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Wagners Ring in zwei Stunden : Siegfried ist kein Frauen-Versteher!

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am 29. Januar geht Marlene Jaschke im Nordsee-Congress-Centrum in den „Ring“. Dann gibt es Richard Wagners Mammut-Oper in einer unterhaltsamen Kurzversion. Aus über 16 Stunden macht die Grimme-Preisträgerin verträgliche zwei.

von
erstellt am 20.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Na, wenn das kein ambitioniertes Vorhaben ist: Wagners „Ring der Nibelungen“ in 120 Minuten. Normalerweise geht das nicht unter 16 Stunden. Es kann nur eine geben, die sich an so etwas heranwagt: die Frau mit dem komischen Hut, dem linkischen Gebaren und dem unvermeidlichen Handtäschchen. Am Mittwoch, 29. Januar, um 20 Uhr steigt die Urmutter der Schmidt-Mitternachtsstunden im Nordsee-Congress-Centrum für das Publikum „(Auf) in den Ring“. Was Marlene Jaschke geritten hat, Wagners Mammutwerk zu einem – noch dazu unterhaltsamen – homöopathischen Musikhappen zu verdichten, darüber spricht sie im Interview.

Frau Jaschke, für den „Herrn der Ringe“ wurde eigens eine neue Musik geschrieben. Was hat Sie bewogen, Richard Wagners Ring quasi im Gegenzug auf zwei Stunden einzudampfen?
Jaschke: Richard Wagners Ring hat nichts mit Tolkiens „Herr der Ringe“ zu tun. Die beiden sollte man nicht miteinander verwechseln. Das „Eindampfen“ war nötig, 16 Stunden und 32 Minuten sind wirklich eine Zumutung.
Ist es nicht im Grunde ein Sakrileg, eine Ikone wie den Wagner einfach so satirisch zu verdichten? Haben die Bayreuther Gralshüter da nicht Zeter und Mordio geschrien?
Nein, haben die Bayreuther nicht! Ich wurde sogar eingeladen in die Villa Wahnfried, das Wohnhaus von Richard Wagner, um dort meinen Ring aufzuführen. Die Wagnerianer haben mehr Humor, als manch einer denkt.
Mit dem Ring ist es ja ähnlich wie mit der Bild-Zeitung: Jeder kennt sie, aber wenn es drauf ankommt, hat sie keiner gelesen oder gehört. Nehmen Sie zu viel vorweg, wenn Sie unseren Lesern in einigen dürren Worten erklären, worum es da geht?
Es geht doch darum: Das Herz bestimmt den Lauf der Welt, nicht Macht, noch Gier, auf keinen Fall Geld . . .
. . . und das interessiert Sie?
Aber natürlich! Was gibt es Wichtigeres im Leben?
Gibt es einen Hauptdarsteller, der Sie besonders fasziniert? Wie wär’s mit Siegfried? Das ist doch mal ein richtiger Kerl, oder?
Siegfried wächst im Wald auf und geht als „reiner Tor“ in die Welt. Er kennt sich nicht aus und weiß nicht, was Frauen wünschen! Da liegt mir der Feuergott Loge mehr.
Wenn Sie viel Deutschland-Funk hören, wird Sie die nächste Frage nicht überraschen: Was hat uns Wagners Ring heute noch zu sagen?
Wenn Sie sich für die Welt interessieren und all die Informationen, die Ihnen ins Haus flattern, hinterfragen, wird Ihnen auffallen, dass Wagners Ring hochaktuell ist. Denen in der Wirtschaft, Politik oder Finanzwelt geht es doch hauptsächlich um Macht, Einfluss und Besitz. Die wichtigen Werte werden dabei oft vergessen.
Was haben Sie als nächstes vor? Marx’ Kapital oder die Bibel als Singspiel aufführen? Ausreichend Stoff zum Kürzen geben ja beide Werke her.
Ich nehme mir erst mal die Werkausgabe des Hamburger Telefonbuchs vor.

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