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Umfrage bei Husumer Schulen : Smartphone-Verbot im Unterricht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nur zu Recherchezwecken erlauben Lehrkräfte in Husumer Schulen die Nutzung von mobilen Geräten. In der Iven-Agßen-Schule soll der Einsatz von Tablets auf den Stundenplan.

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erstellt am 17.Jun.2016 | 08:00 Uhr

Handys oder Smartphones sind auch in Husumer Schulen ein Thema. Ein generelles Verbot für Mobiltelefone gibt es für Schleswig-Holsteins Bildungsstätten nicht. Die Lehrkräfte dürfen aber verlangen, dass Handys ausgeschaltet bleiben. Dies ist in der Ferdinand-Tönnies-Schule der Fall, wie Schulleiter Christoph Siewert auf Anfrage erklärt. Doch in der Gemeinschaftsschule dürften die elektronischen Hilfsmittel für Recherchezwecke genutzt werden. „Sie haben sich dabei als recht nützlich erwiesen, da die Schule nur über einen PC-Raum verfügt.“

In der Hermann-Tast-Schule (HTS) ist das Benutzen eines Handys oder Smartphones während des Unterrichts ebenfalls verboten. „So kann es zu keiner Ablenkung kommen“, erklären Rektorin Renate Christiansen und ihr Stellvertreter Uwe Carstensen. Verstoße ein Schüler gegen diese Regel und ein Signal ertöne, werde das Gerät bis zum Ende des Unterrichtstages eingesammelt. „Wenn eine Lehrkraft die Erlaubnis erteilt, können die Geräte zum Beispiel als Ersatz für einen Taschenrechner oder für eine sehr kleine Recherche genutzt werden.“

Für längere Recherchen gibt es in dem Gymnasium zwei Computerräume und eine Bibliothek. Dazu ist in den Fachklassenzimmern immer mindestens ein Computer installiert, sodass eine Internetrecherche auch dort möglich ist. Zum nächsten Schuljahr soll in der HTS eine mobile iPad-Klasse eingerichtet werden.

Christiansen und Carstensen wissen, dass sich Mütter und Väter wünschen, mit ihren Kindern in Kontakt zu bleiben, um zum Beispiel bei Unterrichtsausfall Absprachen treffen zu können. „Zusätzlich haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass der permanent aktualisierte Vertretungsplan von Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern über eine Applikation abgerufen werden kann. Dies ist eine große Hilfe, da wir etwa 75 Prozent Fahrschüler haben.“ In den Pausen dürften die Handys zum Telefonieren verwendet werden. „Wir stellen fest, dass die Jugendlichen der Unter- und Mittelstufe zunehmend in den Pausen mit den Geräten spielen. Die Aufsichten sprechen sie dann an und machen darauf aufmerksam, dass nur das Telefonieren erlaubt ist. Wenn die Nutzung von Handys und anderen mobilen Geräten in den Pausen überhand nehmen sollte, werden wir gemeinsam mit der Schülervertretung und den Eltern ergänzende Regeln entwerfen.“

Sorge bereitet der Schulleiterin und ihrem Kollegen, dass die Verwaltung der privaten Geräte bei der Internetanbindung in der Schule aufwendig ist, und dass die angeschafften Geräte nur eine kurze Nutzungsdauer haben. „Die hohe finanzielle Belastung vor allem der Kommunen, aber auch der Eltern führt dazu, dass Schule eine hohe Verantwortung hat, wenn sie Entscheidungen in diesem Bereich für die Zukunft fällt.“

Sibylle Karschin, Leiterin der Theodor-Storm-Schule, erklärt dagegen: „Bei uns gibt es kein generelles Verbot. Für unterrichtliche Zwecke ist die Nutzung nach Vorgabe der Lehrkraft erlaubt – und eine private für die Klassenstufen sieben bis zwölf in dafür ausgewiesenen Arealen.“

Für die Jüngsten, wie die Grundschüler der Iven-Agßen-Schule, gibt es ein Handy-Verbot während der Unterrichtszeit. „Einige Kinder haben Handys im Ranzen, damit sie nach dem Unterricht mit ihren Eltern kommunizieren können. Wir lehnen die sinnvolle Nutzung neuer Medien selbstverständlich nicht ab und möchten den Einsatz von Tablets gern demnächst mit in den Stundenplan aufnehmen. Dann sollen aber alle die gleiche Möglichkeit der Nutzung haben und nicht nur die, denen ein Smartphone zur Verfügung steht“, erklärt Schulleiterin Sabine Iwersen.

Im Leben geht es immer um die richtige Dosis – dies gilt sogar für technische Medien und Kommunikationsgeräte. Wer sich von Mails, Anrufen, SMS, Filmen und Computerspielen „vorschreiben“ lässt, worauf er seine Aufmerksamkeit zu richten hat, ist nicht mehr selbstbestimmt unterwegs, wird im schlimmsten Fall süchtig oder gehört zu den „problematischen Nutzern“: Von denen gibt es laut einer ersten repräsentativen und vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Studie in Deutschland etwa 2,5 Millionen zwischen 14 bis 64, wobei die Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen mit 2,4 Prozent abhängigen und 13,6 Prozent problematischen Internetnutzern auffällt.

Die Psychologin Susanne Baum, Leiterin des Bereichs Beratung und Therapie für Familien im Diakonischen Werk Husum, weiß aus ihrer Praxis, dass die Handy- und Smartphonenutzung des Nachwuchses per se ein familiäres Streitthema ist.

Ihr Appell: „Eltern sollten sich für das interessieren, was ihre Kinder machen – auch wenn die in Sachen Technik oft besser sind. Aber sie brauchen Begleitung und Schutz.“ Jungen würden Online-Spiele bevorzugen, während Mädchen eher in den sozialen Netzwerken aktiv seien.

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