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Qualifiziert und ehrgeizig : „Solche Leute brauchen wir“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Migranten bereichern den nordfriesischen Arbeitsmarkt. Deshalb beteiligt sich der Kreis Nordfriesland am Integrationsplan des Bundes. Mehr Deutschkurse und die leichtere Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse sind zentrale Anliegen.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2014 | 07:00 Uhr

Sie hat an einem College in London Business und Finanzen studiert, besitzt einen Master-Abschluss in Psychologie, hat als Teamleiterin gearbeitet und wurde anschließend Küchenhilfe. Stefka Nikolovas Problem: Sie sprach zwar fließend englisch und russisch, aber nur gebrochen Deutsch. Deshalb war die erste berufliche Station der nach Nordfriesland eingewanderten, hochqualifizierten Bulgarin eine Hilfstätigkeit im Gastgewerbe. Inzwischen hat Stefka Nikolova ihre Deutschkenntnisse ausgebaut und arbeitet beim Diakonischen Werk als Schulbegleiterin für ein behindertes Kind. „Frau Nikolova besitzt aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Persönlichkeit ein hohes Potenzial, mit dem sie eine gesuchte Fachkraft auf dem nordfriesischen Arbeitsmarkt werden wird. Solche Leute brauchen wir“, sagt Landrat Dieter Harrsen.

Doch Migrantinnen und Migranten haben es auf dem deutschen Arbeitsmarkt generell schwer. Anders als für Asylbewerber gibt es für Zuwanderer aus anderen EU-Ländern keine staatliche Stelle, bei der sie sich melden müssen, wenn sie in Deutschland leben wollen. Um die Integration von Zuwanderern in die Gesellschaft zu fördern, beteiligt der Kreis NF sich am Nationalen Integrationsplan, einer Initiative des Bundes. Als Projektleiter fungiert Peter Martensen aus der Migrationssozialberatung im Husumer Kreishaus.

„Im Oktober 2012 haben wir in einer Veranstaltung mit 100 Teilnehmern den Startschuss gegeben und vier Arbeitsgruppen gegründet. Eine befasst sich mit dem Thema Migranten und Arbeit“, so Martensen. Sie wird von Axel Scholz, Leiter des nordfriesischen Jobcenters, und Holger Delfs, Chef des Sozialzentrums Husum und Umland, geleitet.

„Ein großes Problem bei der Integration aller Zuwanderer ist und bleibt die deutsche Sprache“, erläutert Scholz. Deshalb hat die Arbeitsgruppe ein Projekt des Kreises mit dem Kinderschutzbund angeregt, in dem Migranten, die bereits ausreichend deutsch sprechen, ihren neu zugezogenen Landsleuten als Dolmetscher unter die Arme greifen. Zusätzlich hat die Arbeitsgruppe bereits zwei Deutschkurse und Workshops initiiert.

Der Integrationsplan nimmt Ausländer von allen Kontinenten in den Fokus, auch Asylbewerber, von denen 450 in NF leben. Obwohl viele kein Asyl erhalten, bleiben 80 Prozent von ihnen dauerhaft in Deutschland, weil die Verhältnisse in ihren Herkunftsländern eine Rückkehr nicht erlauben. „Ich freue mich sehr darüber, dass inzwischen auch auf den höheren politischen Ebenen erkannt wird, wie sehr wir diese Menschen brauchen, um unsere Gesellschaft funktionsfähig zu halten“, sagt Harrsen. Und: „Wenn es uns gelingt, sie so zu integrieren, dass sie ihre Talente und Fähigkeiten voll entwickeln können, sichern wir damit auch unsere eigene Zukunft.“

Ein Beispiel für eine bestens integrierte ehemalige Asylbewerberin ist Tanzeela Shakoor. Sie kam 1985 als Zweijährige mit ihrer Familie aus Pakistan nach Hamburg. Die Shakoors gehören zur religiösen Minderheit der Ahmadiyya Muslim Jamaat, die nicht nur in Pakistan politisch verfolgt wird. 1997 fand der Familienvater einen Arbeitsplatz in Nordfriesland und zog mit seiner Familie nach Bredstedt. Tochter Tanzeela verließ die Realschule mit einem sehr guten Zeugnis und bewarb sich als Verwaltungsangestellte beim Kreis. Nach der Ausbildung wurde sie übernommen und arbeitet inzwischen in der Finanzabteilung. Seit Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich als Beraterin für andere Migrantinnen und Migranten.

„Weil ich selbst einen Migrationshintergrund habe, fassen viele Ausländer leichter Vertrauen zu mir“, bemerkt Tanzeela Shakoor. „Insbesondere Frauen sehen mich sicherlich häufig als Beispiel dafür, dass sie und ihre Töchter in Deutschland ganz andere Chancen haben als in ihren Heimatländern.“

Peter Martensen legt Wert auf die Feststellung, dass die Migranten, die in Nordfriesland Fuß fassen, sich diesen Erfolg zu 99,5 Prozent selbst verdanken: „Sie sind mit Ehrgeiz und Leidenschaft dabei und wollen etwas aus ihrem Leben machen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Die Unterstützungsleistungen des Staates sind wertvolle Hilfen, aber auch nicht mehr als das.“

„Insbesondere der Zugang zu Sprachkursen sollte für alle Migranten vereinfacht werden. Die EU-Ausländer benötigen dafür sogar eine Zulassung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“, so Harrsen. „Wir müssen einsehen, dass Deutschland zum Einwanderungsland geworden ist und uns mehr Mühe geben, die Menschen, die zu uns kommen, in unsere Gesellschaft zu integrieren.“

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse und Prüfungszertifikate: Von Holger Delfs organisiert, bietet Edibe Oguz im Sozialzentrum Husum und Umland jeden Donnerstagvormittag eine Beratung im Zuge des bundesweiten Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ an.

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