Schau im Schifffahrtsmuseum : Seemacht von 1914 bis heute

Museumsleiterin Karin Cohrs freut sich darüber, die Arbeiten von Prof. Winkler präsentieren zu können.
Museumsleiterin Karin Cohrs freut sich darüber, die Arbeiten von Prof. Winkler präsentieren zu können.

Die aktuelle Sonderausstellung im Schifffahrtsmuseum Nordfriesland in Husum zeigt 100 Jahre Marinegeschichte – und wartet mit einer Extra-Schau auf: Prof. Dr. Rainer Winkler, ehemaliger chirurgischer Chefarzt in Schleswig, stellte seine Schiffsmodelle im Maßstab 1:1000 und Acrylbilder mit maritimen Motiven zur Verfügung.

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24. März 2014, 17:00 Uhr

Eigentlich ist „Die Welt im 20. Jahrhundert in Bildern und Modellen der Handels- und Kriegsmarine“ schon länger im Schifffahrtsmuseum Nordfriesland zu sehen. „Aber erst jetzt ist die Schau vollständig“, sagt Museumsleiterin Karin Cohrs erfreut und blickt auf die in einem Extra-Raum aufgestellten Vitrinen. „Hier haben wir sozusagen eine Sonderausstellung in der Sonderausstellung“, sagt sie stolz.

Deren Schöpfer ist der in Husum aufgewachsene Prof. Dr. Rainer Winkler, ehemaliger chirurgischer Chefarzt im Martin-Luther-Krankenhaus in Schleswig. Der hatte schon früh die geschickten Hände, die seinen späteren Ruf in der Chirurgie begründeten, und bereits in seiner Jugendzeit damit begonnen, Schiffe im Maßstab 1:1000 zu bauen – und mittlerweile malt er auch maritime Motive in Acryl. Unter dem Titel „Schiffe: Eintwicklung – Umfeld – Stimmungen“ präsentiert das Museum am Zingel 15 eine Auswahl seiner Miniatur-Modelle und Bilder. Blickfang ist eine große Vitrine mit 80 kleinen Schiffen, die im ersten Ersten und Zweiten Weltkrieg für die Marinen Deutschlands, Großbritanniens und den USA im Einsatz waren – oder auch nur projektiert, wie etwa der einzige deutsche Flugzeugträger „Graf Zeppelin“, der niemals fertiggestellt wurde. 20 weitere Flugzeug- und Hubschrauberträger sowie Landungsschiffe stellen in einer weiteren Vitrine die Vielfalt dieser seebeherrschenden Schiffsgattung bis in die Gegenwart dar. Und 15 andere Miniaturmodelle zeigen einen Querschnitt der Entwicklung der Passagierschifffahrt in den vergangenen 100 Jahren – „am Beispiel der Reederei Hapag Lloyd“, wie Karin Cohrs sagt. Drei detailreiche Dioramen zeigen eine Werft und einen Hafen aus den 1930er Jahren sowie einen Container-Terminal aus dem Jahr 2000. Und 13 seiner Gemälde rahmen den Raum der Extra-Schau ein.

Auch der Hauptteil der Sonderausstellung, die noch über den gesamten Sommer hinweg im Schifffahrtsmuseum verbleiben soll, ist sehenswert. Sie schlägt den Bogen vom Vorlauf des Ersten Weltkrieges bis in die Gegenwart anhand von zahlreichen Schautafeln, Bildern und Schiffsseitenrissen sowie Modellen, kleinen wie großen. Unter letzeren stechen besonders die „Bismarck“ – bei ihrer Indienststellung 1940 eines der größten und kampfstärksten Schlachtschiffe der Welt – und des schweren Kreuzers „Prinz Eugen“ hervor. „Letztere überstand den Zweiten Weltkrieg und 1946 sogar noch zwei Atomexplosionen im amerikanischen Testgebiet am Bikini-Atoll, bevor sie dort schließlich kenterte und sank“, so die Museumsleiterin zur außergewöhnlichen Geschichte dieses deutschen Kreuzers.

Tatsächlich umspannt die Schau mehr als ein Jahrhundert: Ein Gemälde zeigt den Untergang des Kanonenbootes „Iltis“ im Taifun 1898 vor Tsingtau, und die Seekiste ihres Zahlmeisters, der später auf der SMS „Scharnhorst“ fuhr, findet sich als besonderes Ausstellungsstück bei den Bildern von Kaiser Wilhelm II. und seinen Kriegsschiffen. Und am anderen Ende der Zeitspanne zeigen Vitrinenmodelle die Gliederung der heutigen Deutschen Marine und einen Abriss ihrer Vorgängerin, der Bundesmarine, sowie der Volksmarine der DDR. Und dazwischen immer wieder Exponate mit regionalem oder gar lokalem Bezug – so zum Beispiel ein Bild vom Linienschiff „Schleswig-Holstein“, das am 1. September 1939 auf die Danziger Westerplatte die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs abfeuerte. Oder Informationen über den Krieg der Handelsstörer mit besonderem Augenmerk auf die Fahrten des Hilfskreuzers „Atlantis“ unter seinem Kommandanten Berhard Rogge, der seine militärische Laufbahn 1962 als Konteradmiral bei der Bundesmarine beendete – „und mit einer Husumerin verheiratet war“, wie Karin Cohrs noch aus eigenen Jugendjahren weiß. Auch der geplante Einsatz der Husumer Fischkutter beim nie durchgeführten „Unternehmen Seelöwe“ – der Invasion Großbritanniens –, vor einiger Zeit Thema einer eigenen Sonderausstellung im Museum, findet Erwähnung. Und selbstverständlich wird auch die Geschichte der zivilen Seefahrt in Bild, Wort und Modell umrissen. „Den Schwerpunkt haben wir allerdings bewusst auf die militärische Schifffahrt gelegt“, sagt die Museumsleiterin. „Die Ausstellung ist als Beitrag im Kontext der vielen Hintergrundberichte in den Medien zum Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren konzipiert.“

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