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Klinikum Nordfriesland in Husum : Schulter an Schulter in Bereitschaft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vorbild Westküstenklinikum: Im Husumer Krankenhaus sollen Notfallversorgung und die Anlaufpraxis der Kassenärzte näher zusammenrücken.

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 11:00 Uhr

Mit Schnupfen und Bauchweh zum Notarzt? Das ist nicht Sinn der Sache, kommt jedoch häufig vor – auch in Husum. „Dabei sind wir ausschließlich für die Versorgung von Notfällen zuständig und für die stationäre Aufnahme“, sagt Dr. Christian Nottebrock, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notfallaufnahme des Klinikums im Erichsenweg. Für ambulante Behandlungen außerhalb der normalen Praxisöffnungszeiten zeichnet dagegen die Anlaufpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung zuständig, die sich ebenfalls in dem Gebäude befindet. Wie Patienten künftig besser kanalisiert und an die richtige Stelle geleitet werden können, wird derzeit untersucht.

Wenn jemand um vier Uhr morgens mit Durchfall auftauche, um sich eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung abzuholen, werde der zwar behandelt und nicht abgewiesen, so Nottebrock. „Aber eigentlich ist das schon Missbrauch.“ Leidensdruck und Anspruchshaltung seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, beklagt er. Daher würden die Patienten schon bei der Ankunft je nach Dringlichkeit der Behandlung in fünf Kategorien aufgeteilt – Bagatellfälle müssen warten. Dazu komme Unkenntnis darüber, was in der Notaufnahme möglich ist: „Wir haben zum Beispiel keine kassenärztliche Zulassung und dürfen auch keine Rezepte ausstellen.“

Das hingegen kann das Personal der Anlaufpraxis. „Die leistet den Bereitschaftsdienst der Kassenärzte“, so Dr. Jörg Decker. Der Internist ist einer von 17 Medizinern, die sich diese Arbeit in der Husumer Praxis teilen. „Alles Freiwillige“, betont er. Montag, Dienstag und Donnerstag sei die Anlaufpraxis von 19 bis 21 Uhr besetzt, Mittwoch und Freitag von 17 bis 21 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 12 und von 17 bis 21 Uhr. „Da ist dann von 13 bis 16 Uhr noch ein Kinderarzt vor Ort.“

Vor zehn Jahren sei dieser Bereitschaftsdienst reformiert worden und ist inzwischen kostenlos – mobil oder per Festnetz – über die bundesweit einheitliche Nummer 116117 zu erreichen, erläutert Marco Dethlefsen, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Da meldet sich die Leitstelle in Bad Segeberg und teilt dem Anrufer mit, wo sich die nächste Anlaufpraxis befindet. „Die 31 allgemeinmedizinischen Praxen im Land sind alle direkt an ein Krankenhaus angeschlossen, so dass – wenn medizinisch erforderlich – dessen Instrumentarium mitbenutzt werden kann.“ Dazu kommen noch zwölf kinderärztliche Anlaufpraxen. Und kann ein Patient nicht zur Praxis kommen, mache der diensthabende Arzt bei ihm einen Hausbesuch, so Decker. „Dafür gibt es einen Fahrdienst.“

Allerdings wissen viele Menschen nichts von der Existenz der Anlaufpraxen. „Um Patienten gezielter der medizinisch sinnvollen Versorgungsebene zuordnen zu können, sind im Westküstenklinikum Heide Notaufnahme und Anlaufpraxis näher zusammengerückt“, erläutert Dethlefsen. Dort sei die Anlaufpraxis mit in die Notaufnahme eingezogen, so dass Kassen- und Krankenhausärzte jetzt dieselben Behandlungsräume nutzen. „Und auch einen gemeinsamen Empfangstresen haben.“

Dieses Modell könne auch als Vorbild für Husum dienen, so Nottebrock. „Da laufen die Gespräche gerade auf Hochtouren.“ Die Notfallaufnahme müsse dringend entlastet werden, ohne dass es Nachteile für den Patienten gibt. „Denn wenn er das Krankenhaus betritt, ist auch das Krankenhaus für ihn verantwortlich.“ Zumal es immer mal wieder „Irrläufer“ in der Gegenrichtung gebe: „Wir hatten auch schon Herzinfarkt-Patienten, die brav in der Anlaufpraxis warteten“, erinnert sich Decker.

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