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Von Sibirien nach Nordfriesland : Sein Zuhause ist die Welt der Musik

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kirchenmusiker Alexander Buchner, der vor 20 Jahren Sibirien verlassen hat, lebt heute in Husum. Er leitet neben seinem Beruf noch ein Akkordeonorchester, dirigiert eine Liedertafel und initiiert Projektchöre.

Vor 20 Jahren kehrte Alexander (Sascha) Buchner der Großstadt Nowokusnezk im Südwesten Sibiriens den Rücken und emigrierte mit seiner Frau und den damals vier und sieben Jahre jungen Kindern nach Deutschland. Da seine Eltern Deutsche waren, gehörte der studierte Musiker in Sibirien zu den zahlreichen Russlanddeutschen, die es dort aufgrund ihrer Abstammung nicht einfach hatten. Als die Situation für sie mit dem Zerfall der Sowjetunion Ende der 1980er-/ Anfang der 1990er-Jahre immer schwieriger und unsicherer wurden, beschloss er, als Spätaussiedler nach Deutschland zu gehen. So wie tausende andere Russlanddeutsche zu dieser Zeit.

Eigentlich zog es die Buchners – wie viele ihrer zuvor ausgewanderten Freunde – nach Süddeutschland. Doch bei ihrer Ankunft 1995 im Grenzdurchgangslager Friedland wurden sie vor die Wahl gestellt: „Ihr könnt nach Berlin gehen oder nach Schleswig-Holstein, etwas anderes ist derzeit nicht möglich“, so hieß es damals. „Da wir die Großstadt satt hatten, entschieden wir uns für das Landleben. So kamen wir über Neumünster nach Ostenfeld.“

Da ausgesiedelte Russlanddeutsche als Deutsche im Sinne des Grundgesetzes gelten, hatte die Familie mit ihrer Einreise sofort Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit. Auch durften die Buchners gleich auf Arbeitssuche gehen. Während seine Frau Tatjana bald Arbeit in der Krankenpflege fand, nahm Alexander Buchner eine Organisten-Stelle in der Olderuper Kirche an. Und das, obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum Orgelkenntnisse hatte – die eignete er sich erst später an. „Da diese Orgel aber noch keine Fußpedale hatte, konnte ich sie sofort spielen“, erklärt Buchner, der das Klavierspiel beherrscht und auch mit anderen Tasteninstrumenten vertraut ist. Fünf Jahre hatte er in Nowosibirsk Dirigieren und Akkordeon studiert und anschließend an einer Berufsmusikschule unterrichtet.

Kurz nach seiner Ankunft in Ostenfeld erfuhr der damals 36-Jährige, dass in den benachbarten Kirchengemeinden Chorleiter und Organisten gesucht wurden. Und so übernahm er 1997 das Amt des Kirchenmusikers in Rödemis (bis 2015). Seit diesem Jahr hat er diesen Status in Mildstedt inne, wo er bereits seit 18 Jahren zudem als Chorleiter tätig ist.

Die für diese Aufgaben nötige berufliche Verpflichtung zur Kirchenzugehörigkeit war für ihn kein Problem: „Obwohl es in unserer alten Heimat keine Kirche gab, haben mich meine Eltern als Kind heimlich taufen lassen. Bei der Taufe meiner eigenen Kinder hier in Deutschland habe ich dann für mich die Möglichkeit der ‚Erinnerungstaufe‘ genutzt.“

Seit 2002 lebt die Familie in Husum. „Mir war immer klar“, betont der Familienvater, „dass man als Einwanderer selbst aktiv werden muss, um in der neuen Heimat tatsächlich anzukommen.“ Dazu gehört für ihn das Erlernen der deutschen Sprache. Das gelang ihm, indem er mit seinen Kindern deren Schulpensum nacharbeitete. Die deutsche Sprache beschreibt er als „angenehm präzise“. Als Künstler bedauert er jedoch, dass man im Deutschen nicht so gut wie im Russischen Gefühle ausdrücken könne.

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprache ist ihm der Kontakt zu anderen Menschen, den er vor allem über die Musik fand und findet. So ist Alexander Buchner, dessen erwachsene Kinder inzwischen weltweit als Profitänzer im Bereich Hip-Hop, Street Dance und Jazz unterwegs sind, seit 2004 Dirigent der Bredstedter Liedertafel von 1842. Seit 2007 leitet der Wahl-Nordfriese den Singkreis Arlau und dirigiert seit 2014 erneut das Akkordeonorchester Viöl – eine Aufgabe, die er schon einmal – von 1997 bis 2003 – übernommen hatte.

Zusätzlich initiiert Buchner immer wieder Projektchöre, die nur für eine kurze Zeit bestehen und für bestimmte Anlässe proben. „Sie dienen vor allem der Nachwuchsgewinnung“, sagt er. Dass immer einige Projektteilnehmer „hängenbleiben“ und sich einem seiner Chöre fest anschließen, freut den 54-Jährigen.

Eines seiner bekanntesten Projekte ist der Nordfrieslandchor, der gerade im September mit den Proben für das 150-jährige Bestehen des Nordfriesischen Sängerbundes im Jahr 2017 begonnen hat. In den nächsten zwei Jahren bereiten sich die Teilnehmer in monatlichen Proben auf das geplante Konzert vor. Auch die jährlichen Sacro-Pop-Projekte, in denen Buchner mit ambitionierten Sängern jeweils acht Wochen lang Lieder aus der christlichen Popszene einstudiert und diese dann unter einem bestimmten Motto zur Aufführung bringt, sind bei sangesfreudigen Nordfriesen ausgesprochen beliebt.

Die vierstimmigen Chorsätze schreibt Alexander Buchner ebenso selbst wie die Akkordeonsätze für die mehr als 100 jungen Musikanten in Viöl, und auch sonst verbringt er seine Zeit am liebsten in der Welt der Musik. Dabei zieht er keine spezielle Musikrichtung vor: Der Husumer mag einfach alles, was seinen Ohren schmeichelt.

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