Bürgerentscheid in der Diskussion : Sind die Halligen bald Weltkulturerbe?

Besondere Stimmung auf  dem kleinen Eiland Hooge: Oft einsam, aber naturnah ist das Leben auf einer Hallig.
Besondere Stimmung auf dem kleinen Eiland Hooge: Oft einsam, aber naturnah ist das Leben auf einer Hallig.

Nach einem Vorschlag des nordfriesischen Landrates sollten im nächsten Jahr die Hallig-Bewohner per Bürgerentscheid darüber bestimmen, ob sie ihre kleinen Eilande für den Unesco-Titel „Immaterielles Weltkulturerbe“ anmelden möchten.

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22. November 2013, 17:30 Uhr

Die Möglichkeit, ein immaterielles Weltkulturerbe bei den Vereinten Nationen anzumelden, besteht seit diesem Jahr. Es bezieht sich auf Sprachen, Gebräuche sowie die einmalige Erlebniswelt einer Region und beinhaltet nicht den Denkmalschutz. „Ende kommenden Jahres sollte per Bürgerentscheid darüber befunden werden, ob die Biosphäre Halligen bei der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe angemeldet werden kann“, regte Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen als Vorsitzender der Halligstiftung bei der Tagung des Biosphären-Referats in Leck an. Vorangehen müsse allerdings ein Diskussionsprozess, der die Vorteile aber auch mögliche Nachteile deutlich mache. „An der Basis auf den Halligen muss über die Akzeptanz entschieden werden. Das Leben auf einer Hallig ist Weltkulturerbe.“

„Wir haben schon ein Weltkulturerbe. Wir haben nur noch keine Anerkennung als Prädikat“, machte der Vorsitzende des Biosphären-Rats, Matthias Piepgras, deutlich und befürwortete die Idee. Ebenso sah es ein großer Teil der Versammlungsteilnehmer von den Halligen Gröde, Langeneß, Oland und Hooge. „Ein solches Prädikat dient letztendlich auch als Chance einer Versicherung zum Erhalt der Halligen“, meinte Jan Herdt von Langeneß. Nach einer Anerkennung müsse man keine Ängste vor Veränderungen haben, erklärte Annemarie Lübcke. Landrat Harrsen erinnerte daran, dass bereits bei der Anmeldung zum Weltnaturerbe über eine gleichzeitige Bewerbung zum Kulturerbe nachgedacht worden war.

Ewald Sauer vom Biosphären-Referat Rhön stellte in einem Vortrag die Grünlandbewirtschaftung in seiner Heimatregion vor. Eine gemeinsame Marke sowie eine gemeinsame Produkt- und Tourismusvermarktung waren dabei die herausragenden Punkte. Sauers motivierende Darstellung veranlasste Piepgras zu dem Appell: „Die Biosphäre muss wieder mehr ins Bewusstsein der Hallig-Bevölkerung.“ Seit der Gründung im Jahr 2005 sei vielleicht nicht genug für Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz getan worden, war aus der Versammlung zu hören. Einhellig wurde mehr Austausch und mehr Gemeinsamkeit gefordert. „Die Biosphäre lebt. Wir müssen uns allerdings Gedanken über neue Netzwerke machen“, betonte Annemarie Lübcke. Noch sei man auf der Suche nach einem „Wir-Gefühl“.

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