Erfolgsprojekt mit Zukunft : Sozialarbeit an Schulen unverzichtbar

Gewalt auf dem Schulhof kommt immer wieder mal vor: Die Sozialarbeiter helfen, Konflikte zu lösen.
Foto:
Gewalt auf dem Schulhof kommt immer wieder mal vor: Die Sozialarbeiter helfen, Konflikte zu lösen.

An den Husumer Grund- und Gemeinschaftsschulen haben sich die Sozialarbeiter bewährt. Die Stadt verlängerte die Laufzeit des Projektes jetzt um fünf Jahre.

von
02. Mai 2015, 17:00 Uhr

Nein, über mangelnde Auslastung könne man sich wahrlich nicht beklagen. Und auch das mit der Akzeptanz sei mittlerweile so weit gediehen, dass „wir nicht mehr um Präsenz kämpfen müssen“, wie es Sandra Grams formulierte. „Wir sind einfach da – und die Kids wissen, wo sie uns finden“, erklärte sie dem Ausschuss für Schule, Kultur und Sport. Grams, die seit fünf Jahren als Sozialarbeiterin der ersten Stunde an der Ferdinand-Tönnies-Schule tätig ist, war zusammen mit ihren Kollegen Dr. Isabel Petersen (Bürgerschule) und Torben Albrecht (Gemeinschaftsschule Husum-Nord) sowie Koordinatorin Inken Voß-Carstensen vom als Projekt-Träger fungierenden Diakonischen Werk im Rathaus vorstellig geworden. In Abwesenheit von Lars Goerke (Klaus-Groth- und Iven-Agßen-Schule) erstattete das Quartett den zuständigen Politikern Bericht über die Entwicklung der Sozialarbeit an den städtischen Grund- und Gemeinschaftsschulen.

Und das aus gutem Grund: Auf der Tagesordnung stand schließlich der Beschluss, diese Kooperation, die 2009 vereinbart worden war und sich seitdem so sehr bewährt hat, um fünf Jahre zu verlängern. Dazu hätten die Ausschuss-Mitglieder – und am Donnerstag (30. April) die Stadtvertreter – auch ohne den Aufmarsch der Protagonisten den Arm gehoben, denn die Sinnhaftigkeit dieses Erfolgsmodells zieht wohl niemand in Zweifel angesichts der vielen unerfreulichen gesellschaftlichen und familiären Entwicklungen. So gibt es zum Beispiel immer mehr Jugendliche ohne Schulabschluss sowie Kinder mit Migrationshintergrund. Auch das Problem der Schulverweigerer wird von Jahr zu Jahr größer. Die Herausforderungen, vor denen die Schulen stehen, wachsen stetig.

Dank der Trägerschaft profitieren die Sozialarbeiter in Husum – 2011 wurden auch die drei Grundschulen ins Programm aufgenommen und mit 1,78 Stellen ausgestattet – vom großen Netzwerk des Diakonischen Werkes. Ideale Voraussetzungen, um in intensiver Zusammenarbeit mit Pädagogen und Eltern nicht nur die Lebens- und Lernbedingungen von Kindern und Jugendlichen zu fördern und zu stabilisieren. Grams, Albrecht, Petersen und Goerke legen sich auch immer wieder mächtig ins Zeug, um das Schulklima zu verbessern, Sozialkompetenzen zu fördern und Konflikte konstruktiv zu lösen. Dabei geht es im Schulalltag längst nicht nur um Mobbing, Gewalt und Versagensängste.

Die Schulsozialarbeit ist so vielseitig, dass natürlich auch bei den Gymnasien Begehrlichkeiten geweckt werden. „Wir sind ein bisschen neidisch“, sagte Renate Christiansen, Direktorin der Hermann-Tast-Schule: „Es gibt auch viele Gymnasiasten, die Hilfe brauchen.“ Als Beispiel führte sie einen Schüler an, der aufgrund psychischer Probleme dem Unterricht fernbliebe. Ihre Amtskollegin von der Theodor-Storm-Schule, Sibylle Karschin, drängt auf zeitnahe Umsetzung: „Die Husumer und Flensburger Gymnasien sind die einzigen, die noch keine Schulsozialarbeiter haben.“

Eine Sitzung mit historischen Momenten

Diese Wette verlor Bürgervorsteher Peter Empen: Er hatte gegen Bürgermeister Uwe Schmitz gehalten, dass die Sitzung des Stadtverordnetenkollegiums am Donnerstag mehr als eine Stunde dauern würde. Tatsächlich war sie nach 59 Minuten und 45 Sekunden zu Ende – und zeichnete sich durch ein Novum aus, denn alle Vorlagen wurden einstimmig angenommen. Husums Nationalpark-Partnerschaft, die Verlängerung der Schulsozialarbeit, die Einführung der wiederkehrenden Beiträge bei der Straßenerneuerung, die Sanierungssatzung der Oberen Neustadt und der erste Nachtragshaushalt 2015  – in allen Punkten waren sich die Stadtpolitiker einig. Bis diese Einigkeit hergestellt war, sei es beim Thema Wiederkehrende Beiträge aber „zäh und steinig“ gewesen, so Sven-Thomas Schmidt-Knäbel (CDU). Jetzt sah der Bauausschuss-Vorsitzende  jedoch für Husum einen „historischen Meilenstein“ gesetzt. In Zukunft werden die Kosten für Straßensanierungen nicht mehr allein auf die Anlieger umgelegt, sondern solidarisch auf alle Bewohner eines Stadtteils, was die extreme finanzielle Belastung  Einzelner verhindert.  „Die 107000 Euro, die wir für die Umstellung auf das neue System aufwenden müssen, sind gut angelegt“, waren sich Vertreter aller Fraktionen einig. Und bekamen Beifall aus dem Zuschauerraum: Volker Springer dankte im Namen der Bewohner von Feldberg- und Schückingstraße – deren Sanierung  der Auslöser war –  den Politikern dafür, dass sie  „den Mut aufgebracht haben, sich zu bewegen“.   Vielen   Anliegern sei ein großer Stein vom Herzen gefallen: „Die Gefahr, durch horrende Beiträge in Altersarmut zu rutschen oder sich hoch zu verschulden, ist vom Tisch.“ (sp)

 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen