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Der Gedichtesammler : Sein Traum ist wahr geworden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Mildstedter Hark Martinen hat über zwei Jahrzehnte Lyrik in allen nordfriesischen Sprachvarianten gesammelt: 481 Gedichte gibt es nun in einem Band. Der ehemalige Schulrat des Kreises Nordfriesland hat sich damit einen Traum erfüllt.

Nach 25 Jahren ist es fertig: das erste Buch von Hark Martinen. Es heißt „Dachtangs“ (Gedichte) und enthält eine Sammlung friesischer Lyrik. Der 80-Jährige lächelt milde, als er nach der Mitgliederversammlung des Nordfriesischen Vereins in einem Sessel im Eingangsbereich des Hotels Neuwarft sitzt. Dort hat Martinen gerade den Gedichtband vorgestellt. „Trotz der vielen Arbeit kann ich nicht sagen, dass ich sehr erleichtert bin. Denn es hat auch viel Spaß gemacht.“ Für ihn hat sich zudem ein Traum erfüllt.

Die friesische Sprache begleitet ihn von Kindesbeinen an. Auf Amrum geboren, ging der Nordfriese später auf das Gymnasium in Niebüll – es folgte ein Lehramtsstudium in Flensburg. Anschließend verbrachte Hark Martinen 13 Jahre auf Helgoland als Lehrer, anschließend arbeitete er ebenfalls 13 Jahre lang als Schulleiter in der Grund- und Hauptschule in Scharbeutz. Als späterer Schulrat des Kreises Nordfriesland widmete Martinen sein Hauptaugenmerk auf den friesischen Unterricht an Schulen. Er war Vorsitzender einer Arbeitsgruppe für Friesischlehrer – und eigentlich seien diese verantwortlich dafür, dass er „Dachtangs“ herausgebracht hat. „Sie fragten bei mir oft nach friesischen Gedichten für besondere schulische Begebenheiten.“

Hark Martinen fing also an, Texte in allen ihm zugänglichen Schriften zu sammeln: aus dem Jahresheft „Zwischen Eider und Wiedau“, dem „Nordfriesischen Jahrbuch“ und vielen anderen Publikationen. Die Fülle motivierte, an ein Buch zu denken. Außerdem gaben ihm Privatleute schriftliches Material, denn es hatte sich herumgesprochen, woran er arbeitete. „Im Laufe der Zeit kamen mehr als 700 Gedichte zusammen, die allerdings aus sieben Dialekten stammten und von unterschiedlicher Qualität waren.“

Nebenbei musste sich Martinen um die Finanzierung seines Erstlings kümmern. Dem Nordfriesischen Verein war es nicht möglich, ihn zu unterstützen – und so trat er an den Friesenrat heran. Die Verhandlungen führten erst nach vielen Terminen zum Erfolg – doch dann flossen die Fördermittel über den Rat: Überzeugen konnte der Nordfriese mit dem Verweis auf das große öffentliche Interesse an dem 1955 erschienenen Buch „Der ewige Brunnen“ von Ludwig Reiners mit 2000 deutschen Gedichten aus acht Jahrhunderten.

Über das Nordfriisk Instituut wurden dem 80-Jährigen vier Frisistikstudenten vermittelt, die die unterschiedlichen Schreibweisen der einzelnen Gedichte – Sylter und Helgoländer Friesisch funktioniert in Großschreibung und musste der Kleinschreibung der anderen friesischen Sprachvarianten angepasst werden. Annähernd 200 Texte wurden aussortiert, da es sich größtenteils um „Heimweh-Lyrik“ handelte. „Damals haben die Menschen es sicherlich verstanden, aber heute ist diese Form schwer vermittelbar.“

„Dachtangs“ beinhaltet 481 Gedichte auf knapp 300 Seiten. Fünfmal hat der Nordfriese alles Korrektur gelesen. „Meine Frau hat mich irgendwann gefragt, ob ich noch Hochdeutsch kann“, lacht er. Gedruckt wurden bisher 200 Exemplare im Niebüller Druckcenter Mussack – „der Auftrag sollte in der Region bleiben“.

Erhältlich ist das Buch ausschließlich über den Nordfriesischen Verein. Friesisch unterrichtende Schulen erhalten ein Freiexemplar, hat sich Martinen gewünscht.

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