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Nachwuchs-Forscher : Sie finden Lösungen für die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Beim Landesentscheid von „Jugend forscht“ sind auch regionale Preisträger von Husumer Gymnasien vertreten. Wir stellen zwei ausgezeichnete Ideen vor.

Seit gut 50 Jahren gibt es ihn schon: den bundesweiten Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“, in dem junge Menschen ihre Talente in Naturwissenschaften, Mathematik und Technik unter Beweis stellen. Am 16. und 17. März wird in Kiel der schleswig-holsteinische Landesentscheid ausgetragen, dem drei Regionalwettbewerbe vorausgegangen sind. Der für die Westküste fand in Heide statt – einmal mehr deutlich dominiert von Schülerinnen und Schülern aus Husum. So war die Theodor-Storm-Schule (TSS) in Dithmarschen mit sieben Projekten gelistet. Das Gymnasium hat den diesjährigen Schulpreis für besonderes Engagement zur Förderung mathematisch, naturwissenschaftlich und technisch interessierter Schülerinnen und Schüler erhalten. Die Hermann-Tast-Schule (HTS), die sich seit vielen Jahren beteiligt, hatte gut zwei Dutzend Vorhaben eingereicht. Aus beiden Schulen stellen wir jeweils eine Idee kurz vor.

Das erfolgreichste TSS-Projekt war das von Leonie Cecilie Schlüter aus Drage. Sie beschäftigte sich mit der Leistungssteigerung des Savonius-Rotors. „Während sich herkömmliche Windkraftwerke mit typisch horizontaler Achse spätestens bei Windgeschwindigkeiten von 20 bis 25 Meter pro Sekunde abschalten, vertragen Vertikalwindkraftanlagen deutlich mehr. Durch die vertikal befestigten Blätter kann der Rotor bereits bei Anströmgeschwindigkeiten von zwei Meter pro Sekunde durch Bewegung Leistung erbringen, weil das Drehmoment höher ist“, erklärt die Kunstprofil-Schülerin. „Gut“ findet sie den Savonius-Rotor, weil er extrem leise laufe und so für Städte und Haushalte ideal geeignet sei. Die Nachteile kennt sie aber auch: „Der Rotor ist bauartbedingt nicht in der Lage, extrem hohe Drehzahlen zu erreichen, da er die tatsächliche Windgeschwindigkeit nicht überschreiten kann. Die Blätter erreichen zudem eine viel kleinere Spannweite. Mein Ziel war es, einen Rotor zu entwickeln, dessen Leistungsniveau bei allen Windgeschwindigkeiten optimal ist. Zudem war mir wichtig, dass er einfach aufgebaut ist, um ihn auch in Entwicklungsländern oder an entlegenen Orten einsetzen zu können.“

Das ist ihr, unterstützt von ihrem schulischen Betreuer Dr. Jesko Oestergaard, gelungen. Die 18-Jährige baute ein Modell aus Aluminium, bei dem sie die Blätter mit Gummibändern oder Federn am gegenüberliegenden Blatt befestigte, um Widerstand zu erzeugen: „Der Anstellungswinkel der Blätter ist variabel“, erklärt sie den Clou ihres Rotors.

Bei der Präsentation setzte Leonie Schlüter den Rotor mit einem Laubbläser in Bewegung. Wie erhofft, passten sich die Blätter dem Wind an, stellten sich bei „Flaute“ weiter auf und machten sich bei „Sturm“ ganz flach. Das überzeugte die Jury, die ihr in der Kategorie Technik den 1. Platz zusprach. Nun bereitet sich die junge Frau auf den Landesentscheid vor, für den sie das Modell etwas verfeinern will. Danach steht das Abitur an und dann möchte sie in Berlin studieren. Die Richtung ist noch offen.

In anderen Gebieten des Wettbewerbs belegten HTS-Schüler erste Plätze: Sven Ebel (17) und Frederik Wulf (18) mit der Idee eines Hub-Leitpfostens (Arbeitswelt), Aycke Roos (17) und Jannes Beyer (18) mit Untersuchungen zu den Auswirkungen der Versauerung von Meeren auf Kalkschalentiere (Chemie). Im Bereich Mathematik/Informatik entwickelte Thore Koritzius (16) eine Chemie-App für Smartphones. Den interdisziplinären Preis erhielten Nils Jäger (17) und Jon Frederik Ivers (17) mit ihrem Projekt „Experimente mit Pyrit“ und im Bereich „Schüler experimentieren“ landeten Lars Ebel (14) und Marcel Pflaeging (14) in der Sparte Arbeitswelt mit ihrer App „Trash It“ auf Platz 1.

In der Kategorie Physik siegte erneut Frederik Wulf, diesmal solo unter dem Slogan „AWK statt AKW“. Rund 400 Arbeitsstunden hat der junge Husumer in den vergangenen zwei Jahren in die Entwicklung und Erforschung eines Aerodynamischen Wasserkraftwerks investiert: Das AWK ist eine Weiterentwicklung herkömmlicher Wasserkraftwerke, in denen die Energie dem durchströmenden Wasser über Schaufelräder entnommen wird. Seine Idee lehnte er an die physikalischen Grundlagen des Segelsports und des Fliegens an: „Die aerodynamisch geformten Flügel werden nicht von Wasser, sondern von einem Wasser-Luft-Gemisch angeströmt. Zweierlei Effekte übertragen die Strömungsenergie auf die Rotoren-Flügel: die Kraft des aerodynamischen Auftriebs wie beim Vogelflug und die herkömmliche Beschleunigungskraft wie in Wasserkraftwerken.“

Nach den ersten Ideen machte er sich mit einem CAD-Programm an das Design für die Rotoren-Flügel und das Gehäuse. Anschließend stellte Frederik Wulf verschiedene Entwürfe im schuleigenen 3D-Drucker her. Eigens gewickelte Spulen und selbst gebaute Elektronik ermöglichten ihm eine Energieabnahme, wie sie bei Generatoren üblich ist. „Ein beeindruckendes Projekt und ein verdienter erster Platz in dieser Kategorie“, urteilte die Jury.

Der talentierte Schüler darf stolz sein auf seine „Jugend forscht“-Bilanz: sieben erste und drei zweite Plätze, ein dritter Platz und eine Reihe von Sonderpreisen in den Bereichen Naturwissenschaft und Umweltschutz – die meisten davon im Team mit Schulkollegen. Von seiner beruflichen Zukunft hat Frederik Wulf klare Vorstellungen. Da er Technik, Biologie und Chemie spannend findet, möchte er in die Wirtschaft und „für Projekte Fachleute aus allen drei Bereichen an einen Tisch bringen“.

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