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Hilfe für Menschen mit Behinderung : Selbstbestimmt im eigenen Heim

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit Hilfe der Arche können Franz Johann Wamser und 160 andere Menschen in Husum und Umgebung trotz Behinderung ihren Alltag fast alleine meistern. Die Einrichtung sorgt mit ihren Mitarbeitern für Unterstützung beim Wohnen in den eigenen vier Wänden.

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erstellt am 04.Mai.2014 | 17:00 Uhr

Husum | Seine erste Gehirnoperation hatte Franz Johann Wamser kurz vor seiner Lehre zum Maurer, erinnert er sich. „Erworbene Hirnschädigung“, sagten die Ärzte. Aber die Maurerlehre zog er trotzdem durch – genau wie einst sein Vater und sein Großvater. „Es war mein Wunschberuf“, so der heute 62-Jährige. Das Handwerk an sich liegt ihm im Blut. Derzeit bastelt er an einem Holzregal für einen Freund, sagt er stolz. Sein Haus in Bredstedt gehörte schon seinen Eltern, von seinem Großvater wurde es erbaut. Er hat immer dort gewohnt – und kann es auch weiterhin, obwohl sich nach einem Treppensturz die geistige Behinderung verstärkte. Bis zur Rente arbeitete Wamser in den Husumer Werkstätten, ist zum zweiten Mal verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Seine Frau kommt ihn häufig besuchen, sie sitzt im Rollstuhl und wohnt in einer betreuten Einrichtung.

So treffen im Fall Wamser diese beiden Möglichkeiten des Wohnens aufeinander, wie die Geschäftsführer der Arche Husum, Günter Herbst und Melf Hartwig, erklären. Die Arche sorgt für unterstütztes Wohnen für Menschen mit geistiger und/ oder körperlicher Behinderung im eigenen Wohnraum in Husum und Umland und wurde am 1. Januar 2000 von Herbst ins Leben gerufen, um Menschen mit Behinderung eine alternative Wohnform zu bieten. Denn wo es früher nur die stationäre Versorgung – zum Beispiel in einem Pflege- oder Behindertenwohnheim gab – helfen die Mitarbeiter der Arche nun fast 160 Menschen, in der eigenen Wohnung ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Franz Johann Wamser ist nur einer von ihnen, der seit fast zehn Jahren Unterstützung im Alltag erfährt. Neben dem gesetzlichen Betreuer ist in der Regel der gelernte Erzieher Dirk „Hose“ Meyer für vier Stunden in der Woche sein Ansprechpartner. Ein vertrauensvolles Verhältnis sei über die Jahre entstanden, bestätigen beide. Da wird gefragt, was so ansteht, ob es Post gibt, die dringend beantwortet werden muss, ob die Tabletten auch eingenommen wurden, die Wamser gerne mal vergisst. Auch Garten- und Hausarbeit müssen immer neu organisiert werden.

Art, Umfang und Inhalt der Hilfe werden mit dem zuständigen Leistungsträger – etwa dem Kreis Nordfriesland – ermittelt. Das spart Kosten, weiß man inzwischen, denn die Unterbringung in einem Wohnheim kostet mehr als vier Mal so viel wie das Leben in der eigenen Wohnung. Und fast jeder Mensch mit geistiger und/ oder körperlicher Behinderung und mit einer „Teilhabeeinschränkung für die Gesellschaft“ kann die Hilfe der Arche in Anspruch nehmen. Nicht immer seien die Behinderungen der von der Arche Betreuten sofort ersichtlich, sagt Hartwig. „Oft sind es Grenzfälle, etwa Lernbehinderungen oder Entwicklungsverzögerungen.“

Grundsätzlich kann die Arche – seit gut einem Jahr übrigens eine GmbH – bei der Suche nach geeignetem Wohnraum und bei der Alltagsgestaltung auf allen Feldern helfen. Dazu zählen die Bereiche Gesundheit, Wohnen und Arbeit, aber auch die finanzielle und familiäre Situation. Die Erledigung von Behördenangelegenheiten und die Einbindung in die Gemeinschaft gehören ebenfalls dazu.

Zudem bietet die Arche viele Gruppenaktivitäten an, die auch anderen Interessierten offen stehen, wie Koch-, Sport- und Bastel-Arbeitsgemeinschaften oder einfach mal der gemeinsame Einkaufsbummel. „Das Schönste ist, wenn man die eigene Haustür hinter sich schließen kann“ – dieser Satz drückt das Glücksgefühl der Unterstützten wohl am besten aus. „Unsere Basis ist das Vertrauen“, sagen die Arche-Mitarbeiter. Dazu kommt die umfangreiche Vernetzung zu Behörden und Organisationen. Wermutstropfen sei aber, dass es kaum bezahlbaren Wohnraum gebe in der Region. Gerne würde die Arche noch mehr Gehandicapten den Weg in ein selbstbestimmtes Leben ebnen. Denn Anfragen gibt es genug.

Mehr Informationen zur Arche im Internet auf der Seite www.arche-husum.de oder unter Telefon 04841/935556. Helfen kann man auch als Fördermitglied.

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