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Sieben Urnen im Boden : Sensationsfund aus der dunklen Zeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Archäologen haben mitten in Ostenfeld sieben Urnen aus der Zeit von etwa 500 nach Christus gefunden. Ihr Inhalt wird nun auf Schloss Gottorf akribisch untersucht.

Als kleine Sensation bezeichnet Steffen Haucke, Grabungstechniker des Archäologischen Landesamtes, einen Fund mitten in der Gemeinde Ostenfeld. Dort wurden sieben Urnen aus der dunklen Zeit (Dark ages – etwa 500 nach Christus) gefunden. Der Urnenfund, so Haucke, habe Bedeutung für ganz Norddeutschland, aber auch Dänemark, Schweden und England. „Aus dieser Epoche gibt es bislang nur ganz wenige Funde.“

Die Planer des neuen Baugebietes, das auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Petereit – nur rund 200 Meter von der Ostenfelder Kirche entfernt – entstehen soll, hatten wie üblich die Planungsunterlagen im Vorwege an die verschiedenen Behörden verschickt, um mögliche Bedenken abzufragen. In seiner Stellungnahme stellte das Archäologische Landesamt in Schleswig fest, dass dort im Jahr 1928 ein Hünengrab gemeldet und auch eingetragen worden war. Doch von diesem frühgeschichtlichen Zeugnis ist längst nichts mehr zu sehen, dennoch bat das Landesamt darum, das Gebiet vor den eigentlichen Erschließungsarbeiten untersuchen zu können.

Weder der ehemalige Besitzer Hans Peter Petereit noch sonst ein Ostenfelder konnten sich erinnern, dass es an dieser Stelle jemals einen Grabhügel gab. Da beim Archäologischen Landesamt stets ein großes Interesse daran besteht, solche Angaben zu prüfen, bevor eventuelle Reste der Vor- und Frühgeschichte durch Bauarbeiten endgültig verschwinden, wurde mit der Gemeinde ein Termin vereinbart und ein Bagger bestellt.

Bereits nach wenigen vorsichtigen Abzieh-Vorgängen mit der Baggerschaufel konnte Steffen Haucke etwas erkennen. Mit Schaufel, Kelle und Pinsel legte er eine alte Urne frei, deren Oberkante sich lediglich 30 Zentimeter unter der Oberfläche befand. Nach erster Beurteilung schätzte Haucke das Alter des Fundes anhand des Tonmaterials auf rund 1500 Jahre. Vorsichtig wurde weitergesucht – und man fand noch sechs weitere Urnen in unmittelbarer Nähe.

Bevor die Fundstücke für die Überführung nach Schloss Gottorf transportsicher gemacht wurden, sind deren Positionen im Erdreich genau dokumentiert und eingemessen worden. Im Archäologischen Landesamt werden Tonmaterial und Inhalt der Urnen nun akribisch untersucht, um das Alter noch genauer zu bestimmen und daraus weitere geschichtliche Erkenntnisse zu ziehen. Anschließend werden die zerbrochenen Teile der Tongefäße so gut wie möglich zusammengeklebt und eingelagert. Haucke: „Es soll auch noch eine genaue Datierung erfolgen, doch wird die vermutlich von einem Institut in Florida gemacht.“

Dr. Martin Segschneider, zuständiger Archäologe für den Kreis Nordfriesland, bestätigt, dass der Fund von Bedeutung sei. Denn schließlich hätten die Menschen vorwiegend dort Bestattungen vorgenommen, wo sie auch wohnten. Und damit, so Segschneider, scheine es sehr wahrscheinlich zu sein, dass dort auch schon rund 500 nach Christus gesiedelt wurde – „was bisher nicht bewiesen war“. Erste Untersuchungen der Urneninhalte haben einige wenige Eisenteile hervorgebracht, jedoch sei man noch nicht abschließend fertig. Typisch für die damalige Übergangszeit sei die Art der Urnen. Einige seien sehr grob, andere verziert. Steffen Haucke ergänzt, dass dies die Zeit war, in der die Auswanderungswelle nach England stattgefunden hat. „Wir kennen solche Urnen bisher nicht“, sagt er abschließend.

Von dem ursprünglichen Hünengrab wurden allerdings keine eindeutigen Spuren mehr gefunden. Dessen Reste sind vermutlich nach 1928 abgetragen worden. Das Landesamt hat seine Arbeiten mittlerweile im künftigen Baugebiet abgeschlossen, so dass nun die Erschließungsarbeiten laufen.

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