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In neuem Glanz : Selbst der Dachboden ist vorzeigbar

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Pole-Poppenspäler-Museum in Husum wurde optisch und inhaltlich runderneuert und widmet sich in diesem Jahr besonders Theodor Storm. Aber auch Puppenspiel wird in den kommenden Monaten geboten – und zwar reichlich.

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erstellt am 31.Mai.2017 | 11:00 Uhr

Alles neu macht der Mai, heißt es. Das gilt auch für das Pole-Poppenspäler-Museum. „Wir sind jetzt endlich so weit, dass wir sogar unseren Dachboden vorzeigen könnten“, sagt Vorstandsmitglied Perdita Ehlert mit einem Schmunzeln. Dass inzwischen sämtliche Besitztümer des Museums katalogisiert und beschriftet wurden, ist tatsächlich ein Quantensprung. Dadurch ist aus einer losen Anhäufung von Bühnen und Figurensätzen eine wissenschaftliche Sammlung geworden. „Das war viel Arbeit“, blickt Ehlert auf vergangene Monate und Jahre zurück, „aber es hat sich gelohnt.“ „Und macht künftige Gestaltungen um einiges leichter“, pflichten die Kolleginnen Ruth Zimmermann und Birgit Empen ihr bei.

Aber nicht nur das Archiv wirkt aufgeräumt. Auch das Museum selbst, das ja Teil eines noch größeren Museums und im Schloss vor Husum untergebracht ist, wirkt sehr viel geordneter als zuletzt. „Wir haben einiges investiert, um unsere Arbeit besser präsentieren zu können und Themen-Inseln geschaffen, die dem Museum mehr Struktur geben“, erklären die drei Frauen beim Pressegespräch im Südflügel des Schlosses, wo das Poppenspäler-Büro untergebracht ist. „Das macht alles doch sehr viel übersichtlicher“, findet Zimmermann.

Die Ausstellung selbst steht natürlich ganz im Zeichen von Theodor Storm, der in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre. Unter dem Motto „Phantasie wird Figur“ nimmt sie gleich mehrfach Bezug auf den Dichter. So sind dort unter anderem Figuren aus dem Stück „Genoveva“ zu sehen. Inszeniert und gespielt wurde diese mittelalterliche Legende von Karl Magersuppe aus Steinau an der Straße. Von ihm und seiner 1955 gegründeten Marionettenbühne stammen auch die Theaterszenen aus der dritten Verfilmung von Storms Novelle „Pole Poppenspäler“ aus dem Jahr 1968. Das Drehbuch dafür schrieb Wolfdietrich Schnurre (1920-1989), Regie führte Günther Anders (1908-1978) und in der Rolle des Marionettenspielers Tendler schlüpfte kein Geringerer als Walter Richter, den ältere Fernsehzuschauer noch als Hauptkommissar Trimmel in Erinnerung haben dürften.

Weitere Sammlungsstücke, die an den großen Sohn der Stadt erinnern sollen, sind Bühnenbilder und Figuren von Rosi Lampe. Vom Literaturmuseum „Theodor Storm“ in Bad Heiligenstadt erhielt die Leipziger Puppenspielerin in den 1990er- Jahren den Auftrag, das Storm-Märchen „Stein und Rose“ – das auch unter dem Titel „Hinzelmeier“ bekannt ist – als Figurentheaterstück zu inszenieren. Im vergangenen Jahr gastierte Rosi Lampe damit ein letztes Mal in Husum. Danach übergab sie Bühnenbild und Marionetten dem Poppenspäler-Museum, das bis zum Internationalen Figurentheater-Festival jeden Monat eine andere Spielszene aus dem Stück aufblättern wird.

Zu den bekanntesten Märchen Storms gehört die „Regentrude“. Und auch sie darf im bunten Reigen der Storm-Gedächtnisausstellung natürlich nicht fehlen. Vor 32 Jahren spielte der Österreicher Professor Gustav Dublowski-Gellhorn (1912-1991) seine Bühnen-Adaption des Stoffes während des noch jungen Festivals. Jetzt sind die dazugehörigen rund zehn Zentimeter hohen Sockelmarionetten – die nicht von oben, sondern von unten gespielt werden – Teil der Storm-Ausstellung im Poppenspäler-Museum. Dafür hat der Feuerteufel, der sich bereits im Museumsbesitz befindet, Verstärkung aus dem Stadt-Archiv Wels erhalten, wo Dublowski-Gellhorns Nachlass verwahrt wird.

Das und vieles mehr gibt es ab sofort und in den kommenden Monaten im Schloss vor Husum zu sehen. Außerdem ist für die Festival-Zeit und darüber hinaus eine Doppelausstellung mit der Sammlung des früheren Sekretärs der Storm-Gesellschaft, Dr. Gerd Eversberg, sowie Bühnen aus dem Nachlass des verstorbenen DDR-Puppenspielers Günter Gerlach geplant. Titel ist Programm: „Begegnung in Husum“ (in der Dachgalerie).

Und von Juni bis September lädt Renate Dieckwisch jeden Sonntag von 11.30 bis 12.15 Uhr zu einer ebenso aufschlussreichen wie beschaulichen Erzählstunde ins Museum ein.

Vier Monate im Zeichen des  Puppenspiels

Puppenspiel live gibt es in diesem Jahr natürlich auch – und zwar nicht nur beim Internationalen Figurentheater-Festival vom 22. September bis zum 1. Oktober. Die „Sommerspiele“ verteilen sich diesmal allerdings auf Husum und Tönning, wobei in Tönning einmal mehr der Poppenspäler-Wagen bespielt wird. Am 2. Juli sind dort „Hänsel und Gretel“ in einer Inszenierung des petit-bec-Figurentheaters zu sehen und am 6. August A-E-I-O-U – Raus bist Du“ vom Artisjok-Theater (Beginn: jeweils 16 Uhr).

Im Südflügel des Schlosses werden am 20. Juli das Tandera-Theater mit Figuren und dem Stück „Das Zauberschächtelchen“ zu Gast sein und am 28. August „Die Schöne & der Froschkönig“ vom Ambrella-Figurentheater (jeweils ab 11.15 Uhr). Auch am Schlossvergnügen (24. Juni) beteiligen sich die Poppenspäler – unter anderem mit zwei Aufführungen des Stückes „Opa Kürbis“ vom Figurentheater Homunculus (11.45 und 14.15 Uhr im Fortuna-Saal). Gleiches gilt für die Kulturnacht am 1. Juli, zu der unter anderem ein Spaziergang durch die Welt der Puppen geplant ist.

Um die Novelle „Pole Poppenspäler“ geht es am 16. Juli, ab 12.30 Uhr im Poppenspäler-Museum. Zu den Hafentagen erwarten die Museumsbesucher ab 19.30 Uhr Mythen, Legenden, Märchen und Poesie.Und dann ist auch schon bald Festival-Zeit. Vom 22. September bis zum 1. Oktober wird Husum wieder zum Wallfahrtsort des Puppenspiels. Unter anderem gibt es ein Wiedersehen mit Pavel Möller-Lück vom Oldenburger Theater Laboratorium. Die Flyer des „Sommer“- und Museumsprogramms liegen ab sofort an vielen Stellen in Husum aus – unter anderem im Poppenspäler-Museum.

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