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Mitsinger gesucht : Singen international im „Chor Kulör“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Menschen aus verschiedenen Kulturen proben einmal in der Woche in Husum und planen erste Auftritte.

Vor gut zwei Jahren sann Eszter Lovas zum ersten Mal über die Idee nach, in Husum einen Chor ins Leben zu rufen. Einen „Chor Kulör“, in dem sich Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zwanglos begegnen und in allen möglichen Sprachen miteinander singen würden – unabhängig davon, ob sie Deutschkenntnisse haben oder nicht. „Wenn es stimmt, dass Musik verbindet, dann müsste das doch möglich sein“, sagte sie am Rande einer Pressekonferenz in der Volkshochschule (VHS).

Was die engagierte Dozentin nicht wusste: Fast zeitgleich trug auch Wiebke Wucher diese Idee mit sich herum. Die stellvertretende Leiterin der Kreismusikschule gab damals an der Bürgerschule Geigenunterricht und zählte viele Flüchtlingskinder zu ihren Schützlingen. Bei der Überlegung, wie sie deren Eltern ebenfalls den Zugang zur Musik ermöglichen könnte, dachte auch sie an einen internationalen Chor.

Gemeinsam haben die beiden Frauen ihre Idee inzwischen umgesetzt. In den Deutschkursen der VHS, in Schulen und Kindergärten sprachen sie viele Menschen an und luden sie zum Schnuppern im „Chor Kulör“ ein, der mittlerweile immer montags um 18 Uhr im Südflügel des Schlosses vor Husum probt. „Wurzeldeutsche“ mit Lust auf den internationalen Austausch mit Hilfe der Musik waren ihnen dabei ebenso willkommen wie „Wahlnordfriesen“ aus aller Herren Länder. Flüchtlinge aus dem Jemen und dem Iran folgten der Einladung ebenso wie viele Syrier.

Belal Altarzi aus Friedrichstadt ist einer von ihnen. Die Arbeit in einem gemischten Chor ist für ihn noch neu und ungewohnt, aber er hat großen Spaß daran und kommt trotz der Entfernung regelmäßig zu den Proben. „Es ist schön, dass ich hier andere Menschen treffen kann, die genauso gerne singen wie ich“, sagt er und ist dafür, dass seine Betreuerin ihn jedes Mal zu den Proben fährt und auch selbst im Chor mitsingt. „Das ist etwas, was wir uns auch für all die anderen Flüchtlinge wünschen würden, die gerne bei uns mitmachen möchten, aber außerhalb von Husum wohnen und somit keine Chance haben, selbstständig zu den Proben zu kommen. Für sie bräuchten wir Paten, die nicht nur den Fahrdienst übernehmen, sondern gerne auch selbst aktiv bei uns mitmachen. Auch, um sich mal auf einer anderen Ebene zu begegnen“, zeigt sich Chorleiterin Wiebke Wucher überzeugt davon, dass die Gruppe längst schon viel größer wäre, wenn es das Entfernungsproblem nicht gäbe.

Derzeit zählt sie etwa 20 feste Sängerinnen und Sänger, von denen die meisten deutscher Abstammung sind. So wie Heidi Vollmer aus Schwabstedt, die auch noch in einem Gospelchor singt und mit der Hoffnung zum „Chor Kulör“ gestoßen ist, mit anderen Nationalitäten in Kontakt zu kommen und mehr über deren Kultur zu erfahren. „Das gelingt auch recht gut“, meint Wiebke Wucher und erzählt von einigen Festen außerhalb der Probenarbeit, an denen die meisten Chormitglieder mit viel Freude teilgenommen haben. Allerdings, so sagt sie, kommen die Flüchtlinge nicht ganz so konsequent zu den Proben wie die deutschen Teilnehmer.

„Das ist vielleicht auch eine Mentalitätsfrage“, meint Eszter Lovas, die als Organisatorin dafür sorgt, dass alle regelmäßig den vereinbarten kleinen Obolus zahlen, ohne den der Chor nicht existieren könnte. „Inner Wheel und die Diakonie unterstützen uns finanziell, die Kreismusikschule stellt den Probenraum zur Verfügung und wir haben auch schon selbst über einen Kleidermarkt Gelder eingeworben“, erzählt sie von intensiven Bemühungen, das Projekt finanziell am Laufen zu halten. Sie wirbt um Verständnis dafür, dass das Ganze nicht kostenlos sein kann, denn eine professionelle Chorleitung koste nun mal Geld.

Und die macht ihre Sache prima, wie man bei den Proben hören kann. Wiebke Wucher begeistert die Akteure mit deutschen und internationalen Volksliedern, lässt sie afrikanische Lieder mehrstimmig und im Kanon singen und würde auch zu gerne mal wieder ein syrisches Wiegenlied anstimmen, das einer der Männer aus seiner Heimat mitgebracht hatte. Doch der kam seitdem noch nicht wieder zur Probe und von seinen Landsleuten traut sich bisher noch keiner, den dazugehörigen Solopart zu singen. „Das kriegen wir irgendwann aber auch noch hin“, sagt sie positiv gestimmt und glaubt, dass der Chor bald soweit ist, sich auch einmal in der Öffentlichkeit zu präsentieren und so weitere Mitsänger aus allen erdenklichen Ländern zu gewinnen. Denn die sind nach wie vor herzlich willkommen, auch und gerade ohne Deutsch- oder Notenkenntnisse.

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