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Fahrtraining in Bredstedt : Sicher mit dem Trecker unterwegs

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der ADAC-Ortsclub Bredstedt bietet Fahrsicherheitstrainings für angehende Landwirte an – bisher einmalig in Schleswig-Holstein.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2016 | 10:00 Uhr

In einer Reihe setzen sich die angehenden Landwirte am Straßenrand auf den Rasen und gucken durch die reflektierenden Leitkegel, die sie in ihren Händen halten. Der Blick durch die Pylonen aus der geringen Höhe soll die Perspektive eines Kindes simulieren. Gleichzeitig fährt ein Mitschüler mit einer Zugmaschine der Marke John Deere an ihnen vorbei – zuerst mit 40, dann mit 25 Stundenkilometern. Die Schüler sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie Kinder einen vorbeifahrenden Trecker erleben

„Das Überschreiten der Geschwindigkeit ist die häufigste Unfallursache“, sagt Lorenz-Peter Volquardsen. Der Vorsitzende des ADAC-Motorclubs Rund um den Stollberg, Ortsclub Bredstedt, hatte die Idee, Sicherheitstrainings für angehende Landwirte anzubieten. Der ehemalige Fahrlehrer ist schon lange in der Verkehrssicherheitsarbeit tätig und weiß, wo die Probleme liegen. Laut Angaben des Bauernverbandes verunglücken jährlich etwa 3000 Menschen bei Unfällen mit Erntemaschinen. Überdurchschnittlich oft ist der Fahrer des Traktors der Hauptunfallverursacher, heißt es in einem Bericht der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

„Meistens sind es tatsächlich Bedienfehler, die zu Unfällen führen“, sagt auch Matthias Hansen von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG): Die Ladung wird falsch gesichert, die Zugmaschine ist nicht für den Anhänger zugelassen oder es werden unerlaubt Personen am Fahrzeug mitgenommen. Am Vormittag hat er den 17- bis 20-Jährigen deswegen im Rahmen des Theorie-Unterrichts bereits Beispiele geschildert, die zu Unfällen geführt haben – und erläutert, wie diese hätten vermieden werden können.

„Der Fahrer sitzt teilweise dreieinhalb Meter hinter der Fahrzeugspitze, sagt Carsten Henze, Lehrer an der Beruflichen Schule des Kreises Nordfriesland in Husum. „Vor allem beim Überqueren einer Bundesstraße kann das zu einem Problem werden.“ Er begleitet bereits zum zweiten Mal Schüler nach Bredstedt. Dort werden diese Sicherheitstrainings bislang einmalig in Schleswig-Holstein angeboten. „Das ist wirklich eine gute Sache“, sagt er. „Außerdem ist es eine schöne Abrundung und Auflockerung zum sonstigen Unterricht.“ Gemeinsam mit Volquardsen will er das Training zu einem festen Bestandteil im Lehrplan der angehenden Landwirte machen.

Nachdem die Schüler auf dem ehemaligen BGS-Gelände mit den von Ausbildern sowie den Landtechnik-Unternehmen Peter Clausen und Wüstenberg zur Verfügung gestellten Fahrzeugen einen Slalom-Parcours abgefahren sind, stehen jetzt Bremstests auf dem Programm. Fahrlehrer Boy Paysen vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat weist die Teilnehmer an, mit konstanter Geschwindigkeit einen Weg entlangzufahren und auf sein Zeichen eine Vollbremsung hinzulegen. Teilweise zaghaft, teilweise entschlossen treten die Schüler auf die Bremse, nachdem Paysen sein Signal gibt. In einigen Fällen heben die Räder der Trecker von der Straße ab.

Man überschätzt leicht die Geschwindigkeit, wenn man in einem der sieben bis zehn Tonnen schweren Fahrzeuge sitzt, sagt Lorenz-Peter Volquardsen. „Die sind so leicht zu bedienen, im Grunde geht es nur um Gas geben und bremsen. Durch das hohe Gewicht wirken aber natürlich ganz andere g-Kräfte.“ Der Dörpumer Nis Petersen, der seine Ausbildung auf Pellworm macht, sowie Katja Schlott, die in Joldelund arbeitet und aus Sprakebüll kommt, sind zwei der Teilnehmer des Tages. Auch sie halten es vor allem für wichtig, den Bremsweg eines Treckers einschätzen zu können. „Es ist gut, diese Situationen einmal zu erleben. Es ist einfach ein anderes Gefühl, in so einem Fahrzeug zu sitzen“, sagt die 22-jährige Schlott.

Auch außerhalb von Bredstedt sollen nun künftig Verkehrs-Sicherheitstrainings für Landwirte in Schleswig-Holstein angeboten werden. Jürgen Krabbenhöft, Vorstandsmitglied im ADAC-Landesverband, ist ebenfalls vorbeigekommen, um sich die Schulung anzugucken. „Die Prävention ist das Wichtigste“, sagt er.

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