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Stadtgeschichte Husum : Sechs Mal wechselte das Haus sein Gesicht

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Das alte Rathaus am Markt von Husum wird derzeit von der Tourismus-Gesellschaft genutzt. Das Gebäude wurde 1601 gebaut und bis heute mehrfach innen und außen verändert.

Husum | Im Jahre 1601, zwei Jahre bevor Johann Adolf von Gottorf 1603 Husum die Stadtrechte verlieh, machten sich ihre Bürger dazu bereits ein Geschenk: Sie ließen sich vom Tönninger Baumeister Peter Mastricht ihr Rathaus erbauen. Am 19. April wurde der Grundstein gelegt, am 1. November war das Gebäude bereits vollendet. Die Kosten beliefen sich auf 8836 Mark Lübsch (Lübecker Währung). Der Herzog gestattete den Husumern auch, unter dem Rathaus einen Keller zu bauen, in dem nur sie das Recht hatten, fremde Biere auszuschenken. Allerdings machte Herzog Johann Adolf zur Auflage, eine für Pferdewagen geeignete Durchfahrt vom Schloss zum Markt zu belassen.

Ein Rathaus war seit dem Mittelalter nicht nur Sitz der städtischen Verwaltung. Es hatte zugleich die Funktion eines Gerichtes, in dem die Mitglieder des Magistrats mit dem Bürgermeister an der Spitze Recht sprachen. Herzstück war der große Festsaal. Hier schlossen Rat und Bürgermeister bedeutsame Verträge für die Stadt ab. Der Saal war auch Schauplatz repräsentativer Empfänge, großer Feste und Theatervorstellungen.
Freitreppe und Dachreiter werden gebaut

1702 wurde das Rathaus erstmals umgebaut. Unter anderem erhielt es die Freitreppe, die heute noch zum Portal führt. Ein weiterer starker Eingriff wurde in den Jahren 1809 bis 1811 vorgenommen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der barocke Dachreiter aufgesetzt, der eine Glocke aufnahm.
Grundlegend veränderte ein Umbau 1858 das Aussehen und die Raumaufteilung des Rathauses. So wurde der Festsaal in Büroräume umgewandelt, die Fassade im Stile der Neugotik umgestaltet. Sehr sorgfältig sind die Baumaßnahmen wohl nicht gewesen: Bereits 1890 waren die Schäden an der Fassade so stark, dass man sich für eine neue Vorderfront entschied. Nach den Plänen des Husumer Multi-Talentes Friedrich Thomsen entstand 1892 eine Rathausfassade im Stil der Neo-Renaissance. Rund 80 Jahre später war auch diese wieder baufällig und musste abgerissen werden. 1971 entstand die heutige - sechste - Ansicht, die 1981 noch um den Giebel erweitert wurde.
Ideen für Nutzung bleiben Theorie

Mit dem Umzug der Stadtverwaltung 1989 in das neue Rathaus am Binnenhafen stellte sich die Frage, was mit dem seit 1986 unter Denkmalschutz stehenden Gebäude am Markt geschehen sollte. Das Ergebnis einer bauarchäologischen Bestandsaufnahme durch ein deutsch-dänisches Architektenteam mündete Ende 1989 in einen Nutzungsplan. Das Gebäude sollte als "Bürger- und Kulturhaus" genutzt werden. Aus Geldmangel musste dieses Projekt jedoch ein Traum bleiben.

Schon 1995 war der angedachte Verkauf des historischen Rathauses an private Investoren für geschichtsbewusste Bürger ein Alarmzeichen. Der damalige Bürgervorsteher Dr. Ulf von Hielmcrone regte die Gründung einer Interessengemeinschaft an. Ihre Aufgabe: Nutzungspläne zu entwickeln. Die Idee, das alte Rathaus für den Tourismus als "Haus des Gastes" nutzbar zu machen, fand bei den Kommunalpolitikern Zustimmung. Doch auch dieses Projekt zerschlug sich.

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erstellt am 27.Mai.2009 | 06:53 Uhr

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