Husum : Skurrile Kopfgeburten

„Jägerlatein“ heißt diese Arbeit von Lothar Serusat.
„Jägerlatein“ heißt diese Arbeit von Lothar Serusat (hier ein Ausschnitt).

Die Galerie Lüth zeigt in Halebüll Arbeiten des Malers und Bildhauers Lothar Serusat.

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01. Juli 2018, 13:00 Uhr

Seine Arbeiten sind rätselhaft und unverstellt zugleich. Skurrile Kopfgeburten – auch wenn Lothar Serusat seinem Handwerk mit außerordentlicher Beherztheit nachgeht, im Umgang mit dem Material – vorzugsweise Holz – nicht lange fackelt. In seinen ebenso wuchtigen wie zerbrechlichen Skulpturen und Holzschnitten kommt einiges zusammen: Ein Mann mit übergroßen Händen steht barfuß auf einem Schädelhaufen und schaut, ja, wohin eigentlich? Ins Leere, in sich hinein, auf einen imaginären Raum, in eine ungewisse Zukunft?

Schon diese Szenerie allein löst beim Betrachter ein Wechselbad der Gefühle – zwischen Ironie und Verstörung – aus. Ein Eindruck, der sich durch einen zweiten Block aus Totenschädeln, den der Mann auf dem Kopf balanciert wie afrikanische Frauen Wasserkrüge, noch verstärkt. Der Titel der Arbeit – „Du lieber Michael“ – ist auch nicht gerade hilfreich. Serusat selbst hat es einmal so formuliert: Seine Arbeiten beschrieben den „Versuch des Menschen, sich in seiner Mitte zu halten – und das in einer Welt, die nicht selten auf dem Kopf steht“. Und da stehen sie dann, Heerscharen von stoisch anmutenden Frauen und Männern, die eine Arche oder ganze Städte auf Kopf und Füßen balancieren, allein – auf sich gestellt in einer aus den Fugen geratenen Welt. Gibt es da überhaupt noch Platz für sie, oder sind die Geister, die sie riefen, schon voll und ganz damit beschäftigt, sie zu sich zu holen?

Lothar Serusats Arbeiten, die 2014 bereits im Tetenbüller Haus Peters zu sehen waren und Reinhard Scheubles in der „Quetsche“ bei zweien seiner Buchprojekte Pate standen, sind von Sonntag, 1. Juli, an erstmals in der Halebüller Galerie Lüth zu sehen. Zur Eröffnung (11 Uhr) spricht Dr. Uta Kuhl vom Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig. Die Ausstellung bleibt bis zum 23. August in der Altendorfer Straße 21 und ist dort jeweils mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zugänglich.

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