zur Navigation springen

Mittleres Nordfriesland : Sorge vor Spanner-Fotos in Bädern

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Aufsichtskräfte in den Freibädern im Raum Mittleres Nordfriesland wollen Verbote von Smartphones und Tablets umgehen und erhöhen stattdessen ihre Aufmerksamkeit.

Ein Großvater knipst im Schwimmbad mit seinem Smartphone seinen stolzen Enkel, der gerade sein Seepferdchen-Abzeichen erworben hat. Die Mutter liest auf der Liegewiese auf ihrem Tablet in einem E-Book. Doch nebenan fotografiert jemand gezielt die schmuckesten Badenixen, offenbar, ohne sie näher zu kennen. Anders als mit klobigen Fotoapparaten ist das Ablichten per Handykamera heute ein Kinderspiel und bleibt meist unbemerkt. Schon kurze Zeit später landen die heimlich aufgenommenen Bilder über die sozialen Netzwerke im Internet – so die Sorge. Zudem sind Handys heute oft wasserdicht. Unterwasseraufnahmen sind noch weniger kontrollierbar, als wenn auf der Liegewiese Motive herangezoomt und mit hoher Auflösung geknipst werden. Bäder in Flensburg, Neumünster oder Hamburg reagieren bereits, kleben Kameralinsen zu oder verbieten schlicht das Mitbringen elektronischer Geräte.

Mit die höchste Bäder-Dichte an der Westküste gibt es im Raum Mittleres Nordfriesland. Fünf Freibäder versorgen fast die gesamte Region, weil die Gemeinden eng kooperieren oder sogar ihre Einnahmen aus dem Sommervergnügen unter sich aufteilen. Bürgermeister und die mit der Badeaufsicht beauftragten Teams reagieren äußerst sensibel auf die Nachrichten über den Missbrauch von Smartphones & Co., wie eine Umfrage unserer Zeitung bei den fünf Betreibern ergeben hat. Bislang ist aber in keiner Gemeinde per Badeordnung das Fotografieren oder gar das Mitbringen der Geräte verboten worden. Die Mitarbeiter haben jedoch alle Besucher fest im Blick und einige haben auch schon eingreifen müssen, wenn sich andere Badegäste belästigt gefühlt haben. Denn gelegentlich gibt es auch hier Spanner, die es ausnutzen wollen, dass die Menschen ihre Hüllen haben fallen lassen, um sich im Wasser abzukühlen.

Bordelum: „Wir haben schon immer ein Auge darauf, dass hier nicht unbefugt fotografiert wird“, sagt Gönke Petersen. Sie spricht für das 30-köpfige ehrenamtliche Team, das sich um den reibungslosen Ablauf kümmert. Tatsächlich sei vor Jahren ein Mann aufgefallen, der Fotos von Mädchen gemacht habe. Von ihm sei verlangt worden, die Bilder zu löschen. Der Vorteil in Bordelum sei, dass Becken und Liegewiese gut beobachtet werden könnten.

Bredstedt: Im Erlebnisbad haben sich gelegentlich Frauen bei Badebetriebsleiter Bernd Ingwersen beklagt, dass sie sich von Spannern mit Smartphones bedrängt fühlten. „Ich lasse mir dann die Fotos zeigen und verlange, dass sie gelöscht werden.“ Rettungsschwimmerin Maren Hansen von der Wasserwacht Bredstedt, die im Lehrbecken des früheren Bades schwimmen lernte und schon als Jugendliche Aufsicht führte, hat ähnliche Vorfälle bereits andernorts beobachtet. Doch das Team in Bredstedt verlässt sich darauf, dass es die meisten Besucher persönlich kennt. „Und Fremde fragen sogar, ob sie die Geräte mit ins Bad nehmen dürfen“, ergänzt sie.

Die Frage, ob Regeln verschärft werden müssen, stellt sich hier besonders, wird das Bad doch aktuell mit öffentlichem Wlan versorgt, wie Bürgermeister Knut Jessen berichtet – gedacht als zusätzlicher Anreiz für die Gäste des Erlebnisbades, Handys und Tablets mitzubringen.

Breklum: Just heute ist Saisonauftakt im Freibad mit kostenlosem Anbaden. Von 14 bis 18 Uhr werden Jahreskarten verkauft und Schlüssel für die Benutzung außerhalb der Öffnungszeiten ausgegeben, was nur Erwachsenen erlaubt wird. Dort ist die Badeaufsicht Anke Clausen übertragen. „An Stränden haben wir es in unserer Familie schon erlebt, dass unbekannte Fotografen ihre Teleobjektive auf uns gerichtet haben“, erzählt sie, als sie auf die Problematik angesprochen wird. Aber in dem überschaubaren Breklumer Bad hätten alle das Geschehen gut im Blick. Familien mit Kindern, Schüler aus dem Umland zählen zu den Gästen, und abends kommen viele Erwachsene aus dem Ort beim Spätschwimmen zusammen. „Müttern macht es natürlich Freude, ihre Kinder bei den ersten Schwimmversuchen zu fotografieren.“

Bürgermeister Heinrich Bahnsen vermutet, dass im nächsten Jahr feste Regeln her müssen. Dann wird es vermutlich schon an die Nahwärme angeschlossen sein und seine Öffnungszeiten erheblich erweitern können. „Dann müssen Maßnahmen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Gäste und gegen den Vertrauensbruch her.“

Drelsdorf: Tim Friedrichsen ist Vorsitzender des Bad-Fördervereins, und er hat die Problematik ebenfalls schon erkannt. „Ich werde meine Kräfte, die sich die Badaufsicht teilen, dafür sensibilisieren.“ Sieben Rettungsschwimmer teilen sich in die Aufgabe, wobei auch hier gilt, dass die meisten die Gäste persönlich kennen. Von 3500 Besuchern pro Jahr, kenne er nur 500 nicht, schätzt er.

Högel: Hier sorgt Janina Clausen vom Förderverein für störungsfreie Abläufe im Bad. Stark frequentiert werde es von Familien mit kleinen Kindern, wozu auch das Baby-Planschbecken einlädt. „Statt Smartphones sind eher wasserfeste Spielsachen für die Kleinen gefragt.“ Ansonsten seien hier die Menschen aus der Region eher unter sich. Da werde sicher auch die für den 5. August geplante Spaß-Olympiade im Bad ohne fremde Handy-Spanner über die Bühne gehen.

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 09.Jun.2017 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen