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WEihnachten auf Eiderstedt : So schön machen es sich die Eiderstedter zum Fest

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Persönliche Erinnerungsstücke, selbstgemachte Dekorationen, liebevoll eingerichtete Stuben: Unsere Reporterinnen haben besonders begeisterte Weihnachtsfans besucht.

Draußen schluckt das Grau des Nebels das Licht der kurzen Tage, während es in den Stuben der Eiderstedter nun zu den Festtagen im Kerzenschein so richtig gemütlich wird. Viele der dekorierten Wohnzimmer auf der Halbinsel beherbergen ganz besonderen Weihnachtsschmuck und damit verbunden auch Erinnerungen an Kinder- und Jugendtage, an Familienweihnachten und solche fern der Heimat.

Knallbunt sind Deko und Baumschmuck bei Claire Schops, die in Tümlauer-Koog seit drei Jahren ein Café betreibt. Abends entspannt sie sich an der Nähmaschine. In der Adventszeit stellt sie kleine Weihnachtsbäume, Engelsflügel und anderen Schmuck aus Stoff her. Bunt, schrill und romantisch sind die Kunstwerke, die Claire Schops auf die Tische oder an den Baum bringt. Die gebürtige Engländerin liebt Weihnachten und gönnt sich selbst zu jedem Fest ein besonderes Dekostück. In diesem Jahr wurde die Weihnachtsstube in einer ihrer Lieblingsfarben geschmückt. Pinkfarbene Engel mit Goldrüschen, Kugeln und Weihnachtsfrösche finden neben zarten Elfen und Eisblumen ihren Platz am Weihnachtsbaum. Dieser steht bereits in der Adventszeit in der Wohnstube, da das in England so Brauch ist.

Genau das Gegenteil ist im Haus von Ille Conze in Tetenbüll zu finden. Das kleine, liebevoll restaurierte Reetdachhaus in Warmhörn besticht durch die elegante und ursprüngliche Schlichtheit. Stilvoll ist hier auch der Weihnachtsschmuck, denn weniger ist in diesem Haus mehr. Der natürlich gebundene Adventskranz steht auf die Tisch. Die roten Kerzen verbreiten ein warmes Licht und spiegeln sich in den kleinen Rechtecken der Holzfenster wider. Ille Conze erinnert sich an ihr erstes Weihnachten fern der Heimat, in einer Wohngemeinschaft mit vier jungen Leuten in Kolumbien. Damals war sie 21 und wünschte sich so sehr einen Weihnachtsbaum. In Kolumbien gibt es aber keine Tannen oder Fichten. So sorgten ihre Mitbewohner dafür, dass das junge Mädchen einen tannenähnlichen Baum erhielt, welcher zwischen den Zweigen sogar so viel Platz hatte, dass sich Weihnachtsschmuck und Kerzen anbringen ließen.

Doch das ist schon etwas her, und hier in der Stube fällt der Blick auf einen Keramikengel, der in seinen Händen vor dem Bauch ein Licht trägt. Der Engel trägt den Namen Ursel, er ist 40 Jahre alt. Ille Conze hat ihn nach ihrer Schwester benannt.

Gemütlich ist es auch bei Angelika und Rolf Rölke in Poppenbüll. Es duftet nach Äpfeln, Zimt und Ingwer. In der Küche des alten Bauernhofes auf der Nickelswarft ist es wohlig warm. Seit ihrer Kinderzeit sammelt Angelika Rölke Puppenstuben. Zur Weihnachtszeit werden die Miniaturhäuser ebenfalls geschmückt. So werden alle Stübchen mit kleinen Weihnachtspyramiden, Schwibbögen, Christbäumen, Plätzchen und Miniatur-Geschenken ausgestattet. Den ersten Minikaufmannsladen bekam die damals Sechsjährige von ihrem Vater zu Weihnachten gebaut. Die kleinen Stübchen sind sogar mit Elektrik ausgerüstet, damit die Lämpchen in den Bögen und die warmen Lichter der Zimmerlampen auch zur Geltung kommen. „Wir bekamen ebenfalls einen Kaufmannsladen zu Weihnachten“, weiß Rolf Rölke aus seiner Kinderzeit zu berichten. „Der Laden wurde zum Fest bestückt und nach Weihnachten, wenn alles leer gegessen war, wieder eingepackt.“

In ihrem Fundus haben sie seit Jahrzehnten ganz besonderen Schmuck. Es sind alte Silberkugeln, selbstgefertigten Weihnachtsschmuck von Verwandten und ganz besondere Lampions aus Zelluloid und Messing. In ihnen kann man ein Lichtlein entzünden und dann an den Christbaum hängen. „Damals, als die Kinder noch im Haus gewesen sind, musste der Baum bunt geschmückt werden, dass wollten sie gerne so“, erzählt die Hausherrin.

