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Replik des Nordstrander Sturmflutkelches : „Sieht ganz schön authentisch aus“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Replik des Nordstrander Sturmflutkelches wird Gegenstand eines Dokumentarfilms sowie einer Ausstellung im Husumer Nordsee-Museum.

„Komm’ mal mit nach oben, dann zeig’ ich ihn Dir“, sagt Gerd Beliaeff zu seinem Freund Martin Tiefensee. Das lässt sich der Filmemacher nicht zweimal sagen, folgt Beliaeff über eine steile Treppe ins Obergeschoss der Gürtler-Werkstatt. An den Wänden hängen Reproduktionen von Werken des gebürtigen Deezbüller Malers Carl Ludwig Jessen (1833-1917). Doch für die hat Tiefensee kein Auge. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt einem unscheinbaren Schuhkarton, den Beliaeff aus der Schreibtischschublade zieht. Behutsam öffnet der Gürtler das stockfleckige Behältnis und faltet ein Tuch auseinander, unter dem ein filigraner goldener Kelch zum Vorschein kommt.

„Nein, der ist nicht echt“, erläutert Beliaeff – wieder unten in der Werkstatt – einem Kunden, der zufällig vorbeigekommen ist und das Prunkstück „natürlich sofort entdeckt“ hat. Vielmehr handle es sich um die Replik des Nordstrander Sturmflutkelchs von 1459, berichtet der Metall-Künstler. Das Original befinde sich seit 1825 im Dänischen Nationalmuseum von Kopenhagen. Jetzt soll wenigstens eine Nachbildung auf die Insel zurückkehren.

Die Idee dazu hatte der Journalist, Historiker, Verleger und Wahl-Husumer Manfred-Guido Schmitz. Er war es auch, der Friede Springer – Witwe des 1985 verstorbenen Verlegers Axel Springer – und andere Sponsoren von dem Projekt überzeugen konnte. Dank ihrer Unterstützung wurde dann auch die Replik in Auftrag gegeben.

Mehr als 240 Stunden haben Beliaeff und sein Kollege Alexej Hajtukow damit zugebracht. Auf das Original konnten sie allerdings nicht zurückgreifen, weil das Nationalmuseum es nicht herausrücken wollte. Stattdessen machten die beiden in Kopenhagen Fotos, die Hajtukov am Computer in dreidimensionale Zeichnungen umwandelte. Die Replik wurde aus Messing hergestellt und anschließend vergoldet. „Sieht ziemlich authentisch aus“, freut sich Beliaeff über das Ergebnis, das am Donnerstag, 20. November, ab 19 Uhr im Nordsee-Museum offiziell vorgestellt werden soll. Dort hängt auch ein Bild von Carl Ludwig Jessen, das den Kelch nach einer Sturmflut auf dem durchnässten Boden einer Wiese zeigt.

Erstmals erwähnt wurde der Kelch vom früheren Nordstrander Pastor Johann Christoph Biernatzki in dessen Buch „Die Hallig“, das dieser vermutlich um 1836 verfasste. Während eines Urlaubs in einer Ferienwohnung von Gerd Beliaeff (so klein ist die Welt) stieß Schmitz dann auf Aufzeichnungen des Nordstrander Heimatforschers Fritz Karff und auf einen Hinwies, dass der Kelch wohl sogar die Große Mandränke von 1634 überstanden habe. Wie er anschließend nach Kopenhagen kam, ist allerdings bis heute ein Rätsel. „Aber auch das finde ich noch heraus“, sagt Guido Schmitz.

Bewunderer der Replik haben es da einfacher. In einem 20-minütigen Film von Martin Tiefensee wird deren Entstehungsgeschichte gleichermaßen akribisch wie unterhaltsam dokumentiert. Die Ausstellung bleibt bis zum 11. Januar im Nordsee-Museum und ist jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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erstellt am 12.Nov.2014 | 10:00 Uhr

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