zur Navigation springen

Unterstützung bei Problemen : Selbsthilfekräfte der Familie stärken

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ob Kinder Schwierigkeiten bereiten oder Großeltern an Demenz erkranken – der Kreis Nordfriesland unterstützt bei der Bewältigung von Problemen. Die Einberufung eines sogenannten Familierats kann helfen.

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2014 | 17:00 Uhr

Der beste Ratgeber ist die eigene Familie. Deshalb setzt sich eine Methodik aus der Jugendhilfe, der Familienrat, immer häufiger auch bei Problemen anderer Altersgruppen durch. „Ob Kinder Schwierigkeiten bereiten oder Großeltern an Demenz erkranken – ein Familienrat hilft fast immer“, erläutert Angelika Lies aus dem Fachbereich Jugend, Soziales, Arbeit, Senioren der Kreisverwaltung.

Der Familienrat ist ein Verfahren für Situationen, in denen Familien die Unterstützung ihrer Verwandten, Freunde oder Nachbarn brauchen. Es eignet sich grundsätzlich bei jeder größeren Krise, vor der eine Familie steht: Etwa wenn Eltern und Kinder erhebliche Probleme miteinander haben, wenn ein behindertes Kind auf die Welt gekommen ist oder wenn alte Angehörige sich nicht mehr selbst versorgen können.

Die Methodik stammt aus Neuseeland. Die nordfriesische Kreisverwaltung setzt sie seit 2006 in der Jugendhilfe ein. Aufgrund der guten Erfahrungen wird sie auch in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen und in der Seniorenhilfe eingesetzt. Insgesamt knapp 150 Familienräte haben bereits in Nordfriesland stattgefunden.

„An einem Familienrat nehmen bis zu zehn Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Ärzte oder andere Personen teil, die zum engeren Umfeld der Familie gehören“, erklärt Voß. Einberufen wird der Rat von einer speziell ausgebildeten Koordinatorin oder einem Koordinator, den die Kreisverwaltung vermittelt. Voß, ein inzwischen pensionierter Mitarbeiter des Flensburger Jugendamtes, gehört seit 2006 zu den Koordinatoren.

Jeder Familienrat folgt einer bestimmten Struktur: Zunächst erklären alle Beteiligten, wie sie die Situation sehen, was ihnen Sorgen bereitet und welche hilfreichen Stärken sie in der Familie erkennen. Danach ziehen der Koordinator und die anderen Fachleute sich zurück, damit die Familie allein einen Plan zur Problemlösung erarbeiten kann. Die Ergebnisse werden schriftlich festgehalten. Anschließend stellt die Familie der Koordinatorin den Plan vor. Es werden Verabredungen zur konkreten Umsetzung getroffen.

Da die Familienräte meist bei der Familie zuhause stattfinden, fallen so gut wie keine Kosten an. Die Aufwandsentschädigung für den Koordinator übernimmt die Kreisverwaltung. „Wir sehen das als Präventionsmaßnahmen an. Drei Tage Heimunterbringung für Kinder oder Senioren wären teurer als ein Familienrat“, sagt Angelika Lies.

Landrat Dieter Hansen schätzt den Familienrat als Methode, die Selbsthilfekräfte einer Familie zu aktivieren: „Wir in Nordfriesland haben schon immer versucht, unsere Probleme erst einmal selbst zu lösen, bevor wir Hilfe von außen anfordern. Der Familienrat fügt sich ideal in diese Philosophie ein“, sagt er.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen