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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2017 | 07:35 Uhr

Garding : Schwierige Zeiten fürs Federvieh

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schutzmaßnahmen wegen der Vogelgrippe fordern ihren Tribut auch beim Gardinger Geflügelzuchtverein – erste Züchter geben auf.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2016 | 12:00 Uhr

Wer die Stallungen betreten will, muss einen Schutzanzug tragen. Am Eingang steht ein Desinfektionsbecken für die Schuhe. Manche Tierhalter tragen sogar eine Atemschutzmaske. Die Vorsichtsmaßnahmen wegen der Vogelgrippe sind auch in der Zuchtanlage des Geflügelzuchtvereins Garding und Umgebung getroffen worden. Dort halten 14 Erwachsene und Jugendliche ihre Tiere. Die Anzahl der Hühner, Gänse und Tauben schwankt im Jahreslauf zwischen 60 und 300 Tieren.

Seit Mitte November schreibt das Veterinäramt des Kreises Nordfriesland die Stallpflicht für Geflügel vor. Das bedeutet, dass die Volieren der Tiere mit einem Dach versehen werden müssen. Auch die Seitengitter müssen undurchlässig für Wildvögel sein. „Wir müssen unserer Geflügel schützen“, sagt der Vereinsvorsitzende Kay von Dohlen. „Wir arbeiten eng mit dem Amt zusammen und halten uns an die Vorschriften.“

Allerdings haben die Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe erhebliche Auswirkungen auf den Alltag der Geflügelzüchter und ihrer Lieblinge. Je länger die Stallpflicht anhält, desto mehr geben auf. „Die Älteren tun sich das Prozedere nicht mehr an – sie schaffen ihre Bestände ab.“ Viele Mitglieder haben einen Stall von etwa fünf Quadratmetern, wo die Hühner normalerweise nur übernachten, wie von Dohlen berichtet. Den Rest des Tages laufen sie frei herum. Aufgrund der Stallpflicht sitzen nun die Hennen und Hähne mehrere Wochen und Monate im Stall. Das bedeutet deutlich mehr Arbeit für den Besitzer. Statt vielleicht einmal in der Woche zu putzen, muss er den Stall nun spätestens alle drei Tage sauber machen. „Viele Züchter haben dazu keine Zeit oder Lust“, sagt der Vorsitzende. „Die Hühner sind zudem auf engstem Raum zusammengepfercht. Sie fangen an, sich gegenseitig zu picken. Ferner wird der Keimdruck höher: Die Tiere werden krank und können sterben.“

Wie gefährlich der Virus ist, das ist den Geflügelzüchtern durchaus bewusst. Aber ihnen fehlt eine klare Linie bei der Eindämmung und Bekämpfung durch die Behörden auf Länderebene. „Das Schlimme ist, dass es keine Einheitlichkeit in Deutschland gibt“, sagt von Dohlen. „Während in Schleswig-Holstein alle Veranstaltungen abgesagt wurden, fanden in anderen Bundesländern sogar überregionale Ausstellungen statt. Das wirkt dann unglaubwürdig.“

Dennoch müssen sich die Eiderstedter Züchter natürlich an die Vorschriften im Land halten und wollen für ihr Federvieh das Bestmögliche tun. „Wir legen Wert darauf, dass alle Tiere genügend Platz haben. Falls die Stallpflicht also weiter anhält, müssen wir entweder weitere Volieren bauen oder die Tiere abwechselnd in diesen laufen lassen“, zählt von Dohlen die Möglichkeiten auf, den Zuchtbetrieb aufrecht zu halten. Auf dem 3500 Quadratmeter großen Gelände der Zuchtanlage in Garding steht ein Hauptgebäude mit 125 Quadratmetern Fläche. Von diesem gehen nach Osten und Westen Volieren zu je 150 Quadratmetern ab. „Falls die Aufstallungspflicht aber bis März, April anhält, dann müssen die Tiere erst gar nicht anfangen zu brüten“, gibt er sich keine Illusionen. Noch gibt es zwar kein Verbreitungsverbot außer in Sperr- oder Beobachtungsgebieten. Aber es wird schwieriger, die Tiere loszuwerden. „Auch der Austausch unter den Züchtern wird schwieriger. Je länger die Stallpflicht andauert, desto schneller werden die Tiere geschlachtet“, sagt von Dohlen.

Betroffen sind vor allem die Hühner. Tauben verenden zwar nicht an der Grippe. Man vermutet allerdings, dass diese den Virus übertragen können. „Wir hoffen, dass es jetzt vier Wochen ruhig bleibt und dann bald die Aufstallungspflicht aufgehoben wird“, sagt der Geflügelzüchter.

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