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Kritische Stimmen beim Neujahrsempfang : Sorge um die Sicherheit sitzt tief

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die beiden Stürme und ihre Folgen werfen bei den Nordstrandern Fragen auf: Was wäre bei akuter Deichbruchgefahr getan worden? Beim Neujahrsempfang der Gemeinde berichteten Einwohner von ihren Ängsten und Nöten.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 17:00 Uhr

Geselligkeit und Gedankenaustausch waren angesagt beim Neujahrsempfang des Nordstrander Heimatvereins und der Ortsgruppe Nordstrand-Pellworm des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Gasthof Kiefhuck. Hausherr Gerd Höfer sowie Vereins-Chef Momme Elsner begrüßten Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Vereinen sowie einige Bürger.

„So viele Gäste hatten wir noch nie“, freute sich der Wirt. Er lieferte die Steilvorlage für die brandheißen Themen Deicherhöhung und die jüngst über das Land hereingebrochenen Orkane „Christian“ und „Xaver“. „So was habe ich noch nicht erlebt. ,Christian‘ hat das Dach vom Haus gefegt“, so Höfer. Bei „Xaver“ habe seine Frau zum ersten Mal nach 36 Jahren Inselleben gefragt, ob es nicht besser wäre, das Festland aufzusuchen. Insbesondere angesichts der undurchsichtigen und nach seiner Meinung wenig für die Öffentlichkeit transparent gemachten Lage am neuen Deichabschnitt habe auch er zeitweise mit dem Gedanken gespielt. „Ich habe gehofft, dass alles gut geht. Mein Wunsch an die Deichbauer wäre, auch beim nächsten Sturm wieder in Ruhe zu Bett gehen zu können“, so Höfer.

Kritik übten auch Bürger an den ihrer Meinung nach unzureichenden Informationen. Eine Einwohnerin wünschte sich mehr aktuelle Präsenz im Internet. „Was wäre bei akuter Deichbruchgefahr getan worden?“ – „Wie hätten Rettungskräfte alle Einwohner, auch die Senioren, erreicht?“ – „Gab es Evakuierungspläne?“ – lauteten einige Fragen. Anworten gab Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN): „Ich wiederhole: Nordstrand war zu keinem Zeitpunkt gefährdet.“ Der Schaden sei an der Übergangsstelle zwischen altem und neuen Deich entstanden, nicht an dem bereits verstärkten Abschnitt. Dank des vom Landrat ausgelösten Voralarms hätten die Deichläufer viel früher eingesetzt werden können. Während der gesamten kritischen Phase habe ein enges Netzwerk und die direkte Kommunikation von der Basis vor Ort bis hinein in das Lagezentrum im Kreishaus bestanden. Alle Verantwortlichen seien im Dialog gewesen. Weder die Fakten noch die gelieferten Daten hätten es hergegeben, Vollalarm auszulösen und damit alle Hebel in Gang zu setzen. Ein Experte des LKN und alle Mitarbeiter des Deichbauunternehmens seien vor Ort gewesen.

In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und weiteren Hilfskräften wären im Fall des Falles Polizisten in alle Haushalte ausgeschwärmt, um die Bürger auf eine etwaige Evakuierung vorzubereiten. Eine aktuelle Internetseite zu betreiben, das könne das LKN nicht leisten. Auf den Einwand aus der Runde, dass das möglicherweise alles zu lange gedauert hätte, antwortete Oelerich: „Ich nehme ihre Sorgen ernst und werde sie mit dem Landrat besprechen.“

Die Arbeiten werden wie angekündigt im März fortgesetzt. Vorher gibt es eine Info-Veranstaltung. Vorbehaltlich der Entscheidung des Unternehmens soll am „Punkt Null“ im Bereich Kiefhuck gestartet werden (wir berichteten). „Wir wollen möglichst schnell an den Gaststätten vorbei. Außerdem ist eine direkte Spülleitung von der Anlege- zur Baustelle geplant. Das bringt eine geringere Fahrzeugbelastung“, so Oelerich. Ansonsten habe die viertgrößte Sturmflut wichtige Messungen für die künftige Sicherung der Halligen und Küste ermöglicht. Der Mensch sei neu sensibilisiert worden für die Naturgewalt.

Bürgermeister Werner-Peter Paulsen ergänzte, dass er mehrfach in der Sturmnacht die kritische Stelle in Augenschein genommen habe. „Es war alles im grünen Bereich. Paulsen: „Panikmache hätte nicht geholfen.“

Nach so viel geballtem Input lasen Ida Thater, Sabine Knappe-Gröger und Hans-Harro Hansen plattdeutsche Geschichten zum Schmunzeln und Nachdenken.



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