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Erstaufnahme-Einrichtung : Seeth: Kein Feuerwerk in der Kaserne

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nur knapp 500 Asylsuchende sind gegenwärtig in der Erstaufnahme-Einrichtung in Seeth untergebracht. Vor dem Tor ist Silvesterabend Pyrotechnik erlaubt, doch viele traumatisierte Flüchtlinge verzichten gern auf Knallerei.

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erstellt am 30.Dez.2015 | 15:34 Uhr

Seeth | Die Aufnahme-Kapazität in der noch provisorischen Erstaufnahme-Einrichtung des Landes in der Stapelholmer Kaserne in Seeth wird gegenwärtig mit dem Bau eines Containerdorfes auf 2000 erweitert. Doch im Moment, so DRK-Einrichtungsleiter Lars Christophersen, „haben wir nur zwischen 400 und 500 Gäste.“ Seiner Einschätzung nach liegt dies an den winterlichen Stürmen über dem Mittelmeer. Die Überfahrt sei einfach zu gefährlich, daher würden immer weniger Menschen versuchen, auf diesem Weg Europa zu erreichen. Doch seiner Einschätzung nach dürfte sich dies schnell wieder ändern, wenn das Wetter mitspielt.

Dennoch haben die vielen Helfer in der Einrichtung nicht weniger zu tun, sie können vielmehr viele Dinge erledigen, die bislang liegen geblieben sind. Aktuell werden gerade gemeinsam mit Dolmetschern in verschiedenen Sprachen Aushangzettel vorbereitet. „Wir weisen alle Bewohner daraufhin, dass Silvesterfeuerwerk auf dem Gelände der Einrichtung verboten ist“, sagt Christophersen.

Zusätzlich werden auch Informationen gegeben, dass niemand wegen der Knallerei erschrecken sollte, denn in Deutschland sei es üblich, das neue Jahr mit Raketen und Knallern zu begrüßen, beziehungsweise das alte Jahr zu verabschieden.

Anders als in Nordrhein-Westfalen, wo das Abbrennen von Feuerwerk in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften verboten ist, habe das Amt Nordsee-Treene, so der leitende Verwaltungsbeamte Claus Röhe, kein derartiges Verbot ausgesprochen. „Es herrschen die üblichen Regeln, etwa dass in der Nähe von Reetdachhäusern nicht gezündelt werden darf“, sagt Röhe.

Christophersen meint dazu, dass die Gäste der Einrichtung auf dem Gelände vor der Kaserne, wenn sie denn Lust haben sollten, Feuerwerk abbrennen dürfen, allerdings würden sie auch auf die Besonderheit des Abbrennverbots in der Nähe von Reetdachhäusern hingewiesen. Gerade in Seeth und in Süderstapel gibt es davon nämlich eine ganze Reihe.

Seeth ist die Gemeinde mit den meisten Weichdachhäusern im Amt Nordsee-Treene ist – und dort leben immerhin 25.500 Menschen in 27 Gemeinden. Kein Wunder also, dass der Bürgermeister Peter-Wilhelm Dirks der Silvesternacht immer mit gemischten Gefühlen entgegenblickt. Diesmal macht er sich nicht allzu große Sorgen, denn es ist Regen angesagt, der die Reetdächer feucht hält.

Feuerwerk, besonders Böller zu Silvester, sind nahezu weltweit üblich. Auch in Deutschland gilt vielerorts: Erst wenn es an Silvester richtig knallt und leuchtet, ist der Jahreswechsel perfekt. Minutenlang werden Raketen und Böller für weit mehr als 100 Millionen Euro in die Luft gefeuert. Doch was für viele ein Spaß ist, könnte Flüchtlinge aus Kriegsgebieten an Schlimmes erinnern. Denn viele von ihnen sind traumatisiert von Bombeneinschlägen in ihrer Heimat.
Man solle die Wirkung der Feuerwerkskörper auf die teilweise traumatisierten Kinder nicht unterschätzen. Auch aus diesem Grund wird in Seeth Aufklärung betrieben.

Hinzu kommt, dass das Neujahrsfest teilweise zu ganz anderen Zeiten gefeiert wird. Etwa in Afghanistan, wo die Neujahrsfeier mit dem Frühlingsbeginn am 21. März zusammenfällt. Üblicherweise dürfen sich Kinder für diesen Feiertag neue Kleider kaufen, die sie dann zum ersten Mal am Neujahrstag anziehen – nach dem Motto: Frisch und sauber in das neue Jahr.

Die Juden und der Islam gehen nach den Mondjahren, die Iraner nach den Sonnenjahren. In China, Korea und Vietnam begrüßt man das neue Jahr zwischen Ende Januar und Anfang Februar. In vielen osteuropäischen Staaten wird erst gefeiert, wenn die Heiligen drei Könige (6. Januar) vorüber sind.

Da die meisten Flüchtlinge aus Syrien kommen, kennen sie Neujahr. Denn für die Christen in Syrien sind Weihnachten, Ostern und Silvester die wichtigsten Feste. Sie finden im familiären Kreis statt und werden nahezu genauso wie in Deutschland gefeiert. Heiligabend geht es in die Kirche, am nächsten Tag trifft man sich mit der Familie.

Allerdings wird der Weihnachtsbaum schon Anfang Dezember ins Wohnzimmer gestellt, da die Christbäume überwiegend künstlich sind. Zu Silvester wird meist ausgiebig im Restaurant mit Musik, Tanz und einem guten Essen gefeiert.

Während der DRK-Einrichtungsleiter Christophersen davon ausgeht, dass Silvester in Seeth eher ruhig verlaufen wird, erwartet er am 1. Januar schon mehr Trubel. Da viele der Flüchtlinge keine Geburtspapiere besitzen, sind sie quasi am 1. Januar geboren. „Wir werden also viele Geburtstage haben“, schmunzelt Christophersen.

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