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Urlaub auf Saint-Martin : Schwabstedterin auf der Flucht vor „Irma“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zehn Minuten später und sie hätte den Hurrikan auf Saint-Martin erleiden müssen: Ute Buttgereit aus Schwabstedt über Glück und Zufälle bei ihrer Rettung, die sie auch einem Husumer Reisekaufmann zu verdanken hat.

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erstellt am 12.Sep.2017 | 12:00 Uhr

Husum/Schwabstedt | „Ich muss darüber reden, sonst habe ich schlechte Träume. Heute denke ich, hätte ich bloß ein Foto von dem Badezimmer mit den Matratzen gemacht, weil man sich sonst alles nicht mehr vorstellen kann. Aber es ging ums Überleben – und da hat man anderes im Kopf.“ Ute Buttgereit (64) verdankt es „ganz, ganz vielen Zufällen und Glück“, dass sie vor dem Hurrikan „Irma“ flüchten konnte. Am Glück war aber auch ein engagierter Mann beteiligt: Christian Sick vom Husumer Reisebüro. Ihm war es gelungen, am 5. September den rettenden Flug zurück von Saint-Martin zu buchen.

Auf der zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilten Karibik-Insel wollte die Schwabstedterin zwei schöne Wochen mit ihrem Lebensgefährten verbringen. Letztlich ist es nur ein einziger schöner Tag geworden. „Wir waren am Freitag, das war der 1. September, in unserer Appartement-Anlage angekommen. Am 2. September gab es bereits Warnungen, aber die Gefahr wurde noch heruntergespielt. Am Sonntag wurde es ernst. Wir sollten die Insel verlassen, von der es ohnehin nur wenige Flüge gibt. Wir versuchten, ins Internet zu gelangen, um selbst zu buchen, doch das Wlan war nicht stabil. Und wir nahmen Kontakt zu Herrn Sick auf.“ Am 4. September stand fest, dass der Hurrikan mit der höchsten Stufe fünf nach der Insel Saint-Barthélemy auch Saint-Martin treffen würde. An diesem Tag bekamen die Nordfriesin und ihr Partner gleich zwei Crash-Kurse für Katastrophenfälle: einen von der Leitung ihrer Ferienanlage und einen noch intensiveren von einem Ehepaar aus Tennessee. „Ich vermute, dass er professionell mit diesem Thema zu tun hat, er wusste unglaublich viel.“

Danach ging es gleich los mit der Praxis des Überlebenstrainings: „Wir haben Wasser eingekauft und Essen vorgekocht. Denn es hieß, dass auf der Insel der Strom und auch der Generator der Wohnanlage abgestellt würden – und wir wohl für etwa acht Stunden eingeschlossen bleiben müssten.“ Das Paar war inzwischen von der gefährdeteren fünften in die dritte Etage umgezogen: Der sicherste Raum in diesem Appartement war eines der beiden innenliegenden Bäder. „In die schleppten wir unsere Matratzen, dann das Essen und das Wasser. Außerdem mussten Fernseher, Glastisch und alles, was sonst noch wegfliegen könnte, in Schränken verstaut werden. Aus Polstermöbeln bauten wir Wasser-Barrikaden. Irgendwie war alles so unwirklich. Zwischendurch versuchten wir immer wieder, ins Internet zu kommen – erfolglos. Ich war dann um drei Uhr früh aufgestanden, um das Reisebüro anzurufen – in Husum war es 9 Uhr am Vormittag. Da hieß es, dass es keine Flüge geben würde.“

Und dann kamen Zufall und Glück ins Spiel: „Herr Sick hatte sich bemüht und bemüht – und als ich gegen 10.30 Uhr erneut anrief, schaute er weiter auf seinen Rechner. Und noch während wir sprachen, rief er plötzlich: ‚Ich habe zwei – sie sind schweineteuer, es sind Business-Plätze. Ich buche sie, nehmen Sie Ihre Pässe und raus...“ Schnell verschwanden die Messer und Scheren aus den mit Blick aufs Überleben gepackten Rucksäcken. Und dann nichts wie weg. „Wir bekamen sogar ein Taxi. Und das Geld auf meiner Kreditkarte reichte bis auf 19 Cent für die teureren Tickets.“ Es war Ortszeit 13.50 Uhr, als das Flugzeug abhob. Um Punkt 14 Uhr wurde auf Saint-Martin die Ausgangssperre verhängt – das Glück braucht manchmal nur zehn Minuten. Am nächsten Tag gab es den Flughafen nicht mehr.

„Erst im Flieger konnte ich glauben, dass es wahr ist. Wir landeten in Curacao, wo die Crew von Saint-Martin ausgewechselt wurde und so in Sicherheit war. Über Amsterdam ging es dann nach Hamburg.“

Am vergangenen Wochenende wurde in Schwabstedt mit Nachbarn und Freunden eine „Überlebensparty“ gefeiert. Nach Saint-Martin möchte Ute Buttgereit unbedingt noch einmal: „Aber erst in ein paar Jahren, wenn alles wieder schön ist – und zu einer anderen Jahreszeit. Vielleicht hilft es sogar, alles zu verarbeiten.“

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