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Intime Fotos im Netz : „Sexting“ ist kein Kavaliersdelikt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Umfrage an der Husumer Ferdinand-Tönnies-Schule belegt, dass bei diesem Thema noch viel Aufklärungsarbeit erforderlich ist. Nur gut die Hälfte der Schüler war über Hilfeangebote informiert.

Die „Neuen Medien“ sind für Erwachsene oftmals schwer greifbar. Für die Jugend gehören sie dagegen zum Alltag. Der Umgang mit Smartphones und Social-Media sorgt für eine blitzschnelle, anscheinend private, aber nicht immer sorgenfreie Kommunikation unter Kindern und Jugendlichen.

„Sexting“ ist in dieser schönen neuen Medienlandschaft zum Schlagwort geworden: Jugendliche machen ein sehr persönliches, oftmals intimes Foto von sich, um es als „Liebesbeweis“ an Freunde zu schicken. Aber ist die Liebe dann vorbei, wird dieses Foto womöglich als Rache-Objekt oder einfach nur aus Unachtsamkeit weitergeschickt. Im schlimmsten Fall landet es auf vielen weiteren Smartphones, was für die abgebildete Person oftmals zu erheblichen Problemen führen kann.

Natalie Grünig vom Husumer Mädchentreff Pro Familia, Melanie Manske vom BISS-Kinder-und Jugendforum Husum und Lars Wulff vom Kinderschutz-Zentrum Westküste des Diakonischen Werkes wollten es genauer wissen: Wie sieht es aus mit der Medienkompetenz von Schülern? Was ist dran am „Sexting“?

Über Sandra Grams, Schulsozialarbeiterin der Ferdinand-Tönnies-Schule, wurde Kontakt zu Rektor Christoph Siewert hergestellt, der die Klassenleitung informierte. So konnten 333 FTS-Schüler anonym befragt werden. Die Auswertung liegt nun vor.

„Die erfreulichste Überraschung liegt in der Tatsache, dass die meisten Schüler beim Versenden von persönlichen Fotos ausgesprochen sorgsam vorgehen. Außerdem haben sie gut und offen mitgearbeitet – denn alle wissen, worum es geht“, sagt Natalie Grünig. Eine Mehrzahl der Befragten reagiere mit Unverständnis und Ablehnung auf Bildern, die plötzlich und ohne Vorankündigung von vermeintlichen Bekannten auf dem Display erschienen. Und da gibt es im Verhalten auch keinen großen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Nur wenige senden ohne Rücksicht auf einen Urheber erhaltene Fotos weiter. Dennoch gibt es ein „Restrisiko“: Schon eine Person, die dadurch in Schwierigkeiten geraten könnte, ist eine zu viel.

Durch die Auswertung der Fragebögen wurde deutlich, dass noch mehr auf vorhandene Hilfsangebote hingewiesen werden muss. Nur gut die Hälfte der Schüler ist über Hilfeangebote ausreichend informiert. „Die Umfrage zeigt aber erfreulicherweise auch, dass unsere Schüler bereits in großen Teilen ein Bewusstsein für die Gefahren der „Nacktfotos im Netz“ entwickelt haben. Dessen ungeachtet müssen wir wachsam bleiben. Hier setzen wir unter anderem mit unseren Themen in den halbjährigen Themenwochen an“, so Rektor Christoph Siewert. Aus diesem Grunde würden alle Beteiligten das entstandene Netzwerk zum Schutz der Schüler weiter nutzen und das Thema weiter bearbeiten. Hierzu soll am 19. Mai auch ein Fachtag in der FTS dienen. Unter dem Titel: „Nackt im Netz? Sieht doch keiner  .  .  .    ?!“ wird an diesem Tag von 14 Uhr bis 18 Uhr Medienpädagoge Gerd Manzke speziell zu dieser Problematik referieren. Im Anschluss wird es Workshops geben, die weiter in die Thematik einführen und in denen Hilfe-und Präventionsmodelle vorgestellt werden. Diese Tagung richtet sich an alle Menschen, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Weitere Informationen bei Lars Wulff vom Kinderschutzzentrum Westküste, Telefon 04841/691460.

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erstellt am 06.Apr.2015 | 16:00 Uhr

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