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Mensch des Jahres : Sie hätte diese Ehre gerne mit ihrem Mann geteilt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Isolde Brendler ist von unseren Lesern mit deutlicher Mehrheit zum „Menschen des Jahres“ gewählt worden. Die Landesentscheidung fällt im Februar 2015 in Plön.

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erstellt am 27.Nov.2014 | 08:00 Uhr

Sie hätte „diese große Ehre“ gern mit ihrem Mann Rolf geteilt, sagt Isolde Brendler (70) und ringt mit den Tränen. Immerhin hat er wesentlich dazu beigetragen, „dass ich heute überhaupt hier bin“. Doch ihre Wahl zum „Menschen des Jahres“ sollte Rolf Brendler nicht mehr miterleben. Er starb – plötzlich und unerwartet – drei Wochen vor der Auszeichnung. Dass sie dennoch kandidiert habe, sei auch eine Hommage an ihren Mann, erklärte Brendler, als sie gestern von Jörg von Berg, Redaktionsleiter der Husumer Nachrichten, als „Mensch des Jahres“ geehrt wurde. Eine Botschaft, die ankam. Dass sie aus ihren Mitbewerbern Rainer Bruns, Anne Dupke und Michael Klotzke „drei zweite Gewinner“ machte, wie von Berg es nannte, war das Ergebnis einer Wahl, an der sich – per Post, online und Telefon – fast 2200 Leser beteiligten.

Ihre Bedenken, dass der eine oder andere womöglich wegen ihres Mannes für sie gestimmt haben könnte, vermochte von Berg natürlich nicht vollends auszuräumen. Dessen ungeachtet zeigt das klare Ergebnis seiner Einschätzung nach aber vor allem „Verständnis für Ihre Entscheidung und die Wertschätzung Ihrer Arbeit“.

Vor 15 Jahren rief Brendler gemeinsam mit 15 weiteren Frauen und Männern den Ambulanten Hospizdienst Husum und Umgebung ins Leben und ist eines von drei Gründungsmitgliedern, die bis heute aktiv dabei sind. „Ich finde es jedenfalls großartig, dass Sie Ihre Kandidatur nicht zurückgezogen haben“, nahm von Berg den Faden wieder auf.

„Jetzt erlebe ich an mir selbst, was ich aus der Trauerbegleitung kenne“, rang Isolde Brendler um Fassung, und machte deutlich, „dass Sie mich heute so nehmen müssen, wie ich mich fühle. Ich bin auf dem Weg durch ein Niemandsland. Das Alte ist vergangen, das Neue noch nicht da. Und das Wissen um Trauer und Tod ersetzt nicht die Gefühle.“

Auch Ralf Höpfner, Vertreter der Flensburger Brauerei und als solcher Mitinitiator der Aktion „Menschen des Jahres“ bedankte sich bei Brendler. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen, die sich überall im Lande der Hospiz-Arbeit verschrieben hätten, helfe sie mit, „ein Tabu-Thema zu enttabuisieren. Nur so können wir Leid teilen“, sagte Höpfner und fand ein Bild, dass auch von Brendler selbst hätte stammen können: Als Unternehmen „möchten wir denen helfen, die im Wind stehen – und denen, die jenen helfen, die im Wind stehen. Deshalb machen wir bei dieser Sache mit“.

Brendler griff den Gedanken auf: Sie fühle sich nicht nur als Teil des Ambulanten Hospizdienstes Husum, sondern als Teil einer großen Familie, der sie viel verdanke: „Wir sind die Nachfolger einer Bürgerbewegung, die sich in den 1980er-Jahren gebildet hat – „freiwillig und unentgeltlich“. 90 Prozent der Menschen wünschten sich, zu Hause zu sterben. Sie wisse wohl, dass es Gründe gebe, die das verhinderten. „Aber da, wo es geht, helfen wir ihnen. Wir haben kein Haus, aber wir gehen in die Häuser – mit Zeit, Zuwendung und Anteilnahme“, strich sie den Unterschied zu stationären Einrichtungen heraus.

Höpfner sprach von einem „Generationenvertrag im Ehrenamt“ und freute sich zu hören, „dass zumindest den Hospizdienst in Husum und Umgebung keine Nachwuchssorgen plagen“, wie Brendler berichtete. Sehr wichtig sei ihr aber auch die Trauerarbeit, sagte sie unter Hinweis auf die gemeinsame Offene Trauergruppe des Hospiz-Dienstes und der Evangelischen Familienbildungsstätte. Wie es damit für sie persönlich weitergehen werde, wisse sie noch nicht, räumte Brendler ein. „Eigentlich hatte ich mit 70 aufhören wollen – auch um mehr Zeit mit meinem Mann verbringen zu können.“ Doch nun sei alles anders gekommen. „Auf jeden Fall brauche ich eine Pause.“

Wenn die Wertschätzung da sei, müsse die Arbeit weitergehen, versuchte Höpfner der Preisträgerin – sichtlich beeindruckt – den Rücken zu stärken. Brendler reagierte in gewohnt bescheidener Manier: „Schon, aber diese Wertschätzung ist ja nicht an mich als Person gebunden. Und ich muss jetzt einen Schritt nach dem anderen tun. Man muss heil sein für diese Arbeit.“ Sie sei an der Hospiz- und Trauerarbeit gewachsen, erklärte Brendler abschließend und verwies auf das große Vertrauen, dass ihr und ihren Mitstreitern von Seiten der Sterbenden, aber auch vieler Angehöriger entgegengebracht worden sei. „Das finde ich schön.“



> Ambulanter Hospizdienst Husum und Umgebung, VR Bank, Kto.-Nr. 2128853, BLZ 21763542.

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