Buchvorstellung : Sieben Jahre als Frau allein in Marokko

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11. November 2010, 03:59 Uhr

Bredstedt | Sieben Jahre in Marokko. Allein. Als europäische Frau. Dieses Wagnis ging Marina Hoyer dann auch noch ausgerechnet im Jahr 2001 ein, wenige Monate nach den Terroranschlägen von New York. Ihre Erfahrungen hat sie jetzt in einem Buch veröffentlicht. Daraus wird Marina Hoyer, die in Glückstadt geboren ist und inzwischen in Bredstedt wohnt, am Sonnabend (13.) bei einer Lesung in Bredstedt etliche Passagen vortragen. Beginn der Veranstaltung ist um 18 Uhr im "Café Frida". Der Eintritt ist frei.

In der Mitte ihres Lebens stehend, bedurfte es vielleicht wirklich erst der Geschäftsaufgabe ihres Arbeitsgebers, damit Marina Hoyer endlich einen lang gehegten Wunsch in Angriff nahm: Die Welt des Maghrebs wirklich kennen zu lernen, tief in den Alltag einzusteigen, mit und unter den Menschen dort zu leben. Natürlich spielten schwärmerische Vorstellungen vom Orient, von dieser geheimnisvollen Welt, eine Rolle, und klar war ihr auch von Anfang an, dass die eigenen Vorstellungen kaum der Realität standhalten würden.

Aber genau hier beginnt die Geschichte interessant zu werden: Während die Welt in Angst vor der islamischen Welt erstarrte, begegnete Marina Hoyer neugierig und mit Entdeckungslust einer sehr fremden Kultur: der des privaten Lebens in der islamischen Gesellschaft des westlichen Maghrebs. Ob der Besuch im Hamam, die Feiern des Ramadan, die lautsprecherverstärkten Rufe des Muezzins: Die Autorin berichtet präzise und mit eigenem Blick von ihren Begegnungen und dem Alltagsleben. Lakonisch, mit Humor und Einfühlungsgabe beschreibt sie die Situationen und Menschen, macht sie die Einfachheit der dortigen Lebensumstände erlebbar, aber auch die Herzlichkeit, mit der sie empfangen wurde. "Marhaba!" - Mit diesem "Herzlich willkommen!" wurde Marina Hoyer immer wieder begrüßt, wurde die Hafenstadt Essaouira im Süden Marokkos ihre zweite Heimat.

Der Orient wurde in dieser Zeit für Marina Hoyer zu einer vielschichtigen Realität: Sie entdeckte für sich eine kaum bekannte, traditionell bestimmte, aber herzliche Welt, arm - aus unserer Sicht - zumeist, aber reich an menschlicher Teilnahme, ökologisch und ökonomisch bedroht, aber noch immer fest verankert in einer jahrhundertealten Geschichte und Kultur.

Zurück in Deutschland hat Marina Hoyer den weiten Himmel der Wüste durch den endlosen Horizont der Nordseeküste ausgetauscht. Und tatsächlich findet man sich auch kulinarisch - auch wenn es jetzt Minztee in Nordfriesland ist.

Das Buch von Marina Hoyer ist im Husumer "ihleo verlag" erschienen und dort oder über den Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-940926-16-6).

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