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Heute fällt die Entscheidung : Showdown im Kreistag: Wer wird neuer Landrat?

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Amtsinhaber Dieter Harrsen bewirbt sich für sechs weitere Jahre als Landrat des Kreises Nordfriesland. Das Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP schickt Dirk Sommer ins Rennen. Im Kreistag gibt es eine geheime Wahl.

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erstellt am 22.Aug.2013 | 19:48 Uhr

Vor einigen Jahren sind sie schon einmal aufeinander getroffen. Seinerzeit saßen Nordfrieslands amtierender Landrat Dieter Harrsen und sein jetziger Herausforderer Dirk Sommer in einer Runde mit Verwaltungsleitern. Dort ging es um die Einführung der bundesweit einheitlichen Behörden-Rufnummer 115 – eines von vielen Projekten, an denen Sommer während seiner beruflichen Laufbahn beteiligt war. Heute (23.) sitzen er und Dieter Harrsen nicht an einem Tisch, sondern als Kontrahenten im großen Sitzungssaal des Husumer Kreishauses. In der um 9.30 Uhr beginnenden Tagung des Kreistages kommt es zwei Wochen nach Bekanntgabe von Sommers Kandidatur nun zum Showdown zwischen den beiden verbliebenen Bewerbern um die für sechs Jahre ausgeschriebene Chefposition in der Kreisverwaltung.

Der im Jahr 2007 von den Bürgern gewählte Amtsinhaber Dieter Harrsen (55) wird von SPD, SSW und Wählergemeinschaft Nordfriesland/Die Unabhängigen (WG-NF) unterstützt. Das Mehrheits-Bündnis von CDU, Grünen und FDP schlägt den 44-jährigen Hamburger Dirk Sommer vor, einen selbstständiger Unternehmer einer Beratungsgesellschaft, die sich darauf konzentriert, Verwaltungsorganisationen zu modernisieren.

Die Fraktionen von CDU, Grünen und FDP haben im 52 Mitglieder zählenden Kreistag zusammen 29 Abgeordnete. SPD, SSW und Wählergemeinschaft Nordfriesland kommen auf 22 Vertreter. Der Linken-Abgeordnete hat sich öffentlich nach wie vor nicht positioniert. Angesichts dieser Konstellation könnte es rechnerisch eine klare Sache werden, wenn die 52 Abgeordneten heute in geheimer Wahl ihr Kreuz hinter einem der Bewerber machen.

Ob es so kommt, wird sich zeigen. Denn selbst die drei Jamaika-Fraktionen von Christdemokraten, Grünen und Liberalen erwarten, dass die Landratswahl „spannend“ werden könnte. Zumindest in der CDU, deren Gesamtfraktion den eigenen Kandidaten nur einmal von Angesicht zu Angesicht kennenlernen konnte, sind nicht alle Abgeordneten restlos davon überzeugt, mit Dirk Sommer wirklich einen Besseren gefunden zu haben als Amtsinhaber Dieter Harrsen. Dennoch geht CDU-Fraktions-Chef Tim Hanke von einem klaren Ergebnis im ersten Wahlgang aus, obwohl es angeblich keinen Fraktionszwang geben soll. „Wir setzen niemanden unter Druck“, versicherte Hanke auf Nachfrage unserer Zeitung. Dass die sechsjährige Arbeit von Dieter Harrsen parteipolitisch aus zweierlei Blickwinkeln betrachtet wird, ist die eine Seite der Medaille.

Die andere ist die Tatsache, dass Dieter Harrsen bei vielen kommunalen Vertretern und Bürgern ein angesehener Landrat ist. Gravierende Fehler waren ihm in den vergangenen Jahren auch im Kreistag nicht vorgehalten worden. Erst bei der Vorstellung des Gegenkandidaten kreidete man Harrsen öffentlich „Schwächen“ in punkto Personalführung, Haushalt und Controlling an. Dabei hatte dieser sogar federführend den landesweiten Leistungsvergleich aller Kreise auf den Weg gebracht. Hinter vorgehaltener Hand heißt es von Christdemokraten denn auch, Harrsen werde vor allem angekreidet, dass die SPD mit seinem Konterfei den Kommunalwahlkampf bestritten hatte.

„Was machen die da eigentlich“, fragen sich unterdessen viele Bürger, wie die Husumerin Renate Müller. Selbst parteilos sammelte sie spontan und in kürzester Zeit mehr als 60 Unterstützer-Unterschriften für die Wiederwahl von Harrsen. „Es hätten noch viel mehr werden können“, sagt sie. Einfluss auf die Entscheidung hat das natürlich nicht.

Der gebürtige Husumer Dirk Sommer – er machte in Niebüll sein Abitur – hat seine Wurzeln an der Westküste. Er ist aber in weiten Teilen der Bevölkerung ein unbeschriebenes Blatt. Auch viele Abgeordnete werden ihn heute erstmals kennenlernen, zumal sich der Parteilose nicht im Zuge der bundesweiten Ausschreibung, sondern erst danach auf Empfehlung des CDU-Wirtschaftsrates beworben hatte.

Bei der offiziellen Vorstellungsrunde im Nordsee-Congress-Centrum in Husum war der Diplom-Kaufmann und -Volkswirt noch nicht unter den Bewerbern gewesen. Erst vor zwei Wochen wurde er als Gegenkandidat präsentiert.

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