Glücksbringer auf Föhr : Silvester: Außer Kleinkram nichts passiert

Ihre Begeisterung steckt alle an: Musiker und Schornsteinfeger konnten am Ende 6000 Euro einsammeln für den guten Zweck.
Ihre Begeisterung steckt alle an: Musiker und Schornsteinfeger konnten am Ende 6000 Euro einsammeln für den guten Zweck.

Feuerwehr und Polizei melden ruhigen Jahreswechsel – für Lärm sorgten Samba-Rhythmen auf Föhr zur Aktion der Schornsteinfeger.

shz.de von
01. Januar 2018, 21:00 Uhr

Das schlechte Wetter hat auch in Südtondern die Gemüter zu Silvester deutlich abgekühlt. Für die 32 Freiwilligen Feuerwehren im Amt Südtondern war es ein sehr ruhiger Jahreswechsel. Es kam lediglich zu einem Einsatz. Die Feuerwehr Lindholm musste kurz vor Mitternacht zu einem brennenden Altkleidercontainer in die Dorfstraße ausrücken. „Der Brand konnte schnell gelöscht werden, und die Feuerwehrleute waren kurz nach dem Wechsel ins Jahr 2018 wieder zu Hause bei ihren Familien“, erklärte Südtonderns Amtswehrführer Oliver Jacobsen.

Die Polizei in Südtondern, die diesen Feuerwehreinsatz unterstützt hatte, erlebte unterm Strich eine entspannte Nacht. Drei Streifenwagen waren unterwegs für die drei Bereiche Niebüll, Leck und Bredstedt. „Lediglich neun Einsätze wurden insgesamt verzeichnet“, erklärte ein Polizeisprecher, „es war eine sehr ruhige Nacht.“ Dabei handelte es sich in der Regel um Bagatellfälle. So wurde in Niebüll ein Fahrraddiebstahl gemeldet, in Risum-Lindholm suchte ein zugelaufener Hund der Rasse Chihuahua sein Herrchen.

In drei Fällen in Leck und Niebüll wurde die Polizei zu Silvesterknallerei gerufen – unter dem Verdacht, dass dort sogenannte Polenböller, die verboten sind, verwendet werden.

Die Pressestelle der Bahn verzeichnete für Bahnreisende und den Sylt Shuttle ebenfalls keine besonderen Vorkommnisse. Der Andrang vor den Festtagen sei normal gewesen – mit Wartezeiten im üblichen Rahmen von etwa einer Stunde zu Spitzenzeiten am 27. und 28. Dezember.

„Völlig normal“ ist laut Wyker Dampfschiffsreederei (WDR) auch das Verkehrsaufkommen während des Jahreswechsels gewesen. Mit dem Rückreiseverkehr werde erst in den kommenden Tage gerechnet.

An der traditionellen Aktion der Schornsteinfeger, die zu Silvester nach Föhr reisen und dort um Spenden für den Förderverein Stationäres Hospiz Nordfriesland bitten, beteiligten sich 19 Kaminkehrer und 13 Musiker der Flensburger Samba-Percussion-Band Policia do Samba aus Flensburg. Mit ihren rhythmischen Trommel- und Paukenschlägen sorgten sie für ein bisschen Flair im Winter der friesischen Karibik. Und die Menschen waren begeistert von der Musik, die die Truppe präsentierte. Schnell bildete sich eine große Traube um die Sambapolizei. Viele machten ihre Erinnerungsfilmchen und -bilder von dem Event.

Ein Highlight der Spendenaktion war die traditionelle Versteigerung von Glückshufeisen. Euro um Euro wurde dort geboten, um eines der begehrten schmiedeeisernen Halbkreise zu ergattern. Einen Zuschlag erhielt schließlich Gönke Petersen. Zusammen mit ihren Kollegen den Schornsteinfegern auf die Insel gefolgt. Das Hufeisen wollte sie sich da nicht entgehen lassen: „In den letzten Jahren habe ich kleine Schornsteinfegerfiguren bekommen, die haben mir auch schon oft Glück gebracht – das soll jetzt das Hufeisen für 2018 leisten.“

Als Quittung bekam jeder Spender eine schwarze Nase verpasst. „Je weiter der Vormittag voranschritt, um so weniger Menschen waren noch ohne eine schwarze Nase unterwegs“, erzählte Schornsteinfegermeister Matthias Rugullis aus Lütjenholm als Organisator der Aktion. „Jeder möchte einfach dazu gehören und eine Spende abgeben.“ Nach drei Stunden ging es mit gut gefüllten Sammeldosen zurück auf das Festland.

Die Spenden werden in voller Höhe an den Förderverein weitergereicht. Seit 2009 konnten 35 567 Euro übergeben werden. Derzeit wird ein Neubau des Hospizes in der Niebüller Marktstraße geplant. „Die Aktion hat trotz des Regens wieder viel Spaß gemacht – wir gehen davon aus, dass erneut die 6000-Euro-Marke geknackt wurde.“

Die Wyker Dampfschiffsreederei (WDR) und die Föhrer Tourismuszentrale unterstützen die allseits beliebte Charity-Aktion.

Das Hospiz in Niebüll platzt aus allen Nähten. 2018 soll ein Anbau mit vier neuen Gästezimmern errichtet werden. Wohnen, Betreuung und Pflege ist für die Hospizgäste kostenfrei. Die Gäste leisten keine Zuzahlung. Da die Kosten für das Wohnen und die Rundumversorgung jedoch nicht in voller Höhe von den Kranken- und Pflegekassen übernommen wird, ist der Fehlbedarf von rund 130.000 Euro pro Jahr vom Hospiz selbst zu finanzieren.

Arndt Prenzel/
Christian von Stülpnagel

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