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Guitar Heroes Festival Joldelund : Sieben Stunden Blues und Rock satt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zum fünften Mal fand in Joldelund das Guitar Heroes Festival statt. Headliner war der Londoner Danny Giles.

„Einfach nur geil hier“, rief der zu den Top-Gitarristen Europas zählende Berliner Florian Lohoff seinem Publikum zu, während er mit seinen Bandmitgliedern die zweite Zugabe anstimmte. Schon nach den ersten Minuten hatte er es mit seiner Truppe – die den Abend eröffnet hatte– geschafft, die Stimmung auf ein hohes Level zu treiben. Und das steigerte sich während der Abend- und Morgenstunden immer weiter.

Zum Mekka für Blues- und Rockfreunde wurde erneut und bereits im fünften Jahr das 750-Seelen-Dorf Joldelund. Weltbeste Gitarristen und Musiker gaben sich auf der Bühne der Event-Scheune Gerds Juke Joint im Rahmen des „Guitar Heroes Festivals“ die Ehre. Dafür hatte der musikbegeisterte Bäckermeister Gerd Lorenzen sich wieder ins Zeug gelegt. Ihm war es gelungen, für die an einer Lungenentzündung erkrankte britische Gitarristin Joanne Shaw Taylor adäquaten Ersatz heranzuholen – und das gleich in zweifacher Ausfertigung: Mit Florian Lohoff und dem in London beheimateten Danny Giles, jeweils mit ihren Bands. Mit dem dritten im Bunde, den ebenfalls aus England stammenden Sean Webster war ein Rundum-Musik-Paket für satte sieben Stunden geschnürt worden.

„Das war nicht einfach, alles auf die Schnelle zu organisieren. Joanne Shaw Taylor wird ihren Auftritt im kommenden Frühjahr nachholen“, verkündete Lorenzen. Sein Lohn: ein begeistertes Publikum und Vollblutmusiker, die allesamt im urigen Ambiente und inspiriert von den Fans alles gaben. Eines hatten nämlich alle Saiten-Zauberer gemeinsam: sie suchten die Nähe zum Publikum, banden es oft ein in Gesangs-Parts, was für beide Seiten ansteckend war. Viele Besucher ließen ihren Emotionen durch freies Tanzen ihren Lauf.

„Das ist ja hier das reinste Non-Stop-Musikfeuerwerk“, freute sich die Flensburgerin Manuela Friedrichsen, die schon zum dritten Mal bei einem der Konzerte in Gerds Juke Joint in diesem Jahr dabei war. Es ist vor allem toll, dass solche Stars, die eigentlich auf den großen Bühnen zu Hause sind, auch nach Joldelund kommen, befand sie.

Zurück zum Einheizer des Abends, Florian Lohoff: Ohne viel Aufheben zu machen, war er gleich mittendrin, von einer Sekunde auf die andere führten Tempowechsel zu Überraschungen. Immer wieder neu hob er den Spannungsbogen an. Hätte man ein Motto finden müssen, dann wäre es wohl so etwas wie „Blues und Rock – aus der Seele“. Lohoff verschmolz nicht nur mit seiner Gitarre, sondern bildete eine feste Einheit mit seinen Mitstreitern, dem Keyboarder Tom Gatza, der den typischen Hammond-Orgel-Sound herbeizauberte, Schlagzeuger Felix Dehmel, der zudem ein atemberaubendes Solo hinlegte, und dem Bassisten Varian Villanueva, der die Zuhörer mit einzigartigen Bassläufen verzückte.

Der Brite Sean Webster machte mit seinen Musikern von Anfang an klar, dass sie den klassischen Blues draufhaben. Mit einer ungewöhnlichen Interpretation des Bob-Marley-Klassikers „I Shot the Sheriff“ löste er Jubel aus. Dabei ließ er seine Gitarre in meditativen Parts versinken oder im nächsten Moment aufschreien. Gepaart mit seinem gefühlvollen Gesang, der an Joe Cocker, Bryan Adams oder Jonny Lang erinnerte, hauchte er dem Lied ein völlig neues Leben ein.

Wer glaubte, dass es daraufhin keine Steigerung mehr geben könnte, der hatte weit gefehlt. Nach allen Regeln des Blues-Rock, gewürzt mit einer Prise Rock ’n’ Roll, tobte sich an den Saiten seiner Fender Stratocaster Danny Giles aus – unterstützt von Pat Garvey am Schlagzeug und Jon Chase am Bass. Eine Mischung klassischer und moderner Musikstile machte die Musik besonders. Aber auch ruhigere Eigen-Kompositionen, wie „Hold On“, genoss der Musiker und schaltete eine Gangart in den Stil Slow-Blues zurück. Als absoluten Höhepunkt interpretierte er als Hommage an den unvergessenen Jimi Hendrix sein „Hey Joe“. Wie als einen Gruß an den 1970 verstorbenen Gitarristen hob Danny Giles am Ende sein eigenes Instrument gen Himmel.

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