Leidenschaft ungebrochen : Seit fünf Jahrzehnten Ringreiter mit Leib und Seele

Sichtlich stolz ist   Ernst-Otto Christiansen auf seine Pferde.
Sichtlich stolz ist Ernst-Otto Christiansen auf seine Pferde.

Ein Leben ohne seine Pferde kann sich Ernst-Otto Christiansen aus Struckum gar nicht vorstellen. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er begeisterter Reiter und bei jedem Ringreiten in seinem Heimatdorf Struckum dabei.

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07. Juni 2014, 07:00 Uhr

Die Zeit der Ringreiterfeste hat begonnen. Für den 67-jährigen Struckumer Ernst-Otto Christiansen heißt das: durchstarten. Er freut sich auf das Jahresfest des Ringreitervereins „Frisia Struckum“, das am Sonnabend, 7. Juni, stattfindet (Antreten der Aktiven: 7.45 Uhr; Beginn des Königsreitens: 16 Uhr).

Christiansen ist Ringreiter mit Leib und Seele und als mittlerweile ältester Akteur im Rennen. „Schon mit 16 Jahren durfte ich im Verein mitmachen. Jedes Jahr bin ich seitdem dabei gewesen“, erzählt er mit leuchtenden Augen. Inzwischen ist er auch beim Seniorenringreiten aktiv. Das nächste steht im September in Bohmstedt an. „2008 bin ich Senioren-König geworden“, sagt der Struckumer nicht ohne Stolz. In seiner Heimatgemeinde hat er zwar die Majestätenwürde noch nicht errungen, dafür aber diverse Pokale eingeheimst, 1971 beispielsweise den für die meiste Ringzahl. Für ihn zählt der Spaß an der Sache.

Ringreiten hat Ernst-Otto Christiansen seit seiner Kindheit begeistert, und solange die Gesundheit mitspielt, denkt er nicht ans Aufhören. Meist begleitet ihn seine Ehefrau zu den Turnieren und feuert an. Seine Tochter reitet ebenfalls für den Verein, und auch sein verstorbener Vater Heinrich war von Jugendtagen an dabei gewesen.

Auf dem elterlichen Hof, den er später übernommen hat, ist noch bis zum Jahre 1958 mit Pferden gepflügt worden. Seit 1972 beschäftigt sich der Pferdefreund, der nie Reitunterricht genossen hat, mittlerweile als Altenteiler, mit der Zucht der edlen Holsteiner Pferde. „Pferde sind besondere Wesen. Sie sind schlau und spüren, wer es gut mit ihnen meint“, sagt Christiansen. Er habe immer einen guten Draht zu ihnen gehabt. Runtergefallen ist er zwar auch das eine oder andere Mal, doch immer ist alles gut gegangen. Bis heute fällt es ihm schwer, sich von Fohlen zu trennen, die verkauft werden sollen.

Christiansen ist rundum zufrieden mit seinem Reiterleben. Wenn er die Ringreiterkämpfe von früher und heute vergleicht, so hat sich einiges verändert. „Heute ist alles viel stressiger geworden. Immer sitzt die Zeit im Nacken. Früher ist der Zusammenhalt besser gewesen. Ringreiten waren immer Dorffeste. Musikkapellen durften nie fehlen. Wir haben uns viel Zeit für Geselligkeit genommen“, berichtet er. Damals sei auch schon mal von Dorf zu Dorf und über weitere Entfernungen geritten worden. Er erinnert sich noch genau an ein Amtsringreiten in Lütjenholm. Er ist von Struckum dorthin geritten. In Vollstedt ging sein Pferd durch. Erst nach langem „Zuflüstern“ konnte er es wieder einfangen.

Gut findet er, dass mittlerweile immer mehr Jüngere Zugang zur alten Tradition finden. Gesellig gehe es auch heute immer noch zu, allerdings nicht mehr in großer Manier. Er selbst wird das Miteinander mit alten und jungen Reiterkameraden auch beim diesjährigen Ringreiterfest genießen.

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