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Husumer Klinik : Schwere Geburt in einer Stoßzeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Immer mehr Frauen bringen ihre Kinder in der Husumer Klinik zur Welt. Eine von ihnen ist Antina Kirchmann. Sie berichtet von einer Nacht, die sie wohl nicht vergessen wird.

Gedränge vorm Kreißsaal: Seitdem in den Kliniken auf Sylt, Föhr und auch in Niebüll keine Kinder mehr zur Welt gebracht werden können, steigt die Zahl der Geburten in der Klinik Husum an. 807 Kinder sind dort im vergangenen Jahr in der Storm-Stadt auf die Welt gekommen – das sind 184 Babys mehr als 2015 und sogar 244 mehr als 2011.

Da aber in Husum bisher nur drei Kreißsäle zur Verfügung stehen, kann es manchmal eng werden. Eine Mutter, die ihr Kind in einer absoluten Baby-Boom-Nacht auf die Welt gebracht hat, ist Antina Kirchmann. Ihr Felix erblickte am Morgen des 8. Septembers 2016 das Licht der Welt. Der Lütte ist gesund und munter, auch der Mutter geht es gut. Doch wenn sich die 28-Jährige an die Zeit in der Klinik erinnert, ist sie auch heute noch sichtlich betroffen. In der zweiten Nachthälfte wurden vier Spontangeburten vom geburtshilflichen Team betreut, heißt es dazu vom Sprecher des Klinkums NF, Michael Mittendorf. In Abständen zwischen 60 und 90 Minuten kamen die Säuglinge zur Welt.

Los ging’s für Antina Kirchmann am Mittag des 7. Septembers: Ihr Blutdruck war zu hoch, sie musste ins Krankenhaus. „Weil die Geburtenstation schon so belegt war, wurde ich in ein Dreibett-Zimmer mit zwei frisch gebackenen Müttern gelegt“, erinnert sie sich. Bei einer Untersuchung im Kreißsaal setzten bei ihr die Wehen ein, außerdem hatte sie einen Blasensprung. „Die Hebamme hat gesagt, dass es losgeht und ich ab jetzt im Kreißsaal liegen soll. Dort konnte ich allerdings nur eine Viertelstunde bleiben, weil drei andere Frauen in den Wehen lagen.“

Antina Kirchmann ging also wieder in ihr Dreibett-Zimmer zurück. „Gegen elf Uhr wurden meine Wehen immer stärker, da konnte ich auch nicht mehr liegen und bin auf der Station auf und ab gegangen.“ Irgendwann habe sie die Schmerzen nicht mehr aushalten können: „Da habe ich der Nachtschwester gesagt, dass ich das alleine nicht mehr kann. Schließlich war das mein erstes Kind.“

Also wurde sie zu den Kreißsälen geschickt. „Als ich dort geklingelt habe, hieß es, dass sie immer noch nicht frei sind. Ich habe da nur noch geweint, ich hatte ziemlich starke Wehen.“ Sie sei dann in ein Bett auf dem Flur vor den Kreißsälen gelegt worden. Immer mal wieder sei eine Hebamme vorbeigekommen, auch die Herztöne ihres Babys seien in Abständen gemessen worden – doch wirklich gut betreut fühlte sich Antina Kirchmann nicht.

„Dafür kann das Klinik-Personal aber nichts – die haben ihr Bestes gegeben“, betont die junge Mutter. „Schließlich waren für die Nacht nur eine Ärztin und eine Hebamme eingeteilt. Für, wie man mir sagte, acht Geburten. Im Laufe der Nacht wurde wohl eine zweite Hebamme geholt.“ Sie sei selbst Krankenschwester, so die Husumerin. Im Nachhinein hätte ihr das Personal, das immer freundlich geblieben sei, vor allem leidgetan. An eine Szene in ihrem Flur-Bett erinnert sie sich besonders: „Mir ist irgendwann schrecklich übel geworden. In dem Moment, in dem ich mich schwallartig übergeben habe, kam das nächste Paar mit der Frau in den Wehen durch die Tür. Das war mir wirklich unangenehm. Und für die beiden , die im Wartebereich Platz nehmen mussten, auch keine wirklich schöne Situation.“ Antina Kirchmann dagegen bekam nun einen Platz im Kreißsaal: „Bei mir sollte eine PDA gemacht werden. Deshalb musste eine andere Frau den Kreißsaal wieder verlassen.“

Irgendwann in den Morgenstunden setzten die Presswehen ein, glücklicherweise sei dann zumindest ihr Freund da gewesen, erinnert sich die junge Frau. „Die Hebamme hat immer wieder nach mir geguckt, aber es war niemand da, der mir gesagt hat, wie ich es richtig machen soll.“ Schließlich, nach dem Schichtwechsel um kurz nach 6 Uhr, sei eine neue Hebamme zu ihr gekommen. „Sie hat mir gesagt, dass ich die ganze Zeit falsch gepresst habe und mir gezeigt, wie ich es richtig mache. Um 6.24 Uhr war Felix dann auf der Welt.“ Im Rückblick sagt sie: „Ich hätte einfach nur jemanden an meiner Seite gebraucht, der mir Ruhe vermittelt, der sagt, dass ich das schon hinkriege. Schließlich weiß man beim ersten Kind nicht so genau, was einen erwartet.“

Auf Nachfrage erklärt Klinikums-Pressesprecher Michael Mittendorf: „Für die Unannehmlichkeit, Zeit im Flur verbringen zu müssen, bittet das Klinikum um Entschuldigung. Es bittet aber gleichzeitig auch um Verständnis.“ Leider sei die Anzahl von Geburten, Notfällen und Patienten in jedem Krankenhaus zum Teil erheblichen Schwankungen unterworfen, so dass es zu Wartezeiten und seltener auch zu Liegezeiten in einem Flur kommen könne. „Das ist unerfreulich, aber aufgrund der in allen Bereichen begrenzten Kapazitäten leider nicht ganz zu vermeiden“, so Mittendorf.

Angesichts steigender Geburtenzahlen habe das Klinikum im Spätherbst einen Raum in der Nähe des Kreißsaals so eingerichtet, „dass es hoffentlich nicht wieder zu einer Überwachung auf dem Flur kommen muss“, wie Mittendorf sagt. Zudem hat das Klinikum beim Land Mittel für einen weiteren Kreißsaal beantragt, „so dass absehbar mit den erforderlichen Maßnahmen zur Errichtung eines vierten Kreißsaals begonnen werden kann“.

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