Ein wahres Fest für die Augen ist die Weihnachtsdeko im Haus von Inke Hach, die mit ihrer Familie auf einem Hof in Welt lebt. „Zwölf Stunden nehme ich mir Zeit, um an einem Tag mein Haus zu dekorieren“, erzählt sie. Zwar haben die Themen immer einen festen Platz in der Stube, aber es kommen doch jedes Jahr neue stumme Mitbewohner dazu. „Da ich in der Vorweihnachtszeit Geburtstag habe, werde ich meistens noch mit Dekoartikeln beschenkt.“ Bereits seit 24 Jahren trifft sie sich einmal im Monat mit ihren Freundinnen, um zu basteln.

In diesem Jahr hat Inke Hach aus Steinen vom Ostseestrand und Trockenknetmasse ein neues Dorf gebaut. Wichtelhausen heißt es. „Das ist Bernd“, erklärt sie, während sie auf eine etwas schiefe Steinfigur mit grauem Bart deutet, die in der Gruppe anderer Steine steht und etwas angeschlagen wirkt. „Bernd hat schon Glühwein getrunken und kann nicht mehr grade stehen“, sagt Inke Hach lachend.

Im Wohnzimmer steht bereits der geschmückte Baum. Ganz besonders emotional war der Augenblick für Inke Hach, als ihre Mutter ihr vor ein paar Jahren einen tönernen Engel in die Hand gab, in dessen Inneren ein Klöppel befestigt ist. „Dies ist die Glocke, mit der wir als Kinder in das Weihnachtszimmer geholt wurden. Jetzt steht sie hier und läutet den Heiligen Abend ein.“

„Das Schönste war immer der bunte Teller“, erzählt Horst Dellin aus Garding. Die eigentlichen Geschenke bestanden zumeist aus Anziehsachen, was die Kinder damals ja nicht gerade reizvoll fanden. Daher hatte der bunte Teller immer eine besondere Magie. Unter den Geschwistern entbrannte zudem ein Wettstreit, wer von seinem Teller am längsten gut hatte. „Bei uns saß die gesamte Familie beisammen, inklusive der Angestellten des landwirtschaftlichen Betriebes und ein Mal sogar noch vier Flüchtlingsfamilien,“ wirft seine Frau Anke Dellin ein, als die Frage aufkam, wie sie damals mit ihren Eltern Weihnachten gefeiert hätten. „Auf unserem Bauernhof im Norderheverkoog war jeder Mitarbeiter ein Teil der Familie und feierte daher mit. Wir bekamen meistens auch die Geschenke, die wir uns gewünscht hatten.“

Mit ihren eigenen Kindern war Anke Dellin später meistens alleine. Fuhr ihr Mann doch mehr als 40 Jahre als Kapitän zur See und verbrachte das ein oder andere Weihnachtsfest weit draußen auf dem Meer. „Am Heiligen Abend haben wir dann hier zusammen gegessen und um
19 Uhr ‚Gruß von Bord‘ gehört“, erinnert sich Anke Dellin. Mit Eintritt in den Ruhestand hielt dann ein ganz besonderer Weihnachtsbaumschmuck Einzug in das Haus der Dellins. Mundgeblasene Christbaumkugeln mit filigranen Schiffchen, welche ein deutliches Zeichen für die berufliche Vergangenheit von Horst Dellin sind. Heute genießt das Ehepaar die Ruhe am Heiligen Abend ganz für sich allein. Sehr bewusst und besinnlich, weil sie so viele Weihnachten nicht beisammen gewesen sind und ihre Zeit jetzt intensiv für sich nutzten.

Traute Ziegert aus Tönning, vielen bekannt als Mitorganisatorin des Weihnachtsereignisses im Packhaus, schmückt ihre Stube mit dem traditionellen Weihnachtsbaum der Friesen. Traute Ziegert singt selbst viel, auch im Chor, und hört gerne Musik. Weihnachten feiert sie mit einer ihrer beiden Töchter und deren Familie. „Das Weihnachtsessen gibt es bei mir. Dann laufen wir zu Fuß zu meiner Tochter rüber. Dort gibt es Bescherung und den Nachtisch.“ Bisher sang Ziegert jedes Jahr bei der letzten Messe um 23 Uhr mit. „Dieses Jahr aber nicht mehr. Das ist zu spät für mich.“

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