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Schwerer Schlag : Seeheilbad Nordstrand bald ohne Apotheke

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Nordstrander Apotheke schließt – und trotz vieler Bemühungen des Inhabers findet sich kein Nachfolger. Für das Seeheilbad mit Kurmittelhaus und vielen Ärzten alles andere als ein Aushängeschild.

Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss. So besingt es jedenfalls Udo Jürgens in einem Schlager. Doch wenn die Gesundheit nicht mitspielt, nützt der Wille, beruflich weiterzumachen, wenig. Der Nordstrander Apotheker Rüdiger Rotzoll sucht aus besagten Gründen schon seit zwei Jahren nach einem Nachfolger für seine Apotheke in der Osterkoogstraße 41 – die einzige auf dem Eiland.

Eigentlich sah bis vor wenigen Tagen noch alles gut aus. Ein Pächter stand in den Startlöchern, doch der sagte in letzter Minute ab. Er hatte seinen Antrag beim zuständigen Landesamt für Soziale Dienste zurückgezogen, wie das Gesundheitsministerium in Kiel auf Anfrage erklärte. Derzeit liege kein Antrag auf Erteilung einer Betriebserlaubnis einer Apotheke auf Nordstrand vor.

Wieder bemühte sich Rotzoll und sprach noch einmal mit Kollegen aus Husum und der Region. Doch niemand hatte Interesse, auch nur eine Filiale auf der grünen Halbinsel zu eröffnen. „Schade, ich hätte die Apotheke gern nahtlos übergeben. Aber ich höre definitiv am 26. Februar auf.“ Nun hofft er, dass der Bürgermeister noch etwas erreichen kann. „Den habe ich als letzten Rettungsanker eingeschaltet“, berichtet Rotzoll resigniert.

Er selbst habe die Situation der Apothekerkammer geschildert, damit zumindest eine Rezeptannahme-Stelle eingerichtet wird. Das wäre die einzige Möglichkeit, um eine Anlaufstelle für Einheimische und Gäste zu schaffen. Grundsätzlich hält Rotzoll den bundesweiten Trend für sehr bedenklich. Es gibt nämlich bereits rund 4000 Filial-Apotheken in Deutschland.

Regina Reuß, Chefin der Kurverwaltung, dazu: „Diese Information erwischt mich eiskalt. Wir alle hatten darauf gesetzt, dass es weiter geht. Das ist nicht gut für Nordstrand.“ Immerhin zählt die Halbinsel 26 000 Gäste im Jahr. Christa Formeseyn, Vorsitzende des Ortsverbandes der Arbeiterwohlfahrt, erklärt: „Das ist ein Skandal. Ein Seeheilbad ohne Apotheke geht gar nicht.“ Insbesondere die Senioren, die den Großteil der 2400 Nordstrander ausmachen, würden darunter leiden. Viele seien auf ihre Medizin angewiesen und hätten kein eigenes Fahrzeug. Die nächste Apotheke ist in Hattstedt, das ist 14 Kilometer entfernt. Nach Husum sind es sogar 20 Kilometer.

Aber auch den Gästen sei so etwas nicht zuzumuten, so Formeseyn. Ein Aushängeschild sei ein Nordstrand ohne Apotheke nun wirkllich absolut nicht. Es dürfe die Frage erlaubt sein, was denn noch alles außer Tankstelle und Apotheke wegbrechen soll. Angesichts der Tatsache dass es zwei Allgemeinärzte, zwei Privatärzte, eine Zahnarztpraxis mit drei Ärzten und Kieferchirurgie, mehrere Heilpraktiker und das Kurmittelhaus gebe, müsse eine Apotheke einfach Pflicht sein.

Dr. Uwe Krüger, Facharzt für Allgemein- und Arbeitsmedizin, bedauert zwar, dass die Apotheke schließen wird, doch er weiß auch um die Schwierigkeiten, mit denen ein „Neuer“ zu tun haben würde. Denn auch eine Apotheke müsse wirtschaftlich betrieben werden können. Auf jeden Fall müsste erheblich investiert werden, da die Apotheke nicht mehr auf dem neuesten Stand sei.

Bürgermeister Werner Peter Paulsen betont: „Wir müssen alles versuchen, um die Apotheke zu erhalten. Die Gemeinde hat ein großes Interesse daran. Ich sehe Bedarf.“ Er habe Gespräche in alle Richtungen aufgenommen.

Rotzoll würde ein großer Stein vom Herzen fallen, wenn sich wider Erwarten doch noch ein Interessent melden würde. Dann könnte er, der die Apotheke auf Nordstrand in zweiter Generation geführt hatte, wirklich in Ruhe seinen Ruhestand antreten.

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