erscheinende und Ressourcen sparende Ansatz mittelfristig zum Erfolg führen wird.“

„Am Bestechendsten“ war demnach das seit 2008 funktionierende ÖPNV-Konzept im Altmarkkreis Salzwedel. Es sei erprobt und innovativ zugleich und habe zahlreiche Parallelen zu dem für Nordfriesland entwickelten Mobilitätskonzept. „Es wird sich lohnen, die dort gemachten Erfahrungen vertieft aufzuarbeiten.“ Eher enttäuschend war Schwalm zufolge am Schluss der Reise das im Internet überzeugend präsentierte „inmod“-Projekt, bei dem in einem Tourismusgebiet E-Bikes als Zubringer zu einem im Zwei-Stunden-Takt verkehrenden Elektrobus dienen. „Dieses Projekt hätte auch unserem auf Klimaschutz bedachten Tourismus-Kreis gut zu Gesicht gestanden. Leider hat die konkrete Inspektion vor Ort den Erwartungen nicht standgehalten“, bilanziert Schwalm.

Alle Teilnehmer der Info-Reise waren sich nach seinen Worten einig, dass sich der Aufwand gelohnt habe und die insgesamt 1000 Euro an Fahrtkosten in Anbetracht großer Summen, die die Umstrukturierung kosten wird, „gut angelegtes Geld“ sind. Der Hintergrund: Kritiker der Tour hatten Unkosten von bis zu 20.000 Euro befürchtet. Die Ergebnisse der Info-Fahrt sollen nun in den Gremien des Kreises beraten werden.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Okt.2014 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen