Freundeskreis um Heide Müller : Sie ist die gute Fee der Meisterklasse

Sie habe beim Zuhören schon viel gelernt, besonders über Atemtechnik, sagt Heide Müller, die gern dem Unterricht beiwohnt.
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Sie habe beim Zuhören schon viel gelernt, besonders über Atemtechnik, sagt Heide Müller, die gern dem Unterricht beiwohnt.

Heide Müller leitet den Freundeskreis für die Liedkunst und kümmert sich um die Sänger und Pianisten aus aller Welt, die den Meisterkursus in Husum besuchen.

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31. Juli 2015, 09:00 Uhr

Heide Müller ist gern pünktlich. Auf die Minute genau erscheint sie zu unserem Gespräch, obwohl sie nach einem „Notruf“ noch einen Sänger aus Mildstedt abgeholt und vor dem Schloss abgesetzt hat. Fahrdienste gehören in dieser Woche noch bis zum Abschlusskonzert am Sonnabend, 18 Uhr, zu ihrem Arbeitspensum. Denn die 73-Jährige leitet den Freundeskreis, der die Teilnehmer eines Meisterkurses für Liedgestaltung praktisch und finanziell unterstützt. Und da Künstler spontane Naturen sind und deshalb auch mal früher oder später anreisen, ist Heide Müllers Tatkraft öfter gefragt. So konnte die Wahl-Nordfriesin die musikalische Eröffnung im Rittersaal (wir berichteten) nur mit einer Unterbrechung genießen, da sie noch schnell ein Quartier finden musste. Ihr eigenes Zuhause in der Südermarsch dient deshalb für den Fall der Fälle immer als Übergangsunterkunft. Übernachtungs-Chefin ist also das zweite Ehrenamt der gut organisierten Frau.

In diesem Jahr findet der hochkarätige Unterricht für 19 Sänger und fünf Pianisten von Musikhochschulen oder aus dem Profibereich statt. Angereist sind zur 15. Liedkunst Talente zwischen 24 und 34 Jahren unter anderem aus der Türkei, aus Frankreich, Serbien, Asien, der Schweiz und den USA. Englisch ist angesichts dieser Internationalität Pflichtsprache für Heide Müller. Damit hat die Liebhaberin klassischer Werke, die früher in einem großen Hamburger Verlag beschäftigt war, jedoch keine Probleme.

Da die Ausbildung öffentlich über die Bühne geht, ist der Meisterkursus mittlerweile auch zu einem festen Termin für Musikfreunde aus ganz Deutschland, aus dem Nachbarland Dänemark und der Schweiz geworden.

Der renommierte Bass-Bariton Ulf Bästlein, Professor an der Musikhochschule in Lübeck und an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Graz, leitet die Meisterklassen. Sein eigenes Repertoire reicht von Monteverdi bis in die Moderne. Partner von Bästlein ist einer der international gefragtesten Pianisten, Charles Spencer, Professor für Liedinterpretation an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien. Da der gebürtige Flensburger Bästlein in Husum aufgewachsen ist, hat die Storm-Stadt das Glück Adresse für diese besondere Lehrveranstaltung zu sein, die er selbst ins Leben gerufen hat.

Der Meister wird jedoch nicht müde zu betonen, dass es ohne den 2005 gegründeten Freundeskreis dieses Angebot nicht geben könnte. Heide Müller freut sich über diese Wertschätzung, die sie gern weitergibt an die rund 30 Mitglieder ihres Kreises und die Stiftung Nordfriesland, die als Veranstalter auftritt und ihr die Anmelde-Bürokratie abnimmt. Nicht zu vergessen Sponsoren und Förderer. Diese Gruppe liefert Heide Müller ein weiteres Betätigungsfeld. Denn ohne ausreichende Mittel wäre es dem Freundeskreis nicht möglich, Teilnehmern eine Förderung zukommen zu lassen, indem die Kursgebühren übernommen und/oder kostenfreie Übernachtungen ermöglicht werden. Deshalb ist die Suche nach Unterstützern und Quartiersgebern ein „ewiges Thema“. Dass nach einem Konzert ein Ehepaar aus Lübeck auf sie zukommt, um Förderer zu werden, ist eher die Ausnahme. Und so sucht Heide Müller von sich aus den Kontakt zu Firmen oder Musikinteressierten, um sie für ihre Herzenssache zu gewinnen.

Und da wäre noch das Trösten, denn: „Immer am Dienstag entscheidet sich bei einer Aufnahmeprüfung, wer aktiv und wer passiv an dem Meisterkursus teilnehmen darf.“ Heide Müller nimmt sich dann Zeit und findet aufbauende Worte. Diesmal sind von den 24 Teilnehmern vier aus der Gruppe der Sänger als Zuhörer dabei.

„Ich hatte gedacht, es ist nur für ein Jahr.“ Doch als Thomas Wiese, der Gründer des Freundeskreises und frühere Leiter der Kreismusikschule, 2005 schwer erkrankte und 2006 verstorben ist, hat Heide Müller der Gruppe ein Gesicht gegeben. Sie hofft, diese Aufgabe eines Tages in jüngere Hände abgeben zu können. Solange macht sie weiter. Kraftquelle und Inspiration ist die besondere Musik, für die sie sich engagiert. „Das Kunstlied berührt die Seele“, schwärmt Heide Müller. Die Großmutter habe ihr bereits zu Kinderzeiten verschiedene Stücke beigebracht.

Wer den Freundeskreis unterstützen möchte, sollte sich an Heide und Heinz Müller (Telefon 04841/74216) wenden.

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