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Schreckensszenario in Friedrichstadt : Schweres Unglück im Hafen – alles nur Übung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ausflugsschiff rammt Motorboot: Feuerwehren und DLRG-Einheiten proben in Friedrichstadt den Ernstfall mit 15 Verletzten.

Hochdramatische Szenen spielen sich in Friedrichstadt ab: Die Einwohner werden durch einen dumpfen Knall aufgeschreckt, anschließend steigen Rauchwolken über dem Hafengelände auf – unmittelbar danach sind markerschütternde Hilfeschreie zu hören. Dass es sich um eine groß angelegte Rettungsübung handelt, ahnt an diesem Sonnabendmorgen um 9.30 Uhr keiner der Unbeteiligten. So wird denn auch sofort der Notruf zur Leitstelle gewählt, berichten mehrere Augenzeugen von einem schwerwiegenden Ereignis im Hafen.

Um 9.31 Uhr lösen Sirenen an mehreren Stellen der Stadt Großalarm aus. Bereits wenige Minuten später werden an der Feuerwache am Eiland eilig die Rolltore hochgefahren, die vier Fahrzeuge rollen mit Blaulicht und Martinshorn auf die B 202.

Die Einsatzlage ist sofort erkennbar: Hilferufende und winkende Passagiere befinden sich auf einem Ausflugsschiff, das offensichtlich Feuer gefangen hat; in einiger Entfernung ein langsam sinkendes kleines Motorboot, einige Meter weiter eine um Hilfe schreiende männliche Person im großen Hafenbecken.

Die Feuerwehrfahrzeuge verteilen sich an mehreren Stellen des Hafen-Ufers, von einem Nebensteg in einem anderen Hafenbecken aus wird das Feuerwehr-Motorrettungsboot „Frieda“ zu Wasser gelassen. Der Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße 202 wird per Beschilderung auf Tempo 30 „heruntergefahren“. Helfer geben laute Rufe von sich, Funkgeräte piepsen.

Um 9.41 Uhr wird deutlich: Die Feuerwehr kann nicht allein Herr der Lage werden – 15 Personen auf dem Schiff sind verletzt, einige sogar schwer. Per Melder und Sirenen wird um 9.45 Uhr nachalarmiert: Aus Husum und St. Peter-Ording rückt die DLRG an. Um 10.10 Uhr treffen mehrere Rettungswagen auf einem gegenüberliegenden Parkplatz ein. Rettungskräfte eilen ans Ufer, wo jetzt auch das Motor-Rettungsboot der DLRG zu Wasser gelassen wird. Erste Verletzte hat die Feuerwehr bereits nach und nach vom Ausflugsschiff gerettet. Bei mehreren Verletzten muss auf dem Schiff aber zunächst die Transportfähigkeit hergestellt werden – Retter mit Notfall-Rucksäcken arbeiten an Bord. Ein mit Tauchern besetztes Boot nimmt zusätzlich Kurs auf eine im Hafenbecken treibende und verzweifelt um Hilfe rufende männliche Person.

An Land können die Ereignisse inzwischen puzzlemäßig zusammengesetzt werde: Ein Bootsführer hatte das Ausflugsschiff in voller Fahrt gerammt; sein Motorboot katapultierte dabei zur Seite, schlug um und sank. Bei dem starken Zusammenprall riss der Außenbordmotor ab und versank ebenfalls separat in der Tiefe des Hafenwassers. Das Ausflugsschiff geriet in Brand.

An Land verfolgen hochrangige Beobachter – ausgestattet mit Jacken und Westen mit Aufdruck „Beobachter“ – die Lage, machen sich Notizen. Vom Fachdienst Rettungswesen Nordfriesland mit dabei Fachdienstleiter Christian Wehr und Rettungsdienstleiter Jens-Peter Lindner. Außerdem Friedrichstadts Wehrführer Birger Thomsen und Stellvertreter Torsten Mahmens, die das umfangreiche Szenario monatelang ausgearbeitet hatten, sowie Femke Postel vom Ordnungsamt, die für sämtliche erforderlichen Genehmigungen sorgte.

Die Verletzten werden in einem rasch aufgebauten großen Zelt versorgt und danach in Rettungswagen weiterverlegt. Fazit von Wehrführer Thomsen nach nahezu fünf Stunden: „Dafür, dass es die erste große Übung gemeinsam mit DLRG-Einheiten aus dem Kreis Nordfriesland war, hat alles gut geklappt – das macht Lust auf mehr.“

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