Langenhorn : Silvester-Rakete im Schafspelz

Birgit Freeman mit ihrer kleinen Herde aus elf Böcken.
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Birgit Freeman mit ihrer kleinen Herde aus elf Böcken.

Trotz des Knallverbotes entdeckte die Langenhornerin Birgit Freeman auf ihrer Schafweide Reste von Böllern.

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06. Januar 2018, 21:00 Uhr

Das Entsetzen bei der Langenhornerin Birgit Freeman war groß, als sie am Neujahrsmorgen auf ihre Weide kam. In dem Fell eines ihrer Schafe steckte der Holzstiel einer Silvester-Rakete. Und sie entdeckte noch mehr. Auf einer der hinteren Weiden – insgesamt gehören zu ihrem Haus 16.000 Quadratmeter Land, fand sie weitere Raketen und Reste von Böllern aller Art. Wie das alles hier hergekommen ist, kann sie nur mutmaßen. „Ich will nicht einmal behaupten, dass jemand mutwillig die Tiere beworfen hat.“ Fakt ist aber, dass das Knallen in diesem Umfeld verboten ist – Birgit Freeman wohnt in einem Reetdachhaus am Ortsausgang von West-Langenhorn, und auch hier gilt die Abstandsregelung von 200 Metern. Diese bezieht sich auf das mit Reet gedeckte Gebäude. Leidtragende sind aber die Tiere. „Alljährlich verschwinden in der Neujahrsnacht durch den Lärm Hunde und Katzen.“

Beides scherte in der Silvesternacht allerdings einige Menschen herzlich wenig, berichtet Birgit Freeman, die das Haus im August 2015 kaufte. Vor ihrem Haus führt eine Straße vorbei, und dort wurde viel geknallt. „Meine Schafe und auch meine Hunde waren irritiert“, berichtet die Langenhornerin. Als sie einige Knallende ansprach, zeigten diese kein Einsehen. „Wir passen auf“ bekam sie zur Antwort. „Ich habe sogar schon erlebt, dass Väter mit ihren kleinen Kindern in den benachbarten Wald gingen, um dort Feuerwerkskörper zu zünden. Dabei weiß doch jeder, dass hier viele Tierhalter leben.“

Ihre Herde entstand eher zufällig. Im April entdeckte Birgit Freeman eine Anzeige, in der ein Dithmarscher neun drei Monate alte Skudde-Böcke anbot, die von der Mutter entwöhnt werden sollten, aber die der Besitzer nicht selber halten wollte. Der Schlachthof drohte. „Ich wollte schon immer Schafe halten.“ Also rettete Birgit Freeman die Tiere und brachte sie auf ihrem Anwesen unter – mit viel Platz zum Weiden und Holzhäuschen zum unterkriechen. Zu ihrer Herde gehören auch drei Ouessantschafe, die sie ebenfalls aus Dithmarschen aus nicht optimaler Haltung übernahm. Die bretonischen Zwergschafe gelten als die kleinste Schafrasse Europas.

Wie um ihre Hunde und Katzen, so kümmert sich die Langenhornerin auch liebevoll um ihre Schafe, die ihr ans Herz gewachsen sind und mittlerweile ihre Eigenarten entwickelt haben. „Sie bekommen Kraftfutter und Knäckebrot“, berichtet Freeman. „Und auch Äpfel. Aber sie fressen sie nur, wenn sie von Hand gereicht werden.“

Dass es gegen die Knallerei keine Handhabe gibt, macht sie ärgerlich. „Dummheit und Rücksichtslosigkeit sind weit verbreitet.“ Gesetze gebe es genug, aber es sei eben auch schwierig, die Einhaltung zu kontrollieren, so die Langenhornerin. „Bei der Polizei sagte man mir, dass es sich um Ordnungswidrigkeiten handele, die Beamten aber immer nur partiell die Region abfahren könnten.“ Zuständig für die Umsetzung des Verbots sei das Ordnungsamt. Dort hat Birgit Freeman eine kompetente Ansprechpartnerin gefunden und will sich nun Rat holen, wie zu verfahren sei.

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