Husumer Innenstadt : Shared Space: Für Husum geeignet?

Damit sich die Situation auf der Straße hier entschärft, möchten CDU und Grüne hier möglichst bald das Shared-Space-Konzept umgesetzt sehen.
Damit sich die Situation auf der Straße hier entschärft, möchten CDU und Grüne hier möglichst bald das Shared-Space-Konzept umgesetzt sehen.

Bei einer Informationsveranstaltung wurde in Husum das Verkehrskonzept des “geteilten Raums“ diskutiert.

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09. März 2018, 12:00 Uhr

Shared Space, der gemeinsame Raum für alle Verkehrsteilnehmer – was ist das eigentlich? Um die Frage der Möglichkeiten, Erfahrungen und Umsetzung zu klären, hatten die Grünen ins Rathaus geladen. Immerhin ist ein solcher Shared Space für den Kernbereich der Husumer City im Mobilitätskonzept Innenstadt 2025 schon vor drei Jahren beschlossen worden.

Als Moderator stellte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Landtags und verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion in Kiel, Dr. Andreas Tietze, die ketzerische Frage in den Raum, was denn wäre, wenn es keine Verkehrsschilder mehr gebe? „Bricht dann nicht das totale Chaos aus?“ Schließlich sollen im Shared Space ja eigentlich alle Verkehrsteilnehmer – Autofahrer, Radler und Fußgänger – gleichberechtigt sein.

Was schon rein rechtlich in Deutschland nicht gehe, wie der Hamburger Verkehrsplaner Markus Franke als Vortragender betonte: „Auch im verkehrsberuhigten Bereich mit Tempo-20-Regelung haben Autos Vorrang.“ Vorrang für Fußgänger gebe es nur in Verbindung mit Schrittgeschwindigkeit. Da wäre die Schweiz weiter: „Dort gibt es Tempo 20 mit Fußgänger-Vorrang.“

Franke holte weiter aus: „Im 19. Jahrhundert teilten sich alle Verkehrsteilnehmer dieselbe Fläche. Erst mit den Autos kamen Schilder und Bordsteine.“ Mitte der 2000er Jahre hatte der niederländische Verkehrsplaner Hans Monderman dann das Shared-Space-Konzept „erfunden“: „Sein Ansatz war, das Verkehrsgeschehen durch Eigenverantwortlichkeit und soziale Interaktion zu regeln – die ,Verunsicherung‘ des einzelnen Verkehrsteilnehmers würde dessen Achtsamkeit erhöhen und das Unfallrisiko senken.“ Von seiner Definition hätten sich die Verkehrsplaner aber mittlerweile gelöst: „Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme durch gestalterische Elemente zu schaffen, rückte in den Fokus.“

Anhand zahlreicher Fotos und Videoclips führte Franke diverse Beispiele von Shared-Space-Lösungen im In- und Ausland vor und betonte, dass das Prinzip selbst auf stark befahrene Hauptverkehrsachsen angewandt werden könne. „Entscheidend für die gewünschte Entschleunigung ist die Größe des Querverkehrs.“ Auch Parkplätze seien integrierbar: „Wenn man auf diese völlig verzichtet, ist das Konzept nicht durchsetzbar.“

Das Park-Problem griff auch der Werbegemeinschafts-Vorsitzende Peter Cohrs als Frager aus dem Publikum auf: „Der Handel ist Triebfeder für die City – und hat schon massiv unter Internet-Verkäufen zu leiden“, führte er aus. Daher sei es wichtig, dass Kunden sicher, problemlos und mit gutem Gefühl zum Einkaufen in die Innenstadt kommen würden. „Das bedeutet auch, kurzzeitige Parkmöglichkeiten für die schnelle Besorgung zu schaffen – ebenso wie für den Liefer- und Entsorgungsverkehr, den kann man da nicht rausnehmen.“ Cohrs plädierte dafür, sich zunächst einmal mit der Frage zu beschäftigen, welche Funktion denn der Bereich erfüllen müsse, der als Shared Space vorgesehen sei.

„Ist das untersucht worden?“, wollte Tietze von Franke wissen. „Ansatzweise“, war die Antwort des Experten, der auf das Beispiel der Osterstraße in Hamburg verwies. Hier seien aber nur 15 Prozent der Kunden Autofahrer. „Insofern ist das eine andere Situation.“

Uhrmacher Peter Koch warf den großen Höhenunterschied in die Diskussion, den es in der Innenstadt gebe. Letzteres sah Franke nicht als Problem an. Und auf Tietzes Frage nach den Kosten musste er einräumen, dass eine gepflasterte Shared-Space-Fläche etwa 50 Prozent teurer wäre als eine einfache Asphaltierung. Hier sah Tietze Lösungsansätze: Wenn Husum seine Pläne durchführe, werde die Stadt Pilotgemeinde dafür im norddeutschen Raum. „Und das könnte durchaus in der Landesförderung Beachtung finden.“

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