Ein Herz für Blumen und Tiere : Sie ist die Hüterin heimischer Wildpflanzen

Auf einem zwei Hektar großen Feld wachsen heimische Wildblumen und Wildgräser.
Auf einem zwei Hektar großen Feld wachsen heimische Wildblumen und Wildgräser.

Gisela Twenhöven aus Bohmstedt züchtet das Saatgut heimischer Wildpflanzen, damit genetische Vielfalt nicht verloren geht.

shz.de von
27. Juli 2014, 18:00 Uhr

Ein seltener Molch war schon Gast in ihrem grünen Reich – nun kriecht eine große Weinbergschnecke die Hauswand hinauf. Im Sommer schwirrt eine Vielzahl von Insekten und Vögeln durch den Garten: Es summt, brummt, kreucht und fleucht bei Gisela Twenhöven. Wenn die Bohmstedterin über Tiere und Pflanzen spricht, sprüht die Diplom-Agraringenieurin vor Begeisterung.

Aufgewachsen auf einem Milchviehbetrieb im Allgäu, studierte sie später Landwirtschaft und widmete sich anschließend der Botanischen Kartierung. Durch diese Arbeit, die sie unter anderem in Naturschutzgebiete führte, kennt sich Gisela Twenhöven sehr gut damit aus, welche Wildpflanzen wo, wann und in welcher Vielfalt wachsen. Ihr Wissen ist gefragt im norddeutschen Raum: Die Wahl-Nordfriesin begleitete bisher zahlreiche Projekte von Städten und Kommunen, berät Landwirte und Privatleute.

In einer Zeit, in der mehr als 50 Prozent der Blütenpflanzen gefährdet und viele bereits ausgestorben sind, ist ihr Einsatz immens wichtig. „Leider gilt Gleiches für Insekten, wie Schmetterlinge und Wildbienen sowie Vögel, Reptilien und viele andere Tiergruppen.“

In ihrer Heimatgemeinde unterhält Gisela Twenhöven eine „Saatfabrik“. Sie baut heimische Wildblumen und Wildgräser an, erntet und vermarktet die Samen. Die Agraringenieurin pflanzt, pflegt und beobachtet täglich, was sich auf einer Fläche von zwei Hektar tut, vermehrt die Pflanzen, erntet mit Hand und Maschine – je nach Pflanzenart zu unterschiedlichen Zeiten. Ringelnattern, Kreuzkröten und jede Menge Insekten begleiten sie zwischen Blumen, Gräsern und Kräutern.

Zu Hause stehen hunderte kleine und seltene Jungpflanzen in Töpfchen. Gisela Twenhöven züchtet sie für verschiedenste Schutzprojekte, wie regionale Ackerrandstreifen und Ökokontoflächen, oder die Internationale Gartenschau in Hamburg. Dazu gehört auch der Teufelsabiss, eine Wildstaude, die jeden naturnahen Garten bereichert. „Ihre bis zu drei Zentimeter großen Blütenkugeln bilden ein zartes Gewirr, das einem kunstvollen Gewebe gleicht“, erklärt die Bohmstedterin. Die Staude ist in der freien Landschaft kaum noch zu finden und steht inzwischen in vielen Bundesländern auf der Roten Liste. Tagfalterarten – wie Perlmutt- und Scheckenfalter, Bläulinge, Blutströpfchen, Widderchen und Ochsenaugen gehören zu den necktarsaugenden Gästen des Teufelsabisses.

Viele Besucher sind von der farbenfrohen Blütenpracht in Familie Twenhövens Paradies beeindruckt, geben allerdings zu, so nicht leben zu können, erzählt die Fachfrau und schmunzelt. Sie ist keine, die missionieren will. Allerdings: „Ich würde es gut finden, wenn die Leute die Natur als Grundlage für Leben wahrnehmen und sich daran erfreuen.“

Gern erinnert sich Gisela Twenhöven an ihre Kindheit im Allgäu und ihre Streifzüge über die Wiesen. „Es gab Zäune, darunter wuchsen Himmelsschlüsselchen.“ Schon lange sind die Absperrungen aus Holz Elektrodrähten gewichen, Felder liegen dicht an dicht – für Blumen ist kein Platz mehr. . .

Im Haus fällt der Blick auf einen großen Kasten, der voll gepackt ist mit unterschiedlichsten Samen: Sie sind Kapital für die Natur, um die genetische Vielfalt von Wildpflanzen zu erhalten. Gisela Twenhöven verkauft die Ernte als Mitglied im Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten.


Kontakt: twenhoeven@gmx.de.

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