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Verlust für Husum : Senvion sorgt für schwere See

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nachdem das Unternehmen den Standort Husum eiskalt abwickelt, hoffen die Betriebsräte nun auf Unterstützung von Politik und Anlagenbetreibern.

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 08:00 Uhr

„Uns blutet das Herz“ – der dies sagt, ist Mitarbeiter der Konkurrenz, des Windkraftanlagen-Herstellers Vestas. Er und seine Kollegen haben als Zaungäste mit ansehen müssen, wie der Senvion-Konzern seinen Husumer Standort abwickelt. Wie die Senvion-Produktion in der Storm-Stadt eingestellt worden ist, der Service zentralisiert wird, Arbeitsplätze von 100 Beschäftigten verloren gehen und parallel dazu Marktpreise kaputt gemacht würden, letztlich „um den Laden schick zu machen für den Verkauf“.

„Heuschrecken-Mentalität, das ist das Grundproblem“, nennt der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen dieses Gebaren mit Blick auf den Senvion-Eigentümer, den US-Fonds Centerbridge. Jenen, die direkt davon betroffen sind, steckt der Ärger und die Enttäuschung immer noch in den Knochen. Das ist spürbar, als sich Mitarbeiter, Betriebsräte, Anlagenbetreiber und Politiker auf Einladung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der IG Metall vorgestern Abend im Husumer Handwerkerhaus treffen, um die gescheiterten Verhandlungen über eine Zukunft des Senvion-Standortes Husum aufzuarbeiten. Die Betriebsräte hatten im Vorfeld ein viel beachtetes Konzept für ein Reparatur-, Wartungs- und Servicezentrum (SenRepair) in der nordfriesischen Kreisstadt vorgelegt. Obwohl das Modell nach Einschätzung aller durchaus wirtschaftliche Zukunftsperspektiven eröffnen würde, sei es „mit einem Wisch vom Tisch gefegt worden“, berichteten Betriebsräte aus den Verhandlungen mit der Senvion-Unternehmensleitung. „Dass sich ein Unternehmen so verhält, hätte ich nicht geglaubt“, sagte ein Mitglied der Verhandlungsdelegation. Und dann war den Betriebsräten obendrein sogar noch bedeutet worden, „die eine oder andere Idee wird auch von Senvion umgesetzt werden, nur eben nicht in Deutschland“. Dies mache deutlich, dass es dem Konzern nur um die „reine Kostenbetrachtung“ und nicht um soziale Aspekte gehe. Unterlagen für den Interessenausgleich und den Sozialplan hatte es denn auch „im Vorübergehen“ gegeben, so der Senvion-Betriebsrat und DGB-Kreisvorsitzende Mathias Wötzel.

„Es gab keine Bereitschaft, neue Ideen nach vorne zu bringen“, resümiert IG-Metall-Geschäftsführer Dr. Martin Bitter und seine DGB-Kollegin Dr. Susanne Uhl betont: „Soziale Verantwortung bedeutet auch, Beteiligung und Mitbestimmung Raum zu geben.“

Die zentrale Botschaft der Betriebsräte an diesem Abend aber lautet: „Wir brauchen ganz dringend Unterstützung von der Politik und den Anlagen-Betreibern.“ Denn nun soll versucht werden, mit deren Unterstützung an dem SenRepair-Konzept weiterzuarbeiten und Teile davon in der Region umzusetzen.

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