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Mangelnde Kommunikation : Schulverband: Vorsteher tritt zurück

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Schulverband Mittleres Nordfriesland benötigt einen Nachfolger für Sven Paulsen. Andernfalls rücken die beiden Stellvertreter kraft Amtes auf. Der jetzige Vorsteher fühlt sich persönlich diskreditiert.

Sven Paulsen ist von seinem Amt als Vorsteher in der Sitzung des Schulverbandes Mittleres Nordfriesland zurückgertreten. Seine Amtszeit endet am 30. April. Eine Überraschung war das für die anwesenden Mitglieder, Schulleiter, Schulrätin und weitere Gäste nicht. Es blieb still im Sitzungssaal der Amtsverwaltung. Dass er den Schritt gehen wird, war allen bewusst – im Vorwege hatte es einen regen Austausch darüber gegeben. „Einiges stimmt nicht in der Zusammenarbeit, alle wissen Bescheid“, sagte Sven Paulsen gegen Ende der Sitzung.

Paulsen geht mit zwei weinenden Augen, damit sich etwas verändern könne. Hinzu sei ein verbaler Angriff auf ihn als Vorsteher in einer öffentlichen Sitzung des Kultur- und Bildungsausschusses des Kreises Nordfriesland gekommen, wobei er „immer noch auf eine Entschuldigung dieser Person“ wartet.

Sein Stellvertreter, Peter Tücksen, bescheinigt dem Vorsteher, gute Arbeit geleistet zu haben. In einer nicht-öffentlichen Sitzung im vergangenen Monat habe man seinen Entschluss zur Kenntnis genommen und Hoffnungen gehabt, dass er sich umstimmen lasse. Ins Detail wollte Peter Tücksen nicht gehen. Als einen Grund für die Niederlegung des Amtes nennt der Bohmstedter Bürgermeister die enorme Arbeitsbelastung des Vorstehers. Zu den Vorkommnissen in der Ausschuss-Sitzung auf Kreisebene sagte Tücksen zu ihm: „Wir stehen voll und ganz hinter dir.“

Er sei nicht überarbeitet, sagte Sven Paulsen auf Anfrage unserer Zeitung mit Nachdruck. Als der Schulverband Mittleres Nordfriesland am 1. Januar 2010 seine Arbeti aufnahm und er als Vorsteher gewählt wurde, habe er voll und ganz vom Aufwand gewusst. Auch bei seiner Wiederwahl im vergangenen Jahr. Allerdings seien zu den 15 bis 20 Stunden Verbandsarbeit in der Woche annähernd jeweils fünf Stunden hinzugekommen, in denen er sich mit Dingen auseinandersetzen musste, die ihn ärgerten, da sie in seinen Augen unnötig waren. „Die mangelnde Kommunikation im Verband und das Kirchtumdenken einiger Bürgermeister“, nennt er als seine wahren Gründe für den Entschluss. Das Ziel der Fusion der Schulverbände sei Solidarität gewesen. Den Zusammenhalt und das Erreichte im Mittleren Nordfriesland hätten sich andere Schulverbände als Vorbild genommen. Nach außen wirkte der Verband stets als Einheit, hinter den Kulissen brodelte es seit einiger Zeit, so Paulsen.

Die eigentliche Arbeit, die im Vordergrund stand, vermischte sich mit persönlichen Empfindlichkeiten einzelner Mitglieder. Ein Zustand, dem Paulsen nicht mehr Stand halten wollte und konnte, wie er erzählt. Die Arbeit im Verband sei sehr komplex. Das Personal umfasse circa 60 Leute, und einen Etat von weit mehr als vier Millionen gelte es zu verwalten. „Wer sich da nicht richtig einliest und informiert, handelt unprofessionell“, ist Paulsen überzeugt.

Wo lagen die Fehler des Vorstehers? „Ich habe meine Art, das weiß ich. Aber die ist gradlinig und verbindlich.“ Dass er oft sage, was er denke, gefalle nicht immer. Auch nicht, wenn unangenehme Entscheidungen fallen mussten.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte er bereits in interner Runde auf die mangelnde Zusammenarbeit und fehlende Rückendeckung aus den eigenen Reihen hingewiesen. Geändert habe sich allerdings nichts, sagt der Vorsteher. „Wenn alle in einem Wagen sitzen, will ich den gerne ziehen. Wenn allerdings einige die Hacken aus dem Wagen halten und damit bremsen, schaffe ich das nicht“, zieht er einen Vergleich. Der Schulverband Mittleres Nordfriesland muss sich nun um einen Nachfolger bemühen. Sollte das bis zum 1. Mai nicht gelingen, sind die zwei Stellvertreter kraft ihres Amtes gefragt.


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