Valentinstag : Solo durch den Tag der Liebe

Rote Rosen kann man sich im Zweifelsfall auch einfach selbst kaufen, finden unsere Husumer Singles.
Rote Rosen kann man sich im Zweifelsfall auch einfach selbst kaufen, finden unsere Husumer Singles.

Allein unter Pärchen? Husumer Singles erzählen, wie sie den Valentinstag verbringen.

shz.de von
14. Februar 2018, 10:27 Uhr

„Und was machst Du am Valentinstag so?“ „Blöd gucken natürlich“, antwortet die Husumerin Claudia lachend. Damit alle Bescheid wissen, dass heute Valentinstag ist und es viele glückliche Pärchen gibt, braucht es keine Zeitung: Der Einzelhandel sorgt mit pinken Geschenken schon Tage vorher dafür. Doch was machen eigentlich Singles am vermeintlichen Tag der Liebe?

Das haben sich die Husumer Nachrichten gefragt und mit Einheimischen, die ihren ganzen Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, über Amors Pfeile und das Leben geplauscht. Eines kann vorweg genommen werden: Die befragten Singles sind alles andere als unglücklich.

Der vermeintliche Tag der Liebe geht ihnen dennoch gegen den Strich: „Valentinstag ohne Partner ist genauso doof wie Muttertag ohne Kinder. Das sind einfach Tage, an denen bestimmte Personengruppen hinten runter fallen“, sagt Claudia. Sie ist eine von insgesamt 657 000 Alleinstehenden in Schleswig-Holstein. Etwa 60 Prozent von ihnen geben in einer Statista-Studie an, mit ihrem Solo-Status zufrieden zu sein und nur keinen Partner zu finden, weil ihre Ansprüche zu hoch seien. Übrigens: Obwohl es gerade in Claudias Altersgruppe und bei den 20- bis 29-Jährigen überwiegend männliche Alleinstehende gibt, zeigten sich die äußerst zurückhaltend beim Gespräch über das Single-Dasein.

Die blonde Frohnatur Claudia zählt mit ihren 51 Jahren zu den erfahrenen Singles. Obwohl die alleinerziehende Mutter dem Valentinstag eher wehmütig entgegenblickt, ist sie grundsätzlich alles andere als unglücklich: „Der Beziehungsstatus ist nur ein Zustand – und entscheidet nicht darüber, ob ich glücklich oder unglücklich bin“, sagt die 51-Jährige.

Den Valentinstag, der in Deutschland nur für Paare gedacht ist, hat Claudia schon anders erlebt – und musste dafür erst ihre Heimat einige tausend Kilometer hinter sich lassen. „Die Amerikaner feiern den Tag ganz anders. Im Zentrum stehen nicht die Pärchen, sondern die gegenseitige Wertschätzung und die Gemeinschaft. Man trifft sich mit Freunden und unternimmt etwas Nettes. Dazu muss man kein Paar sein.“

Der 24-jährige Lennard ist grundsätzlich auch zufrieden, aber „einfach ein ausgesprochener Beziehungsmensch – deshalb würde ich mich schon eher als wehmütigen Single einstufen“, sagt der Ahrenshöfter. Er wird daher einen ruhigen Valentinstag verbringen – und auf ein nächstes Date hoffen.

Jutta, 47, und Johanna, 18 Jahre alt, sind seit kurzem solo unterwegs. Anstatt voller Frust auf dem Sofa zu verschwinden, versuchen sie, ihren Beziehungsstatus positiv zu sehen: „Man muss sich nicht mehr anpassen und kann Entscheidungen ganz ohne Stressfaktoren treffen“, sagt die 47-Jährige.

Erfahren im Single- und trotzdem Glücklich-sein ist auch der 53-jährige Oliver. Für ihn ist der Valentinstag ein Tag wie jeder andere. Trotzdem stört den Husumer besonders eine Sache: „Was ich schwierig finde – wie an Weihnachten –, ist das aufgesetzte Jetzt-haben-sich-alle-lieb. Der Tag der Liebe muss dann sein, wenn man sich auch danach fühlt, und nicht an einem vorgeschriebenen Datum.“

Julia, 17, ruht als Single in ihrer Mitte – da stört auch der herzige Valentinstag nicht: „Ich kaufe mir auf jeden Fall selber Blumen. Dafür brauche ich keinen Mann und rote Rosen müssen es auch nicht sein“, sagt die Schülerin lächelnd. Sie fügt hinzu: „Aber im Ernst: Das schönste Geschenk ist doch sowieso, glücklich mit sich selbst zu sein. Wer weiß, vielleicht treffe ich am Valentinstag bei einem Glas Wein in einer Bar meinen Traummann? Ich werde jedenfalls nicht traurig und deprimiert bei einer Liebesschnulze zu Hause sitzen.“

Diese Husumer machen es vor: Ob es letztendlich ein ganz normaler Tag ist, ein Glas Wein in der Bar oder wunderschöne selbstgekaufte Blumen sind – eventuell aufkommende Wehmut lässt sich notfalls mit der richtigen Einstellung bekämpfen. Und wem selbst ein Frust-Shopping-Bummel, eine anschließende Typ-Veränderung beim Friseur oder ein Date mit Mr. Grey bei „Fifty Shades of Grey“ im Kino nicht hilft, der kann sich ja am Rathaus mal die Liebesschlösser angucken – und sich fragen, ob davon wirklich alle noch so glücklich sind, wie sie einst behauptet haben.

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