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Alte Freunde in der Luft : Schwebefahrt statt Jet-Flug

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Reinhold Günther war Jet-Pilot, Ferdi Bußmann fährt Ballon – und nahm seinen Freund jetzt auf eine Tour über Nordfriesland mit. Es war das erste Mal, dass die beiden zusammen in der Luft waren.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Die Leidenschaft für das Element Luft verbindet sie: Seit mehr als 60 Jahren kennen sich Reinhold Günther und Ferdi Bußmann. „Wir sind sozusagen beide hinter der Theke geboren“, erzählt Günther, ehemaliger Jet-Pilot im Husumer Jagdbombergeschwader 41, und muss lachen. Denn die Eltern der beiden unterhielten damals je eine Gastwirtschaft im niedersächsischen Telgte, wo sie das Licht der Welt erblickten und fast Haus an Haus wohnten. Während Günther im November 1950 geboren wurde, kam Bußmann im März 1951 zur Welt.

„Wir spielten zusammen im Sandkasten und gingen gemeinsam in dieselbe Schule“, erzählt Bußmann. „Damals war die Einschulung zu Ostern, somit kamen wir sogar in die gleiche Klasse“, fügt Günther hinzu. Doch nach der Schule trennten sich ihre Wege. Während Bußmann Koch wurde, die Gaststätte seiner Eltern übernahm und bis heute seinem Geburtsort treu blieb, ging Günther zur Luftwaffe. Sein beruflicher Weg führte ihn auch in die USA, wo er zunächst zum Strahlflugzeugführer ausgebildet wurde und später als Fluglehrer tätig war. Nach seiner Pensionierung vor knapp 20 Jahren zog er nach Rantrum.

Inzwischen hatte Ferdi Bußmann ein kleines Unternehmen für Ballonfahrten aufgebaut. Und zeigte nun seinem Freund und ehemaligen Jet-Piloten, wie schön auch das gemütliche und langsame Dahingleiten über dem Erdboden sein kann, nur angetrieben vom Wind. Drei Mal hatte Günther versucht, seinen Freund im Jet mitzunehmen, doch jedes Mal gab es Probleme, so dass es nie geklappt hat. Bußmann nahm den gescheiterten Freundschaftsdienst jedoch gelassen hin und drehte den Spieß um. „Dann nehme ich dich eben mal im Ballon mit.“ Gesagt, getan – und es sollte das erste Mal sein, dass die beiden zusammen in der Luft waren.

Keine Startbahn nötig, kein Funkverkehr mit dem Tower – im Ballon ist vieles einfacher, stellte Günther fest. Allerdings nahmen die Vorbereitungen für die Ballonfahrt viel Zeit in Anspruch, und auch Muskelkraft war gefordert, um den 25 hohen und 23 Meter breiten Flugkörper aufzurichten. Im Jet habe immer ein Knopfdruck zum Anlassen genügt, so Günther schmunzelnd. Der 3600 Kubikmeter große Ballon jedoch musste zunächst einmal aufgeblasen werden, mit einem Motorgebläse. Doch die Maschine rührte sich nicht. Mehrmals versuchte es Bußmann, bis Günther sagte: „Lass mich mal ran.“ Und siehe da, schon bei seinem ersten Versuch sprang die Luftmaschine an.

Doch er sollte noch weitere Überraschungen erleben. Allein das Besteigen des Korbs war für ihn gewöhnungsbedürftig. „In meinen Jet habe ich mich reingesetzt, angeschnallt und schon ging es los.“ Doch beim Ballonfahren geht es ganz anders zu, viel gemächlicher und umständlicher. Am Ende jedoch – nach zwei Stunden in der Schwebe – war der Rantrumer begeistert. „Es ist zwar langsam, aber unglaublich schön und gemütlich“, fasste Reinhold Günther seine Eindrücke zusammen. Und packte mit seinem alten Freund Ferdi Bußmann noch einmal an, denn der Ballon musste ja auch wieder zusammengelegt und verstaut werden.

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