Kreis Nordfriesland : Seeadler bestimmt Standorte für Windräder

Der selten gewordene Seeadler ist geschützt. Foto: Naturzentrum
Der selten gewordene Seeadler ist geschützt. Foto: Naturzentrum

Der Seeadler steht unter Naturschutz. Seine Flugroute ist deshalb entscheidend bei der Windkraft-Planung der Reußenköge (Kreis Nordfriesland).

shz.de von
07. Juli 2012, 10:58 Uhr

Reußenköge | Eigentlich war alles schon in trockenen Tüchern. Die Gemeinde Reußenköge, in der sich bislang die meisten Windmühlen im Kreisgebiet drehen, hatte weitere Windeignungsflächen angemeldet. Der Genehmigung, davon ging Bürgermeister Johannes Volquardsen aus, sollte eigentlich nichts im Wege stehen. Doch das war ein Irrtum. Ein unter Naturschutz stehender Vogel macht der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung.
Seit sechs Jahren brütet nämlich ein Seeadler im Drelsdorfer Forst. Und der soll bei der Nahrungssuche seine Route zum Beltringharder Koog just über das Gemeindegebiet der Reußenköge gelegt haben. Um zu verhindern, dass er - wie viele andere Greifvögel und Fledermäuse bisher schon - von den rotierenden Windmühlenflügeln getötet wird, muss ein bestimmter Korridor freigehalten werden. Das fordert die Landesplanung.
389 Vögel verunglückten bisher
Laut Untersuchung der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg umfasst die angelegte Datenbank bereits 389 verunglückte Vögel sowie 342 Fledermäuse. Die Tiere können beim Passieren der Anlagen die Umlaufgeschwindigkeit der Rotorspitzen nicht richtig einschätzen.
"Wir konnten nicht darlegen, dass der Vogel eigentlich über die Hattstedtermarsch fliegt", bedauerte Bürgermeister Volquardsen in der Gemeindevertretersitzung. Und: "Wir haben einen Seeadler im Forst", bestätigte denn auch Förster Hans-Hermann Hein aus Drelsdorf auf Nachfrage der Husumer Nachrichten. Seinen Beobachtungen nach fliege das Tier "fast immer über die Köge".
Gutachten für 15.000 Euro in Auftrag gegeben
Die Gemeindevertreter der Reußenköge wollen es nun genau wissen. Sie gaben beim Planungsbüro "eff-Plan"ein Gutachten in Auftrag. Die Sache ist ihnen durchaus auch 15.000 Euro wert. "Dann haben wir bei künftigen Vorhaben Klarheit", argumentiert Volquardsen. Die Zeit drängt, denn das Gutachten muss bis Mitte September in Kiel vorliegen.
Die Fachleute sollen außerdem noch weitere strittige Punkte unter die Lupe nehmen. Dabei geht es um die Einhaltung von Abständen zwischen geplanten Windmühlen und der Wohnbebauung, beziehungsweise der Deichlinie. Im Süden des Reußenkooges und im Sophien-Magdalenen-Koog hätten nämlich die gelpanten Windkraftanlagen lediglich einen Abstand von 400 Metern gehabt. Die Anwohner hatten dazu ihr Einverständnis gegeben. Das ist nicht zulässig, lässt das Ministerium wissen. Es besteht darauf, dass die gesetzlich festgelegte Abstandsregelung von 800 Metern eingehalten wird. Auch die angedachte Fläche im Borsbüller Weg müsse bis auf 500 Meter bis zur Deichlinie im Bredstedter Koog frei von Windspargeln bleiben.
Die Teilfortschreibung des Regionalplanes V des Landes Schleswig-Holstein sieht demnach für die Gemeinde Reußenköge etwa ein Drittel weniger Windeignungsfläche vor, als die Koogs-Bewohner gedacht hatten. Auch durch die vielen Erweiterungsanträge landesweit falle das erhoffte Stück vom Kuchen kleiner aus, bedeutete der Bürgermeister den enttäuschten Gemeindevertretern. Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Mit Spannung sehen die Windmüller dem Ergebnis des Adler-Gutachtens entgegen.

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