Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste : Sicherheit muss Vorrang haben

Manövrierunfähig vor Langeoog: Der Frachter „Glory Amsterdam“.
Manövrierunfähig vor Langeoog: Der Frachter „Glory Amsterdam“.

Strandung der „Glory Amsterdam“: SDN fordert Prüfung des Einsatzkonzeptes des Havariekommandos.

shz.de von
25. Juni 2018, 12:00 Uhr

Vor zwei Jahren eröffnete der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees, nach der Mitgliederversammlung der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) im Nationalpark-Haus in Varel-Dangast eine Ausstellung mit dem Titel „Damit eine Havarie nicht zur Katastrophe wird“. Damals dachte wohl niemand daran, dass diese Thematik jetzt am gleichen Ort erneut in einer Mitgliederversammlung der SDN diskutiert werden musste.

Dabei schilderte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies die Versuche der Einsatzkräfte, die Strandung des Massengutfrachters „Glory Amsterdam“ vor der ostfriesischen Insel Langeoog zu verhindern. Er zeigte sich erleichtert, dass keine Umweltschäden entstanden waren und die Bergung nach mehreren gescheiterten Versuchen erfolgreich beendet wurde. Eine gewisse Unzufriedenheit mit den Einsatzabläufen des Havariekommandos war nach Angaben von Teilnehmern jedoch auch dem Minister anzumerken, zumal die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren kräftig in die Sicherheit auf See investiert hatte. Daher werde die niedersächsische Regierung die seitens des Havariekommandos vorgeschlagenen elf Verbesserungsmaßnahmen prüfen, bewerten und dann, soweit sinnvoll, gemeinsam mit den Partnern von Bund und Ländern umsetzen.

SDN-Vorstandssprecher Hans von Wecheln war sich mit dem Minister einig, dass zukünftige Havarien wesentlich effektiver bekämpft werden müssen. Er forderte, das Einsatzkonzept des Havariekommandos den Küstenkreisen vorzulegen: Es müsse geklärt werden, warum eine so hohe zeitliche Verzögerung entstanden war und die Strandung nicht verhindert werden konnte. Schließlich sei es nicht hinzunehmen, dass es fast 20 Jahre nach der Strandung der „Pallas“ vor Amrum heute noch möglich ist, ein treibendes Schiff nicht innerhalb von zwölf Stunden mit einer sichernden Schleppverbindung zu versehen.

Die Vorschläge des Havariekommandos bewertet die SDN kritisch. Der Umweltverband fordert vielmehr den sofortigen Einsatz eines Lotsen oder eines sogenannten „On-Scene-Commanders“, der den Kapitän auf einem Havaristen über die Maßnahmen der Einsatzkräfte informiert und bei der Umsetzung unterstützt. So könnten Kommunikationsprobleme vermieden werden.

Einstimmig wählten die anwesenden Mitglieder Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen erneut an die Spitze der SDN. Auch sein Stellvertreter – der Bürgermeister der Stadt Varel, Gerd-Christian Wagner – sowie Schatzmeister Manfred Hoffmann und Schriftführer Hans-Martin Slopianka wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Im erweiterten SDN-Vorstand gab es Neuerungen: Erstmals wurden der Jurist Jan-Hinnerk Faida aus Varel und der Schatzmeister des Nautischen Vereins Nordfriesland, Peter Martinen, gewählt. Wiedergewählt wurden Landrat Sven Ambrosy (Kreis Friesland), der Bürgermeister der Stadt Norderney, Frank Ulrichs, Jörg-Peter Frerichs (ehemaliger Leiter des Planungs- und Umweltamtes der Stadt Varel), Uwe Jepsen (Präsident des Bundesverbandes der See- und Hafenlotsen), Karl Petersen (Fachmann für Küstenschutztechnik), Marcus Rudolph (Fachgebietsleiter Wasserwirtschaft, Landkreis Cuxhaven) und der Sylter Manfred Uekermann (Vorsitzender der Insel und Halligkonferenz).

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