Verstärkung auf Langeness : „So viel Wattenmeer wie möglich“

Stationsleiter Björn Marten Philipps (l.) mit seinem Freiwilligenteam auf der Hallig.
Stationsleiter Björn Marten Philipps (l.) mit seinem Freiwilligenteam auf der Hallig.

Björn Marten Philipps, der neue Hausleiter der Schutzstation Wattenmeer auf Hallig Langeneß, hat Verstärkung bekommen. Für den studierten Sonderpädagogen hat sich mit der Stelle ein Lebenstraum erfüllt.

shz.de von
20. Mai 2015, 15:00 Uhr

Die Anreise nach Hallig Langeneß gleicht einem Hindernislauf. Der Sturm hält Fähren im Hafen fest und zwei Bewerberinnen aus Nordrhein-Westfalen, die sich für einen Freiwilligendienst bei der Schutzstation Wattenmeer interessieren, stranden für eine Nacht in Husum. Einen Tag später hat sich das Wetter beruhigt und Stationsleiter Björn Marten Philipps kann die beiden jungen Leute persönlich vom Anleger abholen. Für den neuen Stationsleiter Philipps ist es die erste Saison auf der Hallig. „So stelle ich mir einen typischen Friesen vor“, könnte man denken, wenn es zur ersten Begegnung mit Phillips kommt. Aufgewachsen ist der blonde 30-Jährige aber in Eckernförde an der „eher lieblichen, aber nicht so interessanten Ostseeküste“, wie er lachend formuliert.

Der Westküsten-Funke sprang während seines Zivildienstes im Meldorfer Speicherkoog über. „Ich hatte die 1000 Hektar Naturschutzgebiet fast für mich allein“, erinnert sich Philipps. Seit dieser Zeit gibt es für ihn nur noch eine Devise: „Nicht mehr weg von der Westküste und so viel Wattenmeer wie möglich“. Als während seines Lehramtsstudiums in Flensburg die Vogelwartstelle auf Trischen frei wurde, zögerte er nicht und verbrachte einen Sommer als „einsamster Vogelwart Deutschlands“.

Philipps Freundin Anne, die er im Studium kennengelernt hat, teilt seinen Faible für die Nordsee. Seit dem August vergangenen Jahres arbeitet sie als Lehrerin auf der Hallig. „Für uns war es eine Teamentscheidung, auf die Hallig zu ziehen“, sagt Philipps. Zunächst pendelte er noch zur Arbeit nach Husum, bevor er im Dezember die Stelle des Hausleiters bei der Schutzstation Wattenmeer antrat.

Besonders wichtig ist Philipps die Bildung für Nachhaltigkeit. „Die Menschen sollten die Folgen ihrer Handlungen stets hinterfragen, sich dieser bewusst sein und danach leben“, sagt er. Das versuche er den meist jungen Seminargästen immer wieder zu verdeutlichen. Die Hallig mit ihren vielen Landunter-Situationen sei der ideale Ort dafür.

Der studierte Sonderpädagoge hat einiges vor an seinem neuen Arbeitsplatz: „Meine Hauptaufgabe ist es, mehr Menschen von unserem Haus zu begeistern. Die Schaffung eines großen Seminarraumes unter dem Dach wird ein wichtiger Schritt dorthin sein“. Die notwendigen Förderanträge seien bereits gestellt.

Besonders freut sich Lehrer und Vogelkundler Philipps neben seiner pädagogischen Tätigkeit auf der Hallig auch weiter wissenschaftlich arbeiten zu können: „Wir werden das Austernfischermonitoring fortsetzen und künftig vielleicht auch die Seeschwalben mit in unsere regelmäßigen Erfassungen einbeziehen.“

Auch in seiner Freizeit lässt Philipps das Wattenmeer nicht los. An Hand alter Karten spürt er den Resten untergegangener Warften nach und sucht Kulturspuren im Watt. Philipps hat sich in der kurzen Zeit gut auf der Hallig eingelebt. Doppelkopf-Spielen ist dabei genauso hilfreich wie der neue „Nebenjob“ als Topruster (Souffleur) im Plattdeutschen Theater, wo er seiner Freundin zuflüstern darf, wenn sie nicht mehr weiter weiß. Auch seine nächste Traumreise wird Philipps in der Region machen: Mit dem Seekajak will er einmal das gesamte Wattenmeer von Den Helder (Holland) bis Esbjerg befahren.

„Für mich ist der Wattenmeerschutz eine Herzensangelegenheit und mit meiner Stelle als Hausleiter bei der Schutzstation Wattenmeer auf Langeneß hat sich ein Lebenstraum erfüllt“, sagt Philipps. Ein Satz, den man ihm sofort glaubt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen