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Solarenergie mit Schwankungen : Sonnenfinsternis als Härtetest für das Stromnetz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadtwerke Husum und Bredstedt sind gewappnet, wenn die Einspeisung von Solarenergie durch die Sonnenfinsternis großen Schwankungen unterliegt.

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erstellt am 20.Mär.2015 | 08:00 Uhr

Im Netzgebiet der Stadtwerke Husum produzieren fast 600 Photovoltaik-Anlagen mit einer installierten Leistung von 12.650 Kilowatt umweltschonende Energie. Schiebt sich der Mond nun heute (20. März) zwischen 9.30 und 12 Uhr vor die Sonne und verdeckt diese bis zu 82 Prozent, sinkt auch die produzierte Strommenge ab. „Aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind gut vorbereitet“, sagt Norbert Jungjohann, Geschäftsführer der Stadtwerke Husum Netz GmbH. Mit seiner Netzleitstelle kann das Unternehmen schnell reagieren.

„Wir sind mit unserem Verteilnetz in Husum nicht isoliert, sondern Teil eines europaweiten Transport- und Verbundnetzes für Strom“, erläutert Jungjohann. Die Sonnenfinsternis sei zwar auch für die Stadtwerke eine Herausforderung, das Hauptaugenmerk richte sich an diesem Freitag aber auf die Übertragungs-Netzbetreiber. Die gesamte Energiebranche bereite sich jedoch seit mehr als einem Jahr auf das Ereignis vor und sei für die verschiedenen Szenarien gewappnet. „Und ist es wie vorhergesagt bewölkt, ist das Ganze auch für uns relativ unspektakulär“, so der Stadtwerke-Netz-Chef. Denn dann produzieren die Solaranlagen ohnehin weniger Energie und somit fallen auch die Schwankungen geringer aus.

Die Stadtwerke Bredstedt haben sich ebenfalls präpariert. „Die Mitarbeiter der Netzleitstelle sind auf die Auswirkungen des Naturschauspiels bestens vorbereitet“, sagt Geschäftsführer Rüdiger Wiese. Wenn die Photovoltaik-Anlagen in der Schattenphase immer weniger Strom produzieren, sei das bei klarem Himmel bis zum Höhepunkt der Sonnenfinsternis so, als würde in diesem Zeitraum alle acht Minuten ein großes Kraftwerk vom Netz gehen, veranschaulicht er. Sobald die Finsternis ihr Maximum überschritten hat, steigt die Einspeisung an Solarstrom rasch wieder an, jetzt allerdings auf einen größeren Wert als zu ihrem Beginn, denn zweieinhalb Stunden später – so lange dauert das Spektakel – steht die Sonne höher. In das Stromnetz der Stadtwerke Bredstedt speisen 196 Photovoltaik-Anlagen elektrische Energie ein; die installierte Leistung dieser Anlagen summiert sich auf insgesamt 8,5 Megawatt, das sind 240 Prozent der maximalen benötigten Netzleistung. „Das plötzliche Wegbrechen an Einspeiseleistung muss in Sekundenschnelle durch Ersatzanlagen aufgefangen werden“, sagt Wiese. „Sonst drohen Stromausfälle.“ Als Reserve-Anlagen würden sich am besten Pumpspeicher- und Gasturbinenkraftwerke eignen. „Die sind schnell regelbar und können nach der Finsternis auch gleich wieder heruntergefahren werden.“ Nach Berechnungen des Instituts für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der Technischen Hochschule Aachen könnte die Solarstromleistung zu Beginn der Finsternis um 13.000 Megawatt zurückgehen und dann um 19.000 Megawatt ansteigen. „Eine Schwankung von 19.000 Megawatt entspricht der Leistung von 15 großen Kohlekraftwerken“, sagt Wiese und ergänzt: „Ausnahmsweise wünsche ich mir mal schlechtes Wetter.“

In Husum sitzt Rainer Carstensen, der Teamleiter der Netzleitzentrale, an den Monitoren, um den Verlauf der Stromschwankungen zu überwachen. „Wir haben alle anderen Arbeiten an diesem Vormittag zurückgestellt und konzentrieren uns allein auf die Auswirkungen der Sonnenfinsternis“, sagt er. Die wird er mit eigenen Augen also wohl nicht zu sehen bekommen. Und Jungjohann plant ebenfalls keine direkte Beobachtung des Naturschauspiels: „Das habe ich alles schon mal gesehen.“ Aber, so der Husumer Netz-Chef: „Vielleicht gehe ich trotzdem einmal raus: um zu lauschen. Denn wenn sich die Sonne verdunkelt, verstummt alles, selbst die Vögel hören auf zu singen. Und diese Stille finde ich besonders beeindruckend.“

 

 

Daten zu den Schwankungen: Die Sonnenfinsternis stellt alle Netzbetreiber in Deutschland vor eine logistische Herausforderung. Ist es sonnig, beträgt die Leistung der Solaranlagen bundesweit 17,5 Gigawatt. Mit zunehmender Verdunkelung sinkt deren Leistung stetig, bis sie zum Höhepunkt der Finsternis nur noch 6,2 Gigawatt beträgt. Anschließend steigt sie bis zum Ende des Naturereignisses auf 24,6 Gigawatt an, wie Forscher der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft errechnet haben. Diese Schwankungen im Netz müssen durch zusätzliche Stromeinspeisung aus Reservekraftwerken ausgeglichen werden.

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