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Zeitungsstadt Husum : Seit 200 Jahren gedruckte Neuigkeiten

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der erste Vorläufer der Husumer Nachrichten erschien 1813. Seitdem hat sich die Zeitungslandschaft in der Storm-Stadt verzweigt entwickelt und danach wieder konzentriert. Ein Rückblick von Prof. Dr. Thomas Steensen.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Seit zwei Jahrhunderten ist Husum eine Zeitungsstadt. Im Jahre 1813 erschien zum ersten Mal das Gemeinnützige Wochenblatt für Husum und die umliegende Gegend. Aus diesem unscheinbaren Blättchen gingen schließlich die heutigen Husumer Nachrichten hervor.

Das erste Wochenblatt umfasste nur wenige Seiten im Gesangbuch-Format, enthielt Aufsätze im Plauderton und einige Bekanntmachungen. Seine Druckerei führte der aus Sachsen stammende Zeitungsgründer Heinrich August Meyler (1774-1835) in der Krämerstraße 6 neben dem Haus des Buchbinders Delff, seines Schwiegervaters. Der aus Friedrichstadt stammende Johann Georg Jebens (1817-1894) baute den Betrieb aus, der sich seit 1856 an der Ecke Hohle Gasse/Wasserreihe befand.

Seit 1873 erschien in Husum eine weitere Zeitung. In der „Gründerzeit“ des Deutschen Kaiserreichs wagten zwei junge Buchdrucker, der erst 20-jährige Christian Jessen und der 28-jährige Jacob Christian Petersen, den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Aufstieg der neuen Husumer Nachrichten ist mit dem Namen Friedrich Petersen (1863-1922) aus Kappeln verknüpft, der die Zeitung 1892 übernahm. Die Firma, seit der Jahrhundertwende in der Großstraße 9, wuchs zu einem Betrieb mit 25 Mitarbeitern. Die Regierung in Schleswig stufte die Husumer Nachrichten als „freisinnig“ ein.

Als „nationalliberal“ wurde dagegen die Konkurrenz am Orte, das Husumer Wochenblatt, eingeschätzt. Zunächst lag es mit 2000 gedruckten Exemplaren weit vorn, wurde dann jedoch von den Husumer Nachrichten überflügelt. Seit 1911 erschienen beide Blätter täglich mit Ausnahme des Montags, bald des Sonntags. Mit der rasanten technischen Entwicklung hielten sie Schritt. 1905 wurden die ersten Setzmaschinen angeschafft. C. P. Christiansen, Herausgeber des Wochenblatts, schrieb: „Vorstellen kann ich mir freilich nicht, daß das kommende Jahrhundert auf technischem Gebiet in dem gleichen Tempo Fortschritte machen wird, wie es das letzte getan hat. Das würden die Nerven der Menschen kaum aushalten.“

Im Jahre 1927 übernahmen die Husumer Nachrichten die ältere Zeitung und konnten über sich schreiben: „In Marsch und Geest, in Land und Stadt / und Halligwelt das Heimatblatt“. Lokalredakteur war der weithin bekannte Felix Schmeißer. Im Dritten Reich wurde die Presse geknebelt. Mehrere Blätter gingen in den Husumer Nachrichten auf, die zur Zeitung für den ganzen Südteil Nordfrieslands wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich eine Konkurrenz mit dem Flensburger Zeitungsverlag, der die Husumer Tageszeitung herausgab. Die Husumer Nachrichten konnten seit 1949 wieder erscheinen. Seit 1958 wurden sie geprägt von Helmut Sethe (1929-1983), der die Zeitung als Chefredakteur zu einem kritischen Blatt mit liberalem Profil machte. 1970 verkaufte der Verleger Carl Iselt die Husumer Nachrichten an das Flensburger Zeitungshaus. In der Gegenwart gehören sie zum Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag. Seit 40 Jahren befinden sich Redaktion und Geschäftsstelle am Markt 23. Dort wird eine 200-jährige Husumer Zeitungstradition fortgeführt.

Professor Dr. Thomas Steensen ist Direktor des Nordfriisk Instituut in Bredstedt und Honorarprofessor an der Universität Flensburg.

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