zur Navigation springen

24 Stunden Husum: 21 bis 22 Uhr : Sicherheit ist oberstes Gebot

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Offizier vom Wachdienst des Flugabwehrraketengeschwaders 1 “Schleswig-Holstein“ prüft mehrfach täglich, ob in den Liegenschaften des Geschwaders in Husum und Umgebung alles in Ordnung ist.

von
erstellt am 20.Sep.2013 | 07:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedenste Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 17: Auf Patrouillenfahrt mit der Luftwaffe.

Der Mercedes-Geländewagen im grün-schwarzgrau-braunen Bundeswehr-Tarnkleid rumpelt an der Innenseite des Zauns der Luftwaffen-Basis Husum-Schwesing entlang. Es ist jetzt 21.30 Uhr, und Hauptfeldwebel Ribeiro da Rocha hält in der Dämmerung angestrengt Ausschau nach Löchern oder Beschädigungen, während er das Fahrzeug durch die ausgefahrenen Spuren steuert. Flugzeuge starten hier schon seit 20 Jahren nicht mehr – zumindest nicht vom militärischen Teil der Anlage –, aber für Sicherheit muss trotzdem gesorgt werden, denn das Gelände dient als Friedensausbildungsstellung des mit Patriot-Lenkwaffen ausgerüsteten Flugabwehrraketengeschwaders 1 (FlaRakG 1) „Schleswig-Holstein“.

Für 24 Stunden ist der 42-Jährige mit portugiesischen Wurzeln als Offizier vom Wachdienst – kurz OvWa genannt – verantwortlich für die Sicherheit aller dem FlaRak-Geschwader angeschlossenen Liegenschaften. „Um 7 Uhr morgens habe ich den Dienst angetreten, von meinem Vorgänger die Wachbücher übernommen und mit ihm im Beisein des Kasernenfeldwebels über Besonderheiten gesprochen“, erzählt da Rocha. Dann hat er seinen normalen Tagesdienst angetreten – seit Anfang 2013 ist er in Husum als Zugführer der Abschussgruppe einer der Patriot-Kampfstaffeln eingesetzt – und zwischendurch die ersten Streifen gefahren.

Seine abendliche Tour startete er um 21 Uhr von der Fliegerhorstkaserne in der Flensburger Chaussee aus. „Wann genau er seine Fahrten macht, legt jeder selbst fest, so wird jeden Tag unterschiedlich kontrolliert. Damit kann sich keiner auf feste Zeiten einstellen.“ Erste Anlaufstation war das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in der Industriestraße, wo er an Vorder- und Rückseite die Zufahrtstore überprüfte, bevor er sich auf den Weg nach Schwesing machte und nach der Kontrolle der Tor-Wache die ausgedehnte Zaun-Runde um das Gelände begann.

Die Umgrenzung zeigt sich makellos: „Keine Veränderung zur letzten Kontroll-Fahrt.“ Der Hauptfeldwebel lenkt den Geländewagen zurück auf eine der geteerten Straßen des Flugplatzgeländes und steuert einen flachen Bau mit angrenzendem Zwinger an. „Hier sind die Hundeführer mit ihren Diensthunden untergebracht, die ständig auf dem Areal Streife laufen“, erläutert er, bevor er Alexander Kovacev und Nick begrüßt. Nick ist ein siebenjähriger, belgischer Schäferhund und gehorcht Kovacev aufs Wort. Brav liegt er im Gras und schaut sich um, während da Rocha und der Diensthundeführer ein paar Worte wechseln. Ganz friedlich und harmlos sieht er aus – aber das täuscht: „Wenn der Hund auf einen potenziellen Eindringling losgelassen wird, fliegen die Fetzen!“ Das schreckt wohl sehr gründlich ab: „Ich habe jedenfalls noch keinen ernsten Vorfall hier erlebt“, sagt Kovacev, der seit acht Jahren Wachdienst auf dem Gelände macht und bereits fünf Jahre mit Nick zusammenarbeitet.

„Die Wache auf dem Flugplatz besteht aus Zivilangestellten, die im Schichtbetrieb arbeiten“, erläutert da Rocha das System, während das Tor hinter ihm von den Posten wieder verschlossen wird und er zur dritten und letzten Station der Runde aufbricht – zum ehemaligen Munitionsdepot in Olderup. „Das steht zwar schon lange leer, aber wir müssen natürlich trotzdem überprüfen, ob alles in Ordnung ist.“ Hier hat der Hauptfeldwebel auch seine bisher einzige Überraschung bei einer Kontrollfahrt erlebt: „Ich kam an und es brannte – die Feuerwehr führte dort gerade eine Löschübung durch.“ Die war zwar ordnungsgemäß angekündigt gewesen, aber irgendwie sei die Meldung bei der Übergabe verloren gegangen. Auch hier keine Probleme – da Rocha wendet das Fahrzeug und fährt zurück zur Kaserne.

„Keine besonderen Vorkommnisse“ – das ist eigentlich der Normalfall. „Inzwischen sind auch alle empfindlichen Einrichtungen wie zum Beispiel die Waffenkammern mit Sensoren und Kameras gesichert. Und passiert da was, geht nicht nur bei uns, sondern auch bei der Polizei der Alarm los.“ Trotzdem werden natürlich auch in der Fliegerhorstkaserne Zaun und technische Bereiche kontrolliert. „Das macht allerdings mein Stellvertreter.“ Vier Köpfe umfasst die militärische Wache in der Kaserne, neben OvWa und stellvertretendem OvWa noch einen Wachhabenden und dessen Stellvertreter – alles Unteroffiziere und während ihres Dienstes gekennzeichnet durch eine silbergraue Schulterkordel. „Dazu kommt im Kasernenbereich noch die Zivilwache, die – wiederum im Schichtdienst – als Torposten eingesetzt wird.“

Kurz vor 22 Uhr sitzt Hauptfeldwebel da Rocha wieder im Wachbüro und trägt seine Streife ins Wachbuch ein. Noch gut neun Stunden, dann wird er das Buch und die Kordel an seinen Nachfolger übergeben – und sich einen freien Tag mit seinem 24-Stunden-Dienst erarbeitet haben. Den kann der Vater von zwei Töchtern, dessen Familie noch nicht nach Nordfriesland umgezogen ist und in Nordrhein-Westfalen wohnt, gut für ein verlängertes Wochenende gebrauchen.

Teil 18 morgen: Die Sneak Preview im Kino-Center.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